Aus der Sache einen Krieg gemacht: Was Portugals Impfkampagne so erfolgreich machte

  • Rund anderthalb Jahre nach Pandemiebeginn hat sich ein Land mit unter die Staaten mit den besten Impfquoten gemischt, das zu Anfang wohl die wenigsten auf dem Zettel hatten.
  • Portugal glänzt mit einer Impfquote von fast 100 Prozent bei über Zwölfjährigen.
  • Vor allem einem Militär wird nachgesagt, die Wende gebracht zu haben.
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Via Twitter lobt Karl Lauterbach am Sonntagmorgen die Impfkampagne Portugals: 98 Prozent der über Zwölfjährigen in dem Land seien geimpft, schreibt der SPD-Gesundheitspolitiker in seinem Post. Der „fantastische Erfolg“ gehe zurück auf eine offensive Aufklärung zu Wirkung und Nebenwirkungen der Impfung, heißt es weiter – und auf eine „fast militärisch“ organisierte Kampagne. Sein abschließendes Urteil: „Davon kann man lernen.“

Militär vermittelte „eine Kommunikationspolitik, die Glaubwürdigkeit und Vertrauen verlieh“

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Lauterbach bezieht sich auf einen Bericht der „New York Times“, wonach der plötzliche Erfolg des Programms vor allem einem Mann gebührt: Vizeadmiral Henrique Gouveia e Melo. Demnach wandte sich die Regierung an ihn, als die Impfkampagne Portugals stockte – und er habe sie so umgekehrt, dass die Politik dabei fortan keine Rolle mehr spielte. „Das erste ist, aus dieser Sache einen Krieg zu machen“, wird Gouveia e Melo zitiert. Passend dazu habe er bei Fernsehauftritten seine Kampfuniform getragen.

„Er formulierte eine Kommunikationspolitik über das Geschehen, die Glaubwürdigkeit und Vertrauen verlieh“, lobt Leonor Beleza, ehemalige portugiesische Gesundheitsministerin und Präsidentin der medizinischen Stiftung Champalimaud, das Vorgehen. Entscheidend sei hierfür laut Admiral Gouveia e Melo auch die Konsistenz der Botschaften.

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Hohe Impfquote in Portugal: Als Vorbilder galten Expertinnen und Experten

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Darüber hinaus hat der Militär laut „New York Times“ ein Team von etwa drei Dutzend Leuten zusammengestellt, bestehend aus Mathematikerinnen und Mathematikern, medizinischem Fachpersonal, Analystinnen und Analysten sowie Expertinnen und Experten der portugiesischen Armee, Luftwaffe und Marine. Angeführt wurde es demnach von Elite-Militärs.

Die Task Force habe ein System entwickelt, um Menschen durch die Impfzentren zu leiten, und Truppen eingesetzt, um das Vertrauen in ebendieses System zu stärken. Soldatinnen und Soldaten, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal seien also bewusst als Vorbilder aufgetreten.

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Zwar wird dem Bericht nach auch Kritik an der Massenimpfung laut, die Umfragen sprächen aber für Gouveia e Melos Vorgehen: Seien es zu Beginn der Pandemie noch 40 Prozent gewesen, die einer Spritze gegen das Coronavirus unsicher gegenüber stünden, so seien es heute nur 2,2 Prozent.

Auch wegen der hohen Impfquote hat Portugal am Freitag beinahe alle seine Corona-Beschränkungen aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus sank laut Johns-Hopkins-Universität (JHU) zuletzt deutlich. In der vergangenen Woche infizierten sich demnach 3299 Menschen, auch die Zahl der Todesfälle ging stark zurück.

RND/jo

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