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Psychologin: So kann Weihnachten trotz Lockdown noch besinnlich werden

Auch wenn Weihnachten in diesem Jahr nur im kleinen Kreis stattfindet, kann es dennoch besinnlich werden, meint die Kieler Psychologin Svenja Lüthge.

Auch wenn Weihnachten in diesem Jahr nur im kleinen Kreis stattfindet, kann es dennoch besinnlich werden, meint die Kieler Psychologin Svenja Lüthge.

Hannover, Kiel. Weihnachten wird anders im Jahr der Pandemie. Vor dem Familienbesuch machen sich Menschen Gedanken, mit wie vielen sie zusammen kommen wollen. Dennoch ist vieles möglich, sagt die Kieler Psychologin Svenja Lüthge. Sie rät zur Zuversicht und zu Kompromissen.

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Frau Lüthge, Weihnachten ist in Deutschland zumeist ein Familienfest. Warum ist das so?

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Geburt Jesu traditionell als Familienfest gefeiert. Mit der Industrialisierung befand sich der Arbeitsplatz nicht mehr unbedingt am Wohnort. Seitdem kommen die Menschen auch von weiter her zusammen. Weihnachten ist ganz stark mit Ritualen verbunden. Für viele bedeutet es eine Erinnerung an die Kindheit und eine Tradition, die sie fortgeführt haben in der eigenen Familie.

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In diesem Jahr wird aber manches anders sein.

Ja, wir dürfen nur mit wenigen Menschen feiern, vielleicht auch nicht mit Oma und Opa, weil die sich anstecken könnten. Wir müssen etwas zurückstecken - und ein paar Ideen entwickeln. Wir sind bei uns an Heiligabend sonst immer 18 Leute, die Kinder musizieren immer miteinander. Das machen wir in diesem Jahr in einer Videokonferenz.

Wird das Weihnachtsfest mit Erwartungen überfrachtet?

Ich glaube, wir haben dieses Jahr nicht so hohe Erwartungen wie sonst. Sonst ging es um Fragen wie: Wie vermeide ich Stress? Wie organisiere ich mich richtig? Dieses Jahr fallen Weihnachtsfeste, Weihnachtsmärkte oder in der Schule das Weihnachtsbasteln weg. Es kann ein besinnlicheres Weihnachten werden.

Wichtig ist, dass die Menschen zuversichtlich bleiben. Das ist auch eine zentrale Botschaft von Weihnachten. Ich muss da an unsere 83-jährige Nachbarin denken. Die lebt allein und war immer in der Kirche engagiert, im Chor, hat für noch ältere Menschen Frühstücke organisiert. Für sie ist von jetzt auf gleich das soziale Leben komplett weggebrochen. Aber sie sagt auch: Wir müssen das Beste draus machen und geduldig sein.

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Die nach den Coronaregeln erlaubte Zahl der Festgäste ist das eine, die Appelle nach größtmöglicher Vorsicht sind das andere. Wie gehe ich damit um?

Wir müssen immer mit bestem Gewissen und gesundem Menschenverstand vorgehen. Mein Vater hatte eine Krebserkrankung und zieht sich derzeit ein Stück weit zurück. Wir treffen uns auf Abstand, mal auch im Garten und ich fahre dann nach einer Stunde wieder nach Hause. Wir können einander nicht umarmen. Das fällt allen schwer, aber das ist eine Übergangsphase. Zu 100 Prozent kann man nicht garantieren, andere nicht anzustecken. Aber man kann sich so verhalten, dass man sich und seine Liebsten gut schützt.

Was bewegt dabei Menschen, die zu Ihnen in die Praxis kommen?

Die Menschen, die bei mir in der Praxis Hilfe suchen, sind diejenigen, die Ängste haben, diese Krankheit zu bekommen. Das sind Menschen, die Vorerkrankungen haben. Da besteht die Gefahr, dass die sich zu sehr zurückziehen. Ihre Angst muss ernst genommen werden, sie schützt ja auch. Doch die Angst sollte auch nicht zu sehr einschränken.

Wenn mehrere aus der Familie Weihnachten zusammenkommen, der eine nicht so viel Kontakt haben möchte, der andere aber darauf besteht, dass auch die Eltern kommen. Dann müssen sie darüber sprechen. Wir müssen auf die Menschen Rücksicht nehmen, die ängstlicher sind oder vielleicht eher gefährdet. Es gilt, einen Kompromiss zu finden, so dass alle ein schönes Weihnachtsfest haben.

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Können Videokonferenzen ein Ersatz für ein Treffen sein?

Ein richtiger Ersatz ist das nicht. Wir brauchen auch das Miteinander, die Nähe. Aber es wird ja wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder anders sein. Und deswegen können wir das Ganze als Ausnahme betrachten. Eine Konferenz kann dann sogar ganz lustig werden, etwa wenn alle reihum ihren Tannenbaum präsentieren.

RND/epd

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