Quarantäne und Isolation: RKI will verkürzte Zeit für Corona-Infizierte

  • Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat, muss bislang 14 Tage in häuslicher Isolation verbringen.
  • Das Robert-Koch-Institut will die Zeitspanne mit Blick auf neuere Daten verringern.
  • Die Quarantäneregeln für Kontaktpersonen sollen sich aber nicht verändern.
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Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat, muss sich in Quarantäne oder Isolation begeben. Aber was genau meint das? Und für wie lange müssen sich positiv auf Sars-CoV-2 Getestete von anderen Menschen isolieren, um eine Übertragung des Virus zu verhindern?

Bislang gelten 14 Tage in Isolation oder Quarantäne als Maßstab für alle. Allerdings hat das Robert-Koch-Institut seine Empfehlungen zu Quarantäne und Isolierung von Infizierten und Kontaktpersonen überarbeitet und empfiehlt der Politik nun ein leicht verändertes Vorgehen. Die Grundlage dafür: präzisere Daten nach den ersten Pandemiemonaten, eine Abwägung auch sozialer und wirtschaftlicher Aspekte sowie interne RKI-Rechenmodelle.

Wie lange in Isolation oder Quarantäne?

Wenn es zu einer Sars-CoV-2-Infektion gekommen ist, stünden individuelle Maßnahmen im Vordergrund, heißt es in einem am 23. September veröffentlichten RKI-Dokument (epidemiologisches Bulletin). Die neuen Empfehlungen unterscheiden zwischen zwei Gruppen:

  • Nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierte und Erkrankte, bei denen eine Viruslast im Körper festgestellt wurde, sollen sich mindestens zehn Tage in Isolation begeben, nicht mehr wie zuvor 14 Tage.
  • Engen Kontaktpersonen (Kategorie I) von Infizierten, bei denen eine Ansteckung wahrscheinlich ist, wird weiterhin empfohlen, sich in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben.

Die unterschiedlichen Zeitspannen resultieren aus den Erkenntnissen zur Infektiosität. Bei nachweislich Infizierten ist diese weitgehend eindeutig einzugrenzen. Bei Kontaktpersonen ist weniger klar, ab wann sie ansteckend sein könnten.

Wie lange besteht Ansteckungsgefahr?

Grundsätzlich können sich Infektionsverläufe von Fall zu Fall unterscheiden – und damit auch der Zeitraum, in dem eine Person infektiös ist. Mehrere Studien und Daten der Gesundheitsämter gehen inzwischen davon aus, dass bei leichten Verläufen zwischen dem fünften und zehnten Tag nach Symptombeginn das Ansteckungsrisiko am stärksten abnimmt. “Eine Verkürzung der Isolierungsdauer auf weniger als zehn Tage würde daher im Umkehrschluss mit einer entsprechend großen Risikozunahme einhergehen“, wird im RKI-Dokument zu bedenken gegeben. Nach Tag zehn bestehe allerdings nur in vereinzelten Fällen eine länger anhaltende Ausscheidung infektiöser Viruspartikel.

Bei schweren Krankheitsverläufen und älteren Personen können infektiöse Viruspartikel aber durchaus länger ausgeschieden werden. Deswegen empfiehlt das RKI in diesen Fällen eine längere Abgrenzung und einen negativen PCR-Test als Kriterium zum Isolationsende.

Ab wann besteht Infektiosität?

Unterschieden wird zwischen der Inkubationszeit (Periode zwischen Virusaufnahme und Auftreten von Symptomen) und der infektiösen Phase (Ansteckungsfähigkeit). Bei einem Großteil der positiv Getesteten ist davon auszugehen, dass die Inkubationszeit fünf bis sechs Tage dauert. Nach bisherigem Wissensstand gibt es aber in rund 5 Prozent der Fälle eine Inkubationszeit, die länger als zehn bis 14 Tage dauern kann. Treten Symptome auf, was auch nicht immer der Fall ist, wird in den meisten Fällen von einem infektiösen Zeitintervall ab dem zweiten Tag vor Auftreten erster Beschwerden ausgegangen.

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Was ist der Unterschied zwischen Quarantäne und Isolierung?

Oberstes Ziel bei Absonderung ist das Verhindern einer Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung. Das RKI unterscheidet bei den Maßnahmen zwischen den Begriffen Quarantäne und Isolierung.

  • Quarantäne bezeichnet die Absonderung symptomfreier Personen. Diese könnten sich aber angesteckt haben, weil sie Kontakt zu einer Sars-CoV-2-positiven Person hatten.
  • Der Begriff Isolierung bezieht sich auf kranke oder per PCR-Test nachgewiesen infizierte Personen. Bei ihnen sind Inkubationszeit und Infektiosität besser einzugrenzen.

Wer zählt als enger Kontakt?

Das RKI empfiehlt nur Kontaktpersonen der Kategorie I eine Isolierung. Darunter fallen beispielsweise ein mindestens 15-minütiger Kontakt mit einer infizierten Person, direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines anderen, Personen in beengter Raumsituation wie in einer Kita-Gruppe. Aber auch Personen, die einer potenziell hohen Konzentration von Aerosolen ausgesetzt waren, fallen unter diese Gruppe – also beispielsweise beim gemeinsamen Feiern, Sport und Singen.

RND/sbu




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