Fragen und Antworten im Überblick

Omikron-Impfstoffe: Wen schützen sie, wann kommen sie und brauchen wir sie überhaupt noch?

Pflegerin Anna M. möchte sich nicht Impfen lassen. Sie nimmt den Verlust ihres Jobs in Kauf, und wartet auf einen Tot-Impfstoff.

Eine Frau lässt sich gegen Covid‑19 impfen.

Der Herbst naht und damit womöglich eine neue Corona-Welle. Noch vor Dezember könnte sie Deutschland erreichen, warnte kürzlich der Virologe Christian Drosten. Ab dem 1. Oktober soll nun das neue Infektionsschutzgesetz gelten, auf das sich der Bundestag Anfang September geeinigt hat. Wichtiger Bestandteil des Herbstfahrplans der Bundesregierung sind unter anderem angepasste Corona-Impfstoffe. Sie sollen verhindern, dass es bei der erneuten Infektionswelle wieder zu Rekordfallzahlen kommt, dass sich wieder mehr Menschen isolieren müssen und damit an anderer Stelle fehlen.

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Am Dienstag hat die Europäische Arzneimittelagentur einen weiteren an Omikron angepassten Impfstoff zugelassen. Der Booster der Unternehmen Biontech/Pfizer richte sich gegen die aktuellen Corona-Varianten. Doch für wen kommen die Vakzine überhaupt infrage? Und wann sind sie verfügbar? Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.

Warum braucht es angepasste Corona-Impfstoffe?

Das Coronavirus ist ein Verwandlungs­künstler. Im Laufe der Pandemie hat es immer wieder Wege gefunden, um sich besser an den Menschen anzupassen. Es mutierte. Neue Varianten mit neuen Eigenschaften und verändertem Erscheinungsbild entstanden. Auf den im chinesischen Wuhan entdeckten Wildtyp folgte die Virusvariante Alpha, die deutlich ansteckender war. Dann kam Delta, ansteckender und zudem noch krank­machender.

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Und schließlich tauchte Omikron auf. Eine Corona-Variante, die selbst Forschende überrascht hat. Denn sie besitzt eine ungeahnte Zahl an Mutationen, die es ermöglichen, das Immunsystem zu überlisten, den Abwehrkräften zu entkommen. Omikron ist die erste partielle Escape-Variante. Und das hat Folgen für die Impfstoffe: Sie sind nicht mehr so wirksam wie noch gegen die vorherigen Virusvarianten.

Zwar schützen die Vakzine, die auf dem Wildtypus des Coronavirus basieren, weiterhin gut vor schwerer Erkrankung und Tod. Allerdings zeigen internationale Studien, dass sich auch Geimpfte mit Omikron infizieren und (wenn auch nur meist mild) erkranken können. Der Schutz vor Ansteckungen lässt mit der Zeit nach. Für die Impfstoff­hersteller stand deshalb schnell fest: Es braucht an Omikron angepasste Impfstoffe.

Welche Omikron-Impfstoffe entwickeln die Impf­stoff­hersteller?

Führend bei der Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffes sind die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna. Die Unternehmen arbeiten an sogenannten bivalenten Impfstoffen. Diese Vakzine enthalten sowohl einen Omikron- als auch den ursprünglichen Sars-CoV‑2-Stamm.

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Die ersten angepassten Impfstoffe, die die Firmen entwickelt haben, basieren auf der Omikron-Variante BA.1. Es ist der erste Subtyp, der sich rasch in Deutschland und anderen Ländern weltweit verbreitet hatte. Die klinischen Studien der Hersteller waren vielversprechend: Sie zeigten, dass das adaptierte Vakzin deutlich mehr Antikörper gegen Omikron hervorruft und somit der Immunschutz gesteigert werden kann.

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Doch das Virus war wieder einmal schneller. Der Omikron-Subtyp BA.1 wurde von weiteren Schwester­varianten verdrängt. Es folgte BA.2, dann setzten sich schließlich BA.4/BA.5 in Deutschland durch. Die Impfstoffhersteller waren gezwungen, ihre Vakzine erneut anzupassen – dieses Mal an die Omikron-Varianten BA.4/BA.5. Wieder führten sie klinische Studien durch, wieder ließen sie die erhobenen Daten fortlaufend den Zulassungs­behörden in Europa und den USA zukommen.

Wann können die angepassten Impfstoffen verimpft werden?

Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema hat am 1. September grünes Licht für die BA.1-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna gegeben. Kurze Zeit später hat dann die EU-Kommission die Zulassung erteilt. Noch sind aber nur vereinzelte Dosen von den angepassten Vakzinen in Deutschland verimpft worden. Die Bundesländer haben erst in dieser Woche mit den Impfungen begonnen.

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Nur zwei Wochen später folgte überraschend schnell eine weitere Impfstoff-Zulassung: Am 12. September teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit, dass der an BA.4/BA.5 angepasste Omikron-Impfstoff von Biontech/Pfizer nun in Europa zur Verfügung stehe. Die Ema hatte zuvor eine Zulassungsempfehlung für das Vakzin ausgesprochen. Erwartet werde ein breiterer Schutz gegen verschiedene Corona-Varianten, teilte die Behörde mit. Empfohlen werde die Impfung für Menschen ab zwölf Jahren als Auffrischung.

