Problematische Lockerungen an Weihnachten? Intensivmediziner fürchten dritte Welle

Intensivmediziner bemängeln die fehlenden Strategien zur Entlastung der Krankenhäuser.

Intensivmediziner bemängeln die fehlenden Strategien zur Entlastung der Krankenhäuser.

Die Politik hat sich festgelegt. Der Teil-Lockdown bleibt – und wird obendrein mindestens bis zum 20. Dezember verschärft. Diese Entscheidung sei aus intensivmedizinischer Sicht unerlässlich, sagt dazu Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Skeptisch zeigt sich der Intensivmediziner allerdings gegenüber den geplanten Lockerungen über die Feiertage Ende Dezember.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Bei allem Verständnis für Weihnachten und Familienfeiern müssen wir leider befürchten, dass in der Folge der partiellen Aufhebung der Einschränkungen um Weihnachten im Januar die Infektionszahlen wieder ansteigen“, gibt Janssens gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zu bedenken.

Der Corona Newsletter "Die Pandemie und wir" vom RND.

Die Pandemie und wir

Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Kliniken am Limit: Corona-Maßnahmen auch im Januar nötig

Jedem vernünftigen Mensch muss doch klar sein, dass wir Weihnachten definitiv noch nicht in einer Situation sind, die nachhaltige Lockerungen erlaubt.

Uwe Janssens,

Divi-Präsident

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Er sei frustriert über „das ewige Auf und Ab der politisch getroffenen Entscheidungen“. Tagelang sei beispielsweise über Böllerverbote diskutiert worden. Aber eine Entlastung von Krankenhäusern, die besonders viele Covid-19-Patienten behandeln, finde derzeit nicht wirklich statt, kritisiert Janssens. Auch ein finanzieller Rettungsschirm für die Krankenhäuser sei noch in keinster Weise in der Umsetzung. Den Mitarbeitern auf den Intensivstation, aber auch in anderen Bereichen des Krankenhauses, erscheine die derzeitige Diskussion eher unverständlich. „In der Intensivmedizin stehen wir mittlerweile in einigen Regionen mit dem Rücken zur Wand“, berichtet der Divi-Präsident.

„Wünschenswert wäre die Etablierung einer langfristigen Strategie und nicht die dauernde Diskussion alle zwei Wochen“, forderte Janssens. „Jedem vernünftigen Mensch muss doch klar sein, dass wir Weihnachten definitiv noch nicht in einer Situation sind, die nachhaltige Lockerungen erlaubt.“

Die Politik dürfe keine falschen Hoffnungen wecken, warnte auch der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, am Mittwoch noch vor den Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Es ist nicht realistisch, der Bevölkerung zu vermitteln, dass wir im Januar und Februar eine signifikant andere Situation haben werden“, betonte er. „Ein geringes Infektionsgeschehen wie in den Sommermonaten ist im Winter nicht realistisch.“ Beschränkungen seien bis ins Jahr 2021 notwendig, erst eine Impfung werde für spürbare Entspannung sorgen, prognostizierte der DKG-Präsident.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dritte Welle zum Jahresanfang?

Auch Mathematiker rechnen damit, dass es über die Feiertage wieder zu mehr Infektionen kommen könnte. „Das wäre dann frühestens im Januar sichtbar, mit deutlich höheren Fallzahlen“, sagt Jan Fuhrmann, der am Forschungszentrum Jülich Pandemiesimulationen entwickelt. Es sei davon auszugehen, dass die Menschen im Privaten weniger auf Abstands- und Hygieneregeln achten und unvorsichtig werden. Je größer die Gruppen, desto größer sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Superspreadingevents entstehen. „Wenn aber alle freiwillig im Privaten Abstand halten, im kleinen Kreis feiern und regelmäßig lüften, könnte der befürchtete Anstieg der Fallzahlen im Januar ausbleiben“, erklärte Fuhrmann dem RND.

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen