Experten: Pornosucht wird ein immer größeres gesellschaftliches Problem, Pandemie wirkt wie ein Beschleuniger

  • In Corona-Zeiten schauen offenbar besonders viele Menschen Pornos – die Nutzerzahlen sind laut Experten in allen Ländern gestiegen.
  • Doch zunehmend wird das zu einem gesellschaftlichen Problem, vor allem im Homeoffice, wo die Gelegenheit stets nahe ist.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle die Pornosucht daher offiziell anerkennen, fordern Experten.
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München/Wien. Die Sucht nach Internetpornografie wird aus Expertensicht zu einem immer größeren Problem für die Gesellschaft – vor allem in Corona-Zeiten mit Homeoffice und wenig Freizeitmöglichkeiten. „Wenn man sich die Nutzerangaben von Seiten wie Pornhub anschaut, sieht man: Im Rahmen des Lockdowns kommen in allen Ländern nochmal zehn Prozent dazu“, sagte die Münchner Neurologin und Psychotherapeutin Heike Melzer am Dienstag im Rahmen einer Online-Diskussionsveranstaltung des österreichischen Vereins „Safersurfing“.

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Sex-Vlog mit Ann-Marlene Henning: Pornosucht – wenn Wichsen zum Problem wird
3:06 min
Ist es möglich, zu viele Pornos zu schauen? Ab wann ist man süchtig nach Pornos? Das erklärt die Sexologin Ann-Marlene Henning.  © Agnieszka Krus und Carolin Burchardt

„Es ist viel gefährlicher, wenn von zu Hause aus gearbeitet wird, weil dann das soziale Korrektiv wegfällt und man vielleicht schon während der Arbeitszeit zwischendurch wieder auf die Pornos zurückgreift.“

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Pornos sind großes gesellschaftliches Problem

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Schon ohne soziale Isolation und die Konzentration auf das Digitale in der Corona-Krise sei Pornografie-Sucht zu einem großen gesellschaftlichen Problem geworden. Der Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, Peter Stippl, sprach von „grauenhaften Auswüchsen“: „Ganze Existenzen werden so gefährdet.“

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Der Psychiater Kornelius Roth-Schaeff zitierte Studien, wonach zwischen fünf und acht Prozent der Bevölkerung süchtig nach Internet-Pornos seien. Aus Sicht der Experten ist es an der Zeit, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Problem als Sucht offiziell anerkennt. „Es ist notwendig, dass man darauf gesellschaftlich und politisch reagiert“, betonte Stippl.

RND/dpa

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