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Kliniken, Polizei, Supermärkte: Omikron bringt weltweit systemrelevante Berufe ans Limit

  • Weltweit fallen Menschen in wichtigen Berufen aufgrund von Corona-Infektionen oder Quarantäneanordnungen aus.
  • Betroffen sind Sichterheitskräfte und Klinikpersonal oder auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Transport oder in Supermärkten.
  • Sie sind erschöpft, gefrustet und haben Angst – das hat Folgen für die Systeme der Länder.
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Boston. Beim Londoner Krankenhauspersonal stiegen die Corona-Krankmeldungen in diesem Monat auf das Dreifache, fast ein Zehntel der Feuerwehrleute in der britischen Hauptstadt konnten wegen Covid-19 nicht zur Arbeit kommen. In New York hielt die Pandemie vergangene Woche einen großen Anteil der Polizisten und Polizistinnen vom Dienst fern – rund 2700 von ihnen waren nicht einsatzfähig.

Zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie versetzt die Omikron-Variante des Virus mit ihrer leichten Übertragbarkeit und schnellen Verbreitung den Helferinnen und Helfern sowie Dienstleisterinnen und Dienstleistern in der ersten Reihe einen weiteren, heftigen Schlag. Dabei sind viele Kliniken, Betreuungs- und Sicherheitskräfte, Lebensmittelläden oder Transportarbeiter nach Monaten im Dauerstress ohnehin schon am Limit. „Jeder arbeitet so viel er körperlich und psychisch schafft“, sagt etwa die Supermarktmitarbeiterin Judy Snarsky in Cape Cod in Massachusetts. Bei der 59-Jährigen sind es derzeit 50 Stunden plus Extraeinsätze. „Manche von uns schuften wie Güterzüge.“

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Krankenschwester: „Vor der Arbeit bekomme ich wirklich schlimme Angstzustände“

Es sei sehr schwierig, noch ausreichend für Hilferufe aus der Bevölkerung gewappnet zu sein, sagt Mike Solan, Leiter der Polizei in Seattle. Statt sonst 1350 Leute hat er derzeit nur 300 in der Truppe. Und aus dem Montefiore Medical Center in der Bronx in New York berichtet die Krankenschwester Michelle Gonzalez, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Intensivstation seit Beginn der Pandemie noch keine wirkliche Atempause hatten. Omikron bedeute nun erneuten enormen Druck und Stress. „Vor der Arbeit bekomme ich wirklich schlimme Angstzustände“, sagt Gonzalez. „Nach zwei freien Tagen komme ich panisch zurück, weil ich nicht weiß, was mich erwartet.“

In einigen Ländern wie Großbritannien und Spanien wurde bereits an der Quarantänedauer geschraubt, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich infizierten oder dem Virus ausgesetzt waren, schneller an den Arbeitsplatz zurückzuholen. Zum Lindern der Personalnot werden teils auch Sicherheitskräfte zur Hilfe gerufen: Im US-Staat Massachusetts sind Hunderte Mitglieder der Nationalgarde in Krankenhäusern und Pflegeheimen im Einsatz, servieren Essen, schieben Rollstühle und Betten oder verrichten andere nichtmedizinische Dienste.

Frust und Erschöpfung

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Doch die Lücken werden eher größer. Erschöpft und frustriert kehren Pflegekräfte ihren Jobs in Krankenhäusern den Rücken. Allein in den drei größten Kliniken New Yorks sind 1500 Pflegestellen unbesetzt, wie Carl Ginsberg vom dortigen Verband der Pflegekräfte erklärt. Zu Beginn der Pandemie war es etwa die Hälfte. „Es gibt nicht genug Krankenschwestern und -pfleger, um die Arbeit machen zu können“, beklagt er. „So kommt es zu Situationen, in denen die Stationen unter riskanten Bedingungen arbeiten und die Patienten in Gefahr geraten.“

Derweil steigt mit Omikron die Zahl der Krankenhauseinweisungen. In London verdoppelte sie sich innerhalb von drei Wochen. „Es braucht nicht viel, dass es zur Krise kommt“, sagt der Klinikarzt David Oliver im Südosten Englands.

Auch in den Pflegeheimen greifen Frust und Erschöpfung um sich. Wegen des Alters der Bewohnerinnen und Bewohner waren die Corona-Ausbrüche dort häufig besonders tödlich. „Die Pflegekräfte sind ausgebrannt“, sagt Rachel Reeves, Sprecherin des Pflegeeinrichtungsverbands AHCA/NCAL. „Viele haben nicht nur enorme Verluste erlitten, sondern sind vom Kampf gegen das Virus tagein und tagaus einfach erschöpft – körperlich und seelisch.“ Omikron stehe die Langzeitpflege in den USA nun mit rund 15 Prozent weniger Personal gegenüber als zu Beginn der Pandemie.

Kein Homeoffice-Luxus

Sie alle kümmerten sich um die Gesundheit und die Versorgung ohne den Luxus, im Homeoffice arbeiten zu können, betont Daniel Schneider von der Universität Harvard, Experte für Niedriglohnarbeit. „Büroarbeiter müssen würdigen, welche Risiken diese Leute auf sich nehmen“, sagt er. „Man kann Lebensmittel nicht von zuhause aus abkassieren, man kann Regale nicht von zuhause aus auffüllen.“

RND/AP

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