Wegen der Aktualität gibt es zu dem BA.4/BA.5-Impfstoff noch keine abgeschlossenen klinischen Studien. Die Ema geht aber davon aus, dass er vergleichbar sicher ist wie der an BA.1 angepasste Booster und der ursprüngliche Biontech/Pfizer-Impfstoff, zu dem es große Datenmengen gebe.

Biontech teilte zum Votum des Expertenausschusses mit, dass bis auf die Ergänzung der mRNA-Sequenz des Spike-Proteins von BA.4/BA.5 alle anderen Bestandteile des Impfstoffs unverändert geblieben seien. Nach Ankündigung des Unternehmens sollen EU-Bürgerinnen und -Bürger „noch vor der Wintersaison“ Zugang zu den an Omikron angepassten Impfstoffen haben. Wann der Impfstoff in Deutschland verimpft werden kann, ist bislang nicht abzusehen.

Andere Länder setzen ebenfalls auf Omikron-Auffrischungsimpfungen. In den USA hatten Biontech/Pfizer und Moderna schon Ende August eine Notfallzulassung für ihre BA.4/BA.5-Vakzine erhalten. Sie können frühestens zwei Monate nach der letzten Impfung verabreicht werden, heißt es in der Zulassung. Den Impfstoff von Biontech/Pfizer können Menschen ab zwölf Jahren als einmalige Auffrischungsdosis erhalten, den Wirkstoff von Moderna erst alle Menschen ab 18 Jahren.

Auch Großbritannien hat bereits einen Omikron-Impfstoff zugelassen. Mitte August hatte die britische Arzneimittelbehörde grünes Licht für das Vakzin von Moderna gegeben. Es handelt sich hierbei um das an BA.1 angepasste Vakzin. „Dieser bivalente Impfstoff ist ein schärferes Instrument, das uns hilft, uns gegen diese Krankheit zu schützen“, sagte die Chefin der Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA), June Raine.

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Wer sollte sich mit den Omikron-Impf­stoffen impfen lassen?

Darüber entscheidet zum einen die Zulassung. Biontech und Pfizer haben in ihrem Zulassungsantrag bei der Ema als Zielgruppe alle Menschen ab zwölf Jahren angegeben. Mit den bivalenten Impfstoffen von Moderna sollen wiederum Menschen ab 18 Jahren geimpft werden.

Zum anderen wird aber auch die Impf­empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine Rolle spielen. Das Experten­gremium hat sich bisher noch nicht zu den angepassten Vakzinen geäußert. Entsprechende Empfehlungen seien aber in Arbeit, teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kürzlich auf Twitter mit. Vorrangiges Ziel der Stiko war es bisher, diejenigen zu schützen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Covid‑19-Krankheits­verläufe haben. Das sind vor allem Ältere, vorerkrankte Menschen und Immun­geschwächte. Für sie wird es aller Wahr­scheinlichkeit nach auf jeden Fall eine Impf­empfehlung geben.

Aber auch junge, gesunde Menschen könnten von den Omikron-Impfstoffen profitieren. Denn bei den meisten liegt die letzte Impfung schon Monate zurück, der Schutz vor Ansteckungen, schwerer Erkrankung und Tod hat nachgelassen. Mit den BA.1- beziehungs­weise BA.4/BA.5‑Vakzinen könnten auch sie ihren Immunschutz gegen Omikron noch einmal steigern.

Omikron verursacht eher milde Krankheits­verläufe. Könnte man auf die Impfungen nicht verzichten und einfach eine Infektion riskieren?

Es stimmt, dass Omikron mildere Krankheits­verläufe verursacht als noch die vorherige Delta-Variante. Eine vollständige Entwarnung ist das aber nicht. Das Coronavirus ist keineswegs harmlos – schon gar nicht für Risiko­personen. Wer durch eine Grund­erkrankung wie eine Immun­insuffizienz oder Krebs geschwächt ist, hat noch immer ein höheres Risiko für schwere Covid‑19-Krankheits­verläufe als junge, gesunde Menschen. Sind Risikopersonen nicht geimpft, ist das Erkrankungs­risiko noch größer.

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Auch milde Krankheitsverläufe stellen eine Belastung für den Körper dar. Jedes Mal findet ein Kampf mit dem Virus statt, der vom Immun­system ausgefochten werden muss. Forschende des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf konnten Anfang des Jahres zeigen, dass selbst Menschen mit einem milden Verlauf Organschäden entwickeln können. Die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren können mittelfristig beeinträchtigt werden. Infektionen mit Omikron umfasst die Studie zwar nicht. Dennoch warnte UKE-Epidemiologin und Erstautorin Elina Petersen damals: „Die Erkenntnis, dass selbst ein milder Krankheitsverlauf mittelfristig zur Schädigung diverser Organe führen kann, hat höchste Bedeutsamkeit gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint.“

Die Infektion birgt außerdem noch eine Unsicherheit: Long Covid, die Spätfolgen einