• Startseite
  • Gesundheit
  • Corona-Experten machen Hoffnung für den Sommer - mahnen aber im Moment zu Vorsicht

Plötzlich liegt die Hoffnung in der Frühsommerluft

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Hoffnung für den Sommer, Vorsicht für den Moment.
|
Anzeige
Anzeige

Liebe Leserinnen und Leser,

selbst Corona-Experten, die zu den Mahnern in diesen schweren Zeiten gehören, zeigen plötzlich Optimismus. „Wir sind jetzt in der letzten Runde auf der Schlussgeraden. Der Sommer wird gut werden“, schrieb der Epidemiologe und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach vor Kurzem auf Twitter. „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Inzidenzen von deutlich unter 50 wie im vergangenen Sommer seien wahrscheinlich in den nächsten Wochen zu erreichen, sagt die Physikerin Viola Priesemann.

Hoffnung auf bessere Tage scheint plötzlich zum Greifen nah. Es ist ja schon Anfang Mai, der Sommer beginnt bekanntermaßen im Juni – und nun schon im Juli könnte Bundeskanzleramtschef Helge Braun zufolge jeder Erwachsene das ersehnte Impfangebot bekommen. Die Fallzahlen sinken seit mehreren Tagen, der R-Wert dümpelt unterhalb der 1. Und es geht mit dem Impfen voran, das macht sich auch im Alltag bemerkbar. Können Sie die Menschen, die ihren ersten Piks bekommen haben oder immerhin schon auf der Warteliste stehen, noch an einer Hand abzählen?

Anzeige

Nicht verwechseln: Zuversicht für bald, Vorsicht für jetzt

Rund 30 Prozent Erstgeimpfte hat Deutschland inzwischen. Rund 8 Prozent von ihnen, die vollständig Geimpften, werden ab dem Wochenende wohl erste Freiheitsrechte wiedererlangen, sind dann etwa von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen ausgenommen. Der Ruf nach Lockerungen für alle wird dadurch erneut ebenfalls größer. Aber: Aktuell bleibt die dritte Welle noch eine Herausforderung.

Während die Gruppe der Geimpften und Genesenen ein deutlich reduziertes Risiko bei Kontakten hat, gibt es noch viele, die ungeschützt sind. Kinder, Jugendliche und Schwangere werden zudem noch länger nicht geimpft sein. 4955 Corona-Patienten kämpfen derzeit auf den Intensivstationen um ihr Leben. „Eine Zahl, die nach außen recht stabil erscheint, im Inneren der Kliniken jedoch immer noch eine belastende Herausforderung für jeden einzelnen Mitarbeiter darstellt“, betonte am Mittwoch die Divi-Vereinigung der Notfallmediziner. Auch Jens Spahn bleibt deshalb noch mahnend. „Zuversicht paaren mit Umsicht und Vorsicht. Jetzt nicht zu schnell öffnen“, hieß seine im „ZDF-Morgenmagazin“ geäußerte Formel für die kommenden Wochen.

Bleiben Sie also weiterhin stabil – und erlauben Sie sich Zuversicht!

Anzeige

Saskia Bücker

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
Anzeige

Erkenntnis der Woche

Kontrovers wurde diskutiert, nun ist der Weg frei: Das Bundeskabinett hat am Dienstag Erleichterungen für Corona-Geimpfte beschlossen. An diesem Donnerstag hat auch der Bundestag zugestimmt, morgen muss noch der Bundesrat grünes Licht geben. Die neuen Regeln sollen dann bundesweit ab dem Wochenende gelten, in Bayern schon ab heute.

Demnach sollen Geimpfte und Genesene keinen negativen Test mehr brauchen, wenn sie zum Beispiel einkaufen gehen oder zum Friseur wollen. Sie dürfen sich auch, nachdem die Verordnung in Kraft getreten ist, privat ohne Einschränkungen treffen. Ausgangsbeschränkungen gelten dann ebenfalls nicht mehr für sie. Zudem haben viele Bundesländer weitere Öffnungsschritte angekündigt, von denen auch Nichtgeimpfte profitieren können. Diese unterscheiden sich aber regional voneinander. Was im Einzelnen vor Ort geplant ist, können Sie hier nachlesen.

Pandemie in Zahlen

Alltagswissen

Anzeige

Auch von einer Covid-19-Erkrankung genesene Menschen sollen bundesweit mehr Freiheiten bekommen. In Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern, die bereits Lockerungen für Genesene beschlossen haben, sind Einzelheiten zum Nachweis bereits geregelt. Als Bescheinigung kann demnach ein positives PCR-Testergebnis vorgelegt werden.

Corona-Infizierte gelten laut RKI erst dann als genesen, wenn mindestens 14 Tage nach Beginn der Symptome oder Erstnachweis des Erregers verstrichen sind und ein Antigentest negativ ausfällt. Bei einem schweren oder leichten Covid-19-Krankheitsverlauf darf es 48 Stunden lang keine Symptome wie Husten oder Fieber geben, und es braucht zwei negative PCR-Ergebnisse.

Zitat der Woche

Wir sollten klar kommunizieren, dass es keinen festen Endpunkt gibt, ab dem alles wieder gut ist und Maßnahmen beendet werden können, sondern wir müssen uns alle weiterhin anstrengen.

