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  • „Pingdemic“ in Großbritannien – die Folgen sind leere Supermärkte und volle Mülltonnen

Warum die Briten jetzt Angst vor der „Ping­demic“ haben

  • Nur wenige Tage, nachdem in England die Corona-Beschränkungen weit­gehend aufgehoben wurden, müssen sich immer mehr Menschen in Groß­britannien in Selbst­isolation begeben.
  • In britischen Medien ist von einer „Pingdemic“ die Rede.
  • Doch was ist mit diesem kuriosen Begriff überhaupt gemeint – und welche Auswirkungen hat die „Pingdemic“?
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Im Zuge des sogenannten Freedom Day sollte in England wieder Normalität in den Alltag der Menschen zurückkehren. Doch seitdem am 19. Juli nahezu alle Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufgehoben wurden, herrscht bei den Britinnen und Briten Chaos. Leere Super­markt­regale, volle Mülleimer und ein drohender Zusammenbruch der Lieferketten in vielen Branchen sorgten in britischen Medien zuletzt für Schlagzeilen. Hintergrund der chaotischen Zustände ist demnach die sogenannte Pingdemic. Doch was ist mit diesem Wort überhaupt gemeint?

Was bedeutet „Pingdemic“?

Das eigenartige Wort, das in britischen Medien kursiert, ist eine Kombination der Wörter „Ping“ und „Pandemic“. Ein „Ping“ beschreibt dabei eine Benach­richtigung der Covid-App des britischen Gesund­heits­dienstes NHS: Wenn die App Alarm schlägt, hatten sich die Betroffenen in Tagen zuvor mindestens 15 Minuten lang im Umkreis von zwei Metern in der Nähe eines Menschen befunden, der später an Covid-19 erkrankt ist und positiv getestet wurde. Die Covid-App des NHS wird in England und Wales eingesetzt, Nordirland und Schottland haben ihre eigenen Warn-Apps.

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Wer „gepingt“ wird, sollte sich nach Empfehlung der App für bis zu zehn Tage in Selbst­isolation begeben. Dabei sind Betroffene nicht rechtlich dazu verpflichtet, dieser Empfehlung zu folgen. Tausende Menschen in England und Wales befolgen jedoch diesen Rat, zumal die Regierung die Not­wendig­keit der Selbst­isolation zur Ein­dämmung des Corona­virus betont. In der Woche vom 8. Juli bis zum 15. Juli sind in beiden Ländern über 600.000 Menschen von der Warn-App alarmiert worden. Aktuellen Schätzungen zufolge sollen sich dabei rund 1,7 Millionen Menschen selbst isolieren, da sie entweder an Covid-19 erkrankt sind oder als enge Kontakte von Infizierten „gepingt“ wurden. Aufgrund dieser hohen Zahl an „Pings“, bezeichnen britische Medien den Zustand auf der Insel als „Pingdemic“.

Welche Auswirkungen hat die „Pingdemic“?

Im Zuge der Aufhebung der meisten Corona-Maß­nahmen muss sich England aktuell neuen Heraus­forderungen stellen. Aufgrund der zahlreichen Auf­forderungen zur Selbst­isolation beklagen viele Branchen Ausfälle ihrer Mit­arbeite­rinnen und Mitarbeiter. Dabei stehen viele Menschen vor leeren Super­markt­regalen – nicht etwa wegen eines Mangels an Lebens­mitteln, sondern wegen personellen Engpässen. Auch dem Entsorgungs­dienst fehlen die Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher fällt der BBC zufolge in manchen Orten die Leerung der Müll­tonnen aus. Die Polizei warnte zudem vor längeren Warte­zeiten, da derzeit viele ihrer Kräfte aufgrund von Infektions­fällen und „Pings“ ausfallen.

Hochrechnung: Bis zu zehn Millionen Menschen in Selbst­isolation im Sommer

Trotz einer hohen Impf­quote lässt die hoch­ansteckende Delta-Variante die Corona-Zahlen im Vereinigten König­reich weiter steigen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Großbritannien zuletzt bei 497 (Stand: 18. Juli). Trotzdem gelten in England seit dieser Woche kaum noch Corona-Beschrän­kungen – Abstand und Maske sind an vielen Orten freiwillig, auch Clubs haben wieder geöffnet. Schottland, Wales und Nord­irland machen ihre eigenen Maß­nahmen und sind vorsichtiger.

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Einer Analyse des britischen „Guardian“ zufolge könnte die Freude über die Lockerungen der Corona-Maßnahmen bald von einem explosions­artigen Anstieg der Infektionen überschattet werden: Laut der Hoch­rechnung könnten zwei Millionen Menschen im Vereinigten Königreich im Sommer an Covid-19 erkranken. Demnach müssten sich bis zu zehn Millionen Menschen in Selbst­isolation begeben – und damit gut sechsmal so viele wie aktuell.

Wegen Personal­ausfällen: Britische Regierung lockert Quarantäne­regeln für einige Berufs­gruppen

Die britische Regierung hat bereits auf die massiven Personal­ausfälle in vielen Bereichen reagiert und die Corona-Quarantäne-Regeln für weitere Berufs­gruppen gelockert. So dürfen in England auch Zug­führerinnen und Zug­führer, Grenz­beamtinnen und ‑beamte oder Feuer­wehr­leute, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten, sich nun täglich testen, statt in Quarantäne zu gehen. Dies gab die Regierung am Samstag bekannt. Zunächst hatten diese Sonder­regeln nur für Beschäftigte des Gesund­heits­dienstes und später auch für Beschäftigte der Lebens­mittel­­versorgung gegolten.

RND mit Material von der dpa

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