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Kann Omikron den Schutz von Genesenen leichter umgehen?

Dass die Übertragung ein zentrales Problem sein könnte, wenn Omikron sich ausbreitet, zeigt eine neue Datenanalyse aus Südafrika.

Sie sei nicht gerne Schwarzseherin, twittert die Virologin Isabella Eckerle an diesem Freitag. Aber die neue Virusvariante beschere keine guten Nachrichten für Kliniken, Labore, Familien und Risikopersonen – schon gar nicht kurz vor Weihnachten .„Noch viel Unsicherheit in Bezug auf Omicron, aber ich traue mich zu behaupten, dass es ziemlich sicher kommt & 5. Welle verursacht“, schrieb die Wissenschaftlerin, die in Genf zum Coronavirus forscht, auf ihrem Kanal. „Effiziente Übertragung, wahrscheinlich mehr als Delta. Man muss sich dringend darauf vorbereiten.“

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Dass die Übertragung ein zentrales Problem sein könnte, wenn Omikron sich ausbreitet, zeigt eine neue Datenanalyse aus Südafrika. Diese wurde am Donnerstag als noch zu begutachtender Preprint veröffentlicht. Epidemiologinnen und Epidemiologen haben dafür bei routinemäßigen Untersuchungen von rund zweieinhalb Millionen Menschen mit positivem Corona-Test auch darauf geschaut, wie hoch der Anteil der Reinfektionen bei Genesenen in Bezug auf die Omikron-Variante war. In Südafrika weisen nach Angaben der Gesundheitsbehörden inzwischen fast 80 Prozent aller sequenzierten Corona-Testergebnisse eine Omikron-Infektion nach.

Merkel: „Nehmen Sie das tückische Virus ernst“

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Solidarität im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung aufgerufen.

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Erste Daten: Omikron könnte Immunität von Genesenen umgehen

Die Studie zeigt nun, dass Omikron stärker als Delta in der Lage sein könnte, sich der Immunität einer früheren Infektion zu entziehen. Seit dem Auftauchen von Omikron seien höhere Reinfektionsraten in Südafrika beobachtet worden, resümieren die Forschenden in ihrem Paper. Heißt also: Genesene könnten nicht ausreichend oder zumindest weniger als bei der Delta-Variante vor dem Coronavirus geschützt sein – und sich einfacher anstecken.

Zu Auswirkungen von Omikron auf den Schutz vor schwerer Krankheit und Tod bei Genesenen könne man auf dieser Datengrundlage allerdings nichts sagen, heißt es in der Studie. Auch inwiefern Omikron in der Lage ist, die durch eine Impfung hervorgerufene Immunität zu umgehen, sei noch offen. Die Impfstoffhersteller Biontech und Moderna haben zu diesen Fragen bereits Untersuchungen in die Wege geleitet. Unter Laborbedingungen wird geschaut, ob das Serum von Geimpften noch in der Lage ist, die Infektion in einer Zellkultur zu verhindern. Laut der Weltgesundheitsorganisation braucht es aber mindestens zwei Wochen, bis man zu ersten Ergebnissen kommen könne.

Mehr erkrankte Kinder seit Start der Omikron-Welle in Südafrika

Es gibt eine Zunahme bei Krankenhauseinlieferungen von Kindern der Altersgruppe bis fünf Jahre.

Michelle Groome

Wissenschaftlerin aus Südafrika

Ein weiteres Forschungsteam aus Südafrika hat zunehmende Infektionen und Erkrankungen von jungen Kindern festgestellt. „Es gibt eine Zunahme bei Krankenhauseinlieferungen von Kindern der Altersgruppe bis fünf Jahre“, sagte die Wissenschaftlerin Michelle Groome vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) am Freitag. Das unterscheide die in Südafrika beginnende vierte Infektionswelle von früheren derartigen Phasen. Es sei aber noch zu früh, aus den bisher vorhandenen Daten wissenschaftlich fundierte Schlüsse zu ziehen.

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Allein im Großraum um die Hauptstadt Pretoria habe es in den vergangenen zwei Wochen rund 100 Hospitalisierungen junger Kinder gegeben. Nach der Altersgruppe der über 60-Jährigen stellten junge Kinder dort nun die zweitgrößte Gruppe. „Wir haben einen Anstieg der Krankenhauseinlieferungen bei unter Fünfjährigen beobachtet“, bestätigte am Freitag auch Ramphelane Morewane vom südafrikanischen Gesundheitsministerium. Bei all diesen jungen Patienten und Patientinnen seien die Eltern nicht geimpft gewesen, sagte die NICD-Medizinerin Waasila Jassat. Sie schloss nicht aus, dass Kleinkinder nun für das Virus empfänglicher seien als zuvor. Der Kapstaat bereitet sich angesichts rasant steigender Fallzahlen nun auf die vierte Infektionswelle vor.

Fünfte Welle in Deutschland durch Omikron?

Wir haben keine Zeit zu verlieren, keinen einzigen Tag.

Lothar Wieler,

RKI-Präsident

Auch in Deutschland sind Fachleute alarmiert. RKI-Präsident Lothar Wieler hat eine umfassende und schnelle Umsetzung der beschlossenen schärferen Corona-Maßnahmen angemahnt. Die neue Virusvariante Omikron sei in Deutschland angekommen, könne noch ansteckender sein als die Delta-Variante und auch bereits Geimpfte und bereits Genesene leichter infizieren, sagte er am Freitag in Berlin.

Omikron könnte laut Wieler in noch kürzerer Zeit zu noch mehr Fällen führen als die Delta-Variante. Es müssten deshalb alle entschiedenen Maßnahmen auch flächendeckend umgesetzt werden, um Infektionen mit Delta und Omikron zu verhindern – und um die Fallzahlen herunterzubringen. „Wir haben keine Zeit zu verlieren, keinen einzigen Tag“, betonte Wieler.

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Wenn sich die Beobachtungen und vorläufigen Annahmen zu Omikron anhand harter Fakten bestätigten, gebe es mit Omikron womöglich ein sehr leicht übertragbares Virus, das auch unter Geimpften vermehrt zirkulieren könne, sagte auch der Virologe Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf diese Woche dem RND. „Das Infektionsgeschehen könnte sich trotz der Impfungen beschleunigen, sodass Kontaktbeschränkungen wieder an Bedeutung gewinnen.“

Laut der WHO sei es möglich, dass Omikron bereits in wenigen Monaten europaweit die dominierende Variante ist. Dabei ist die Mutante erst vor Kurzem überhaupt das erste Mal auf dem Radar von Expertinnen und Experten aus Virologie und Epidemiologie aufgetaucht. Der erste sequenzierte Fall wurde laut einem Kommentar von Forschenden aus Südafrika in der Fachzeitschrift „The Lancet“ am 11. November aus Botswana gemeldet. Einige Tage später ein weiterer aus Hongkong bei einem Reisenden aus Südafrika. Mehrere Sequenzen aus Südafrika folgten. Anfang Dezember wurde Omikron dann bereits in mindestens 23 Ländern entdeckt. Laut RKI sind auch in Deutschland mindestens vier Fälle bestätigt. Bei acht weiteren besteht ein noch zu prüfender Verdacht.

Mit Material von dpa

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