Virologe Prof. Friedemann Weber im RND-Gespräch zu der Frage, ob Herdenimmunität unmöglich ist

Forschungsfortschritt

Die Medikamente Dexamethason und Heparin kommen schon länger zum Einsatz, wenn Menschen mit schwerem Covid-19-Verlauf im Krankenhaus behandelt werden. Sie können das Virus nicht stoppen, aber den Verlauf etwas abmildern. Nun verspricht auch Tocilizumab etwas Hoffnung. Eine Anfang Mai in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienene und weltweit größte zum Mittel laufende klinische Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Gabe dieses monoklonalen Antikörpers in Kombination mit Steroiden (Dexamethason) bei schweren Covid-19-Fällen einen Überlebensvorteil bieten kann.

Anzeige

Die Daten lassen erstmals darauf schließen, dass mit dieser Behandlung die Mortalität ein Stück weit sinkt. Im Rahmen der Studie sind nach Gabe des Mittels also weniger Menschen verstorben als statistisch gesehen erwartet. Die Fachgesellschaften in Deutschland empfehlen nun einen zurückhaltenden Einsatz in der Therapie – etwa bei einer bakteriellen Infektion. Kurz vor einer drohenden Beatmung sei aber von einer Gabe abzusehen, ebenso in der Spätphase der Erkrankung ohne Zeichen einer Hyperinflammation.

Pandemie im Ausland

Dramatische Lage in Indien: Eine Person in Schutzkleidung spritzt eine Flüssigkeit auf einen Holzhaufen, in dem der Leichnam eines im Zusammenhang mit dem Coronavirus Verstorbenen liegt. © Quelle: Nazim Ali Khan/ZUMA Wire/dpa

In Indien ist die Corona-Lage angesichts einer sehr starken Infektionswelle weiterhin verheerend. Allein am Donnerstag wurden laut dem örtlichen Gesundheitsministerium binnen 24 Stunden 412.262 neue Fälle registriert. Außerdem seien 3980 Todesfälle mit dem Virus festgestellt worden – seit Tagen gibt es täglich mehr als 3000 mit oder an Corona Verstorbene. Die Gesamtzahl der Infektionen beläuft sich inzwischen auf mehr als 21 Millionen, die der Todesfälle auf gut 230.000. Experten schätzen, dass die tatsächliche Zahl noch deutlich höher ist. Ein strenger Lockdown wird derzeit in der Politik diskutiert, die Impfkampagne kommt unterdessen nur schleppend voran, weil Impfstoffe fehlen.

Seit die Ansteckungen in der Bevölkerung dort so plötzlich und schnell nach oben klettern, verbreitet sich in Indien auch eine neue Virusvariante. Sie trägt die Bezeichnung B.1.617. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt aber vor voreiligen Schlüssen. Die Organisation beobachtet B.1.617, hat sie aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft – so wie etwa bei B.1.1.7. aus Großbritannien, B.1.351 aus Südafrika und P.1. aus Brasilien. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) betont, dass für die Einstufung als „Variant of Concern“ gegenwärtig gesicherte Erkenntnisse fehlten. In Deutschland wurde die Variante bislang nur vereinzelt in untersuchten Proben entdeckt.

Was kommt

Bundesgesundheitsminister Spahn strebt eine sofortige Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für alle Impfwilligen an – ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. An diesem Donnerstag wolle er mit seinen Länderkollegen darüber reden. Und spätestens im Juni soll dann die Impfpriorisierung auch für Biontech und Moderna fallen. Millionen von Menschen werden dann in Deutschland ihren Impftermin einfordern.

Die Bundesländer bereiten sich auf unterschiedliche Weise auf den erwarteten Andrang vor. Thüringen eröffnet dann beispielsweise ein weiteres überregionales Impfzentrum mit vier Impfstrecken. Schleswig-Holstein möchte zunehmend Hausärzte in die Impfkampagne einbeziehen. Baden-Württemberg, das Saarland, Hessen und Sachsen wollen verstärkt Betriebsärzte mit einbeziehen. Hamburg möchte zusätzlich in Krankenhäusern impfen lassen, in Bayern sind mobile Impfteams in Supermärkten im Gespräch. Und Bremen plant eine Impfoffensive in sozialen Brennpunkten.

Was die Pandemie leichter macht

Trübsal kann schon mit kleinen Aktionen wieder verschwinden. © Quelle: Sina Schuldt/dpa

Impfungen und Optimismus für den Sommer lassen Aufbruchsstimmung zu, die frischen Schwung bringt. Wer aber gerade nicht so gut drauf ist, vergleicht sich womöglich mit den Gutgelaunten und fragt sich möglicherweise, warum sich bei ihm kein Hoch einstellen mag. „Das wiederum führt nicht selten dazu, dass man unzufriedener wird und anfängt zu grübeln“, berichtete uns die Psychologieprofessorin Tanja Michael. „Oft beginnt dann eine Negativspirale.“

Wichtig sei auf jeden Fall, das Grübeln zu stoppen und die Aufmerksamkeit auf etwas Positives zu lenken. „Dazu sollte man darauf achten, was das Grübeln auslöst, und diese Situationen vermeiden – und sich ablenken“, empfiehlt die Expertin. Am besten mit Beschäftigungen, die Spaß machen und die Sinne anregen: Das kann Joggen oder Kartenspielen sein, aber auch Kochen oder Nähen. Oder man sucht den Kontakt zur Natur, lauscht den Vögeln, pflanzt etwas auf dem Balkon, geht spazieren im Park. „Das Großartige liegt oft in einer Kleinigkeit“, sagt Tanja Michael.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

Abonnieren Sie auch:

Hauptstadt-Radar: Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Der Tag: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen