PSA-Test auf Prostatakrebs schadet laut Experten oft mehr als er nutzt

  • Viele Männer kämpfen im Alter mit Prostatakrebs.
  • Ein Test zur Früherkennung soll eine schnelle Behandlung ermöglichen.
  • Doch soll das PSA-Screening aktiv von Krankenkassen angeboten werden? Nein, urteilen Experten in einem Bericht.
Manuel Behrens
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Mit 25 Prozent ist Prostatakrebs laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Institutes (RKI) der häufigste Tumor bei Männern – rund 57.000 neue Fälle werden jährlich in Deutschland entdeckt. Nach Lungen- und Darmkrebs ist er damit die Krebsart, die am dritthäufigsten zum Tod führt (14.000 Fälle pro Jahr).

Das sogenannte PSA-Screening ermöglicht, bösartige Tumore bereits im Frühstadium zu erkennen und rasch mit der Behandlung zu beginnen. Bei dem Bluttest wird das prostataspezifische Antigen (PSA) bestimmt. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist eine Erkrankung.

Ob auch Männer ohne Verdacht auf Prostatakrebs innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen ein PSA-Test angeboten werden soll, das sollte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) ermitteln. Dafür wurden 400.000 Testteilnehmer in elf Studien untersucht.

Impotenz und Inkontinenz durch Überbehandlung

In einem Vorbericht zur Untersuchung hat das IQWiG nun davon abgeraten, die Kosten für die Tests zu übernehmen. Das Fazit des Instituts: Das PSA-Screening würde mehr untersuchten Männern schaden, als nutzen. Als einen der Hauptgründe wird die körperliche und geistige Belastung der Männer durch „Überdiagnosen“ angeführt: Bei gut 200 von 1000 Teilnehmern wurde zwar ein erhöhter PSA-Wert und somit ein Krebsverdacht festgestellt. Diese stellten sich allerdings als unbegründet heraus – oder der Tumor bereitete den Betroffenen keine Probleme. Die Folge seien nicht erforderliche Behandlungen. Drei von 1000 Männern müssten auf diese Weise eine dauerhafte Inkontinenz und Impotenz durch Komplikationen bei Eingriffen befürchten.

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Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Degam) hatte im November einen ähnlichen Bericht vorgelegt. Kassen sollen den Früherkennungstest nicht aktiv anbieten. So sollen Überdiagnostik und Übertherapie verhindert werden.

Nach einer neuen Schätzung des RKI wurden 2016 in Deutschland rund 492.000 Krebserkrankungen diagnostiziert. Etwa die Hälfte der bösartigen Tumore betrafen Brustdrüse (68.900), Prostata (58.800), Dickdarm (58.300) und Lunge (57.500).

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