Stiko-Chef Mertens verteidigt Impfpriorisierung

  • Um die von der Stiko empfohlene Impfreihenfolge gab es zuletzt immer wieder Diskussionen.
  • Doch die Stiko hält bis heute weitgehend an ihrer Priorisierungsempfehlung fest.
  • Denn durch die Impfung der höchsten Altersgruppen lässt sich der beste Effekt erzielen, wie Berechnungen zeigen.
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In einer Podiumsdiskussion der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz hat der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am vergangenen Freitag die Priorisierung bei den Corona-Impfungen verteidigt und erklärt, warum diese am meisten Menschenleben rettet.

Die Stiko (ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) hatte vor ihrer Empfehlung zur Impfpriorisierung ausgewertet, wodurch die Zahl der schweren Covid-19 Verläufe am stärksten beeinflusst wird. Das Alter war dabei der mit Abstand größte Faktor, der sich bei einer Erkrankung auf die Sterblichkeit und Aufnahme ins Krankenhaus auswirkt. Der einzige annähernd vergleichbar hohe Risikofaktor war eine Trisomie 21, vermutlich, weil Menschen mit Trisomie häufig zusätzlich Organfehlbildungen haben, so Mertens. Die Berechnungen sind im epidemiologischen Bulletin 5/2021 einsehbar.

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Modellrechnung spricht für Priorisierung nach Alter

Mit einer Modellrechnung hatte die Stiko anschließend verglichen, wie sich eine Impfung verschiedener Bevölkerungsgruppen innerhalb von zwölf Wochen auswirken würde. Durchgerechnet wurde dabei der Effekt einer Impfung der über 80-Jährigen, der über 60-Jährigen und der über 18-Jährigen mit Vorerkrankungen. Eine Impfung der über 80-Jährigen hatte demnach den größten Erfolg versprochen.

Es habe sich gezeigt, dass man mit der Strategie, die Ältesten zu impfen, „sowohl die Hospitalisierungen als auch die Todesfälle als auch die verlorenen Lebensjahre mit Abstand am besten beeinflussen kann“, erklärte Mertens in der Mainzer Expertenrunde. Durch die Impfung der ältesten Menschen würde zudem ein großer Anteil der Menschen mit Vorerkrankungen mit erfasst.

Öffnungsklausel nicht missbrauchen

Mit einer Priorisierung der höchsten Altersgruppen werde man daher nicht nur der ethischen Forderung gerecht, den Schutz der Schwächsten nach vorne zu stellen. Man erziele auch den „besten Effekt für die Gesellschaft“, so Mertens. In die Gruppe der höchsten Priorisierung fallen daher über 80-Jährige, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal und Pfleger im engen Kontakt mit dieser Personengruppe.

Die sogenannte „Öffnungsklausel“ sieht zudem vor, dass auch Menschen mit seltenen schweren Vorerkrankungen eher geimpft werden können, bei denen ein hohes Risiko schwerer Verläufe angenommen werden muss. Oder diejenigen, bei denen das zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr möglich wäre, etwa weil eine Chemotherapie bevorsteht. Auch Einzelfallentscheidungen von Ärzten seien möglich. Mertens betonte aber, die Öffnungsklausel dürfe „nicht missbraucht werden, um eine Impfung ungerechtfertigterweise durchzuführen und stärker gefährdeten Personen eine Impfung vorzuenthalten“.

Höhere Priorisierung von Lehrern nicht gerechtfertigt

Keinen Grund sieht die Stiko für eine höhere Priorisierung der Lehrer. Er erhalte zwar „körbeweise E-Mails“ mit teils schwersten Vorwürfen, in denen diese gefordert werde, erklärte Mertens. Die Stiko haben aber alle verfügbare Literatur analysiert und für Lehrer und Erzieherinnen kein allgemein höheres Risiko für schwere Erkrankungen finden können. Eine höhere Priorisierung bei den Impfungen hält die Stiko daher nicht für gerechtfertigt. Die Politik habe zwar die Freiheit, hierbei anders zu entscheiden. Es sei dann aber auch Sache der Politik, dafür ein Begründung zu liefern.

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