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Wie könnte die passive Corona-Impfung funktionieren – und welche Alternativen gibt es?

  • Dem Blutplasma von genesenen Corona-Patienten könnte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung eines Impfstoffes zukommen.
  • Darin enthalten sind Antikörper, die für eine passive Immunisierung akut Infizierter infrage kommen.
  • Auch mRNA-, Vektor- und Totimpfstoffe werden derzeit getestet. Deren Ziel ist aber ein anderes.
Laura Beigel
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Berlin. Gute Nachrichten haben Forscher der Berliner Charité und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Donnerstag verkündet. Ihnen sei es gelungen, “hochwirksame Antikörper” gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zu identifizieren. Die Antikörper wurden aus Blutproben bereits genesener Corona-Patienten isoliert und könnten für eine passive Immunisierung genutzt werden.

In den Blutproben, die innerhalb der vergangenen Monate in deutschen Kliniken entnommen wurden, konnten die Wissenschaftler fast 600 unterschiedliche Antikörper finden. “Drei der bisher identifizierten Antikörper sind für eine klinische Entwicklung besonders vielversprechend”, wird Prof. Harald Prüß, Forschungsgruppenleiter am DZNE und Oberarzt an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité, in einer Pressemitteilung zitiert.

Schon Anfang Juli hatten Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2 gefunden. Auch sie hatten diese aus Blutproben von genesenen Corona-Patienten isoliert. “Wir gehen davon aus, dass solche Antikörper über mehrere Wochen wirksam sind und in dieser Zeit vor einer Erkrankung schützen könnten”, hatte Christoph Kreer vom Forscherteam des DZIF in einer Mitteilung gesagt. Noch in diesem Jahr sollen die Antikörper in klinischen Studien untersucht werden.

Passive Immunisierung zur Akutbehandlung und als Corona-Prophylaxe?

Antikörper könnten also zu einer Neutralisierung des Coronavirus beitragen, indem sie akut infizierten Patienten verabreicht werden. Dieses Vorgehen wird als passive Immunisierung bezeichnet. Der große Vorteil bei so einer Therapieform: Die neutralisierenden Antikörper können die Viren im menschlichen Körper sofort bekämpfen.

Die Forscher der Charité und des DZNE überlegen, ob die Antikörper auch prophylaktisch injiziert werden können – also noch vor einer Infektion mit Sars-CoV-2. Eine frühestens Ende des Jahres geplante Studie soll zeigen, wie lange der Impfschutz durch die neutralisierenden Antikörper anhält. Denkbar sei zudem ein Einsatz bei Kontaktpersonen von Infizierten.

Der große Nachteil bei der passiven Immunisierung: Es wird dabei kein immunologisches Gedächtnis aufgebaut. Sprich: Es gibt dann keine lang anhaltende Immunität und auch keinen lang anhaltenden Schutz gegen eine Sars-CoV-2-Infektion. Antikörper werden entsprechend ihrer biologischen Halbwertszeit abgebaut, sodass ein Impfschutz in der Regel nur ungefähr drei Monate anhält. Das sehen Mediziner etwa bei der Anwendung einer passiven Immunisierung bei anderen Krankheiten wie Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Tollwut.

Aktive Immunisierung baut immunologisches Gedächtnis auf

Eine aktive Immunisierung hat hingegen das Ziel, einen langfristigen Impfschutz aufzubauen. Dem Körper werden dafür beispielsweise abgetötete Krankheitserreger oder auch nur Bruchstücke des Erregers verabreicht, die keine schweren Krankheitsverläufe mehr verursachen können. Trotzdem wird eine Infektion vorgetäuscht, auf die der Körper mit einem Immunschutz reagiert.

Nach der Impfung bleiben Gedächtniszellen und Antikörper im Blut zurück, die bei einer zweiten Infektion mit dem Erreger sofort reagieren können. Es entsteht ein immunologisches Gedächtnis. Meist sind mehrere Teilimpfungen nötig, um einen verlässlichen Impfschutz aufzubauen. Das bedeutet, die Impfungen müssen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. So muss beispielsweise die Impfung gegen Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten alle acht bis zehn Jahre wiederholt werden. Anders als bei der passiven Immunisierung ist es wichtig, dass die geimpfte Person bei der Injektion gesund ist.

Große Pharmastudien setzen auf aktive Immunisierung

Impfstoffprojekte, die bereits in weit fortgeschrittenen Studien erprobt und von Pharmaunternehmen zur großflächigen Produktion entwickelt werden, zielen bislang auf die aktive Immunisierung und damit einen langfristigen Schutz vor einer Covid-19-Infektion. Die WHO zählt, Stand 24. September, 38 aussichtsreichere Vorhaben, die sich in klinischer Phase befinden, also bereits am Menschen erprobt werden.

Dabei gibt es erneut verschiedene Impfstoffarten, wie beispielsweise die forschenden Pharmaunternehmen (vfa) auf der eigenen Homepage vereinfacht erklären:

  • Lebendimpfstoffe: Mit Lebendimpfstoffen gibt es bereits Erfahrung bei anderen Infektionskrankheiten, etwa Masern und Ebola. Bestimmte Vektorviren vermehren sich bei dieser Impfstoffart im Körper, ohne eine Erkrankung auszulösen. Forscher ergänzen diese vorab um Gene für Oberflächenproteine von Sars-CoV-2. Diese können dem Immunsystem dann eine Covid-19-Infektion vorgaukeln. Wenn das klappt, bildet sich daraufhin ein Immunschutz. Relativ weit fortgeschritten, in Phase III, ist diese Technologie beispielsweise bei einem von der University of Oxford und Astra Zeneca entwickelten Impfstoff. In Deutschland arbeitet das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung mit der IDT Biologika an einem Vektorviren-Impfstoff.
  • Totimpfstoff: Viele Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten basieren auf der bewährten Totimpfstofftechnologie, etwa zur Bekämpfung von Hepatitis B und Grippe. Bei der Entwicklung gegen Covid-19 enthält eine Injektion dann Virusproteine oder das ganze Material inaktivierter Sars-CoV-2-Viren. Ob bei diesem Vorgehen schnell große Impfdosenmengen produziert werden können, ist noch ungewiss. Der französische Konzern Sanofi setzt etwa darauf.
  • mRNA-basierter Impfstoff: Von den deutschen Unternehmen Biontech und Curevac in der finalen Phase vor der Zulassung befindliche Impfstoffe basieren etwa auf der recht neuen mRNA-Technologie. Der große Vorteil hierbei: Es könnten sehr schnell viele Dosen produziert werden. Der Nachteil: Bislang fand noch kein solcher Impfstoff in der Praxis Anwendung bei einer Krankheit. Und so soll es funktionieren: Der Impfstoff enthält ausgewählte Gene von Sars-CoV-2 in Form von messenger RNA, also genetische Information für den Aufbau eines Proteins in einer Zelle. Nach der Injektion sollen sich ungefährliche Virusproteine bilden, die den Aufbau eines Immunschutzes bewirken.







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