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Psychologe warnt: Menschen vermuten in der Familie geringeres Corona-Ansteckungsrisiko, doch dem ist nicht so

  • Je vertrauter einem eine Person ist, desto geringer ist die Angst vor einer Corona-Ansteckung - das haben Psychologen beobachtet.
  • Bei der Familie werde das Risiko sogar noch geringer eingeschätzt als bei Freunden.
  • Virologisch betrachtet sei das unsinnig, denn bei fremden Menschen steckt man sich sogar seltener an, da man ihnen nicht so nahe kommt.
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Darmstadt. Menschen bewerten das Ansteckungsrisiko für eine Corona-Infektion nach Ansicht des Darmstädter Psychologen Horst Heidbrink bei ihnen nahe stehenden Menschen geringer als bei fremden Personen. Bei Menschen, denen man vertraue, habe man das subjektive Gefühl, dass das Risiko einer Ansteckung geringer ist. „Wir glauben, diese Menschen - egal ob Verwandte oder gute Freunde - werden einen nicht anstecken“, sagte Heidbrink. Das sei paradox und virologisch betrachtet Unsinn.

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Beschränkungen in Bezug auf Familie großzügiger als bei Freunden

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Bei fremden Menschen würde man sich sogar eher seltener anstecken, weil man ihnen ohnehin nicht so nah komme. Von daher mache es, was das Ansteckungsrisiko angehe, nach Heidbrinks Vermutung keinen Unterschied, ob man sich mit Freunden oder Verwandten an Weihnachten treffe. Es gebe aber das Gefühl, dass man im Familienkreis vielleicht doch noch etwas sicherer sei vor Ansteckung als im Freundeskreis. Intuitiv fühlten sich die Menschen damit wohler.

Daher komme es, dass die Freiheiten an Weihnachten trotz aller Beschränkungen in den meisten Bundesländern doch etwas großzügiger in Bezug auf Familien seien als Silvester in Bezug auf Freunde, sagte Heidbrink, der zu Freundschaftsbeziehungen forscht.

Erwartungen an Familie größer als an Freunde

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Freundschaften hätten eine lange evolutionäre Tradition, die bis in die früheste Zeit der Menschwerdung zurückreiche. Freundschaften seien damals lebensnotwendig gewesen, weil sie auf Kooperation beruhten. Evolutionsgeschichtlich betrachtet sei Verwandtschaft in der frühen Zeit des Menschen nicht wichtiger als Freundschaft gewesen, erläuterte Heidbrink. Die Vorrangigkeit der Familie habe sich aber als Vorstellung bis heute kultiviert.

In der heutigen Gesellschaft übernehme die Familie viele wichtige Funktionen. Erwartungen an die Familie seien oftmals größer als an Freunde. Freundschaften seien auf eine Balance aus Geben und Nehmen ausgerichtet. Freunde seien nach heutigen Vorstellungen Vertraute, von denen man sich vor allem emotionale Unterstützung erhoffe. „Das ist heute die wichtigste Aufgabe von Freundschaften - im Gegensatz zu einer eher existenziellen, materiellen Unterstützung im Bereich der Familie“, sagte Heidbrink.

RND/epd

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