Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Organspende in Deutschland

  • In Deutschland müssen diejenigen, die ihre Organe nach dem eigenen Ableben spenden wollen, dem ausdrücklich und mit eigenhändiger Unterschrift zustimmen.
  • Allerdings kostet die Auseinandersetzung mit Themen wie Krankheiten und Tod oftmals Überwindung.
  • In Deutschland warten derzeit mehr als 9000 Menschen auf ein passendes Organ.
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Hannover. Während beispielsweise in Spanien auf eine Million Einwohner 47 Organspender kommen, sind es hierzulande nur zwölf. Denn während in vielen anderen Ländern die Widerspruchsregel gilt, muss einer Organspende in Deutschland ausdrücklich und in Schriftform zugestimmt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Organspende haben wir für Sie zusammengestellt.

Wie viele Organspender gibt es in Deutschland?

In Deutschland warten laut Eurotransplant mehr als 9000 Menschen auf ein passendes Organ. Das Problem: Es gibt zu wenig Spender. Nachdem die Anzahl 2018 anstieg, ging sie im Jahr 2019 erneut leicht zurück: Der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) nach spendeten 932 Menschen ihre Organe nach dem Tod.

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Wer darf Organe spenden?

Eine Altersgrenze gibt es nicht, weder nach unten noch nach oben. Allerdings liegt die Entscheidung darüber, ob die Organe von Kindern nach ihrem Tod gespendet werden, bis zum 14. Lebensjahr bei den Eltern. Danach können Jugendliche selbst widersprechen. Und ab dem 16. Lebensjahr können sie sich dem Transplantationsgesetz nach ohne Zustimmung der Eltern dazu entscheiden, Organspender zu werden. Eine Möglichkeit, die junge Menschen einer aktuellen Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge häufig wahrnehmen. Etwa die Hälfte der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren besitzt demnach einen Organspendeausweis. Zum Vergleich: Bei Menschen über 70 Jahren sind es der Erhebung nach nur rund 25 Prozent.

Organspendeausweis: Wo können Interessierte ihn beantragen?

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Erhältlich ist der Organspendeausweis bei verschiedenen Organisationen wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder der Deutschen Herzstiftung, über das Infotelefon Organspende (0800/9040400), bei der eigenen Krankenkasse oder in Arztpraxen und Apotheken.

Gibt es den Organspendeausweis auch in digitaler Form?

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Auf vielen Smartphones gibt es zwar die Möglichkeit, Daten, die die Patientenakte betreffen, für den Notfall einzutragen. Eine Rechtsverbindlichkeit gibt es wegen der fehlenden eigenhändigen Unterschrift aber nicht.

Ist jeder, der über einen Organspendeausweis verfügt, auf ewig Organspender?

Der Organspendeausweis ist zwar ein offizielles und dadurch rechtlich gültiges Dokument, wird aber nicht registriert. Deshalb gilt: Wer einen Ausweis hat, sich aber umentscheidet und nicht mehr spenden möchte, der entsorgt ihn einfach.

Gibt es medizinische Gründe dafür, nicht spenden zu dürfen?

Derzeit ist eine Organentnahme ausgeschlossen, wenn der Spender an einer akuten Krebserkrankung leidet oder HIV-positiv getestet wurde. „Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende infrage kommt“, erklärt das Bundesministerium für Gesundheit. Wer etwa eine Krankheit wie Tuberkulose überstanden hat, sollte im Organspendeausweis unter dem Punkt „Anmerkungen/Besondere Hinweise“ entsprechende Angaben machen.

Welche Organe können gespendet werden?

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Gespendet werden können das Herz, die Lunge, die Leber, Nieren, die Bauchspeicheldrüse und der Darm. Am häufigsten werden Nieren gespendet.

Zu den Geweben, die gespendet werden können, gehören die Haut, Herzklappen, Blutgefäße, die Horn- und Lederhaut der Augen, Knochen, Knorpel- und Weichteilgewebe sowie Gewebe, das aus der Bauchspeicheldrüse oder der Leber gewonnen wird. Sie werden in der Regel nicht direkt übertragen, sondern in Gewebebanken konserviert und zwischengelagert, bis sich ein geeigneter Empfänger gefunden hat.

Ist es möglich, nur ausgewählte Organe zu spenden?

Ja. Auf der Rückseite eines Organspendeausweises haben Besitzer die Möglichkeit, aufzulisten, welche Organe oder welches Gewebe für eine Spende infrage kommen. Alternativ können bestimmte Partien hier ausdrücklich ausgeschlossen werden. „Selbstverständlich ist es sinnvoll, auch über eine eingeschränkte Spendenbereitschaft mit den Angehörigen oder einer anderen Vertrauensperson zu sprechen“, rät das Bundesgesundheitsministerium.

Wie wird das Thema Organspende in anderen Ländern behandelt?

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In vielen anderen europäischen Ländern, etwa Spanien, Dänemark, Bulgarien, Belgien oder Polen, gilt die Widerspruchsregel. Heißt: Wer nicht zu Lebzeiten widerspricht, ist automatisch potenzieller Organspender. Allerdings gibt es auch Sonderregelungen. In Österreich beispielsweise ist es möglich, sich in ein kostenfreies Widerspruchsregister eintragen zu lassen. Die Situation in der Schweiz wiederum ist mit der in Deutschland vergleichbar.

Den detaillierten EU-Vergleich gibt es hier.

Welche Rolle spielt Eurotransplant?

Im sogenannten Eurotransplant-System, auf dessen Warteliste aktuell rund 14.000 Patienten stehen, haben sich acht Länder zusammengeschlossen. Dazu zählen Deutschland, Belgien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Ungarn, Österreich und Slowenien. Das Ziel hierbei: Die Vergabe von Spenderorganen an möglichst geeignete Empfänger über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen.

Auf diese Weise werden jährlich etwa 7000 Organe vermittelt. Dabei erhalten wir hierzulande mehr Organe, als wir zur Verfügung stellen. Allerdings gilt in allen teilnehmenden Ländern außer Deutschland die Widerspruchsregel. Sie wurde trotz Kritik am Donnerstag, den 16. Januar 2020, vom Bundestag abgelehnt. In namentlicher Abstimmung votierten 379 Abgeordnete gegen den Gesetzesentwurf, 292 Parlamentarier unterstützten ihn und drei enthielten sich.

„Widerspruchslösung“ abgelehnt: Wie geht es in Deutschland weiter?

Im Parlament soll nun über einen zweiten Entwurf abgestimmt werden, den eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping eingebracht hat. Sie schlägt vor, alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema Organspende anzusprechen. Hierbei soll auch auf die Möglichkeit hingewiesen werden, eine Entscheidung dazu in ein neues zentrales Onlineregister einzutragen. Auch Hausärzte sollen bei Bedarf alle zwei Jahre über Organspenden informieren.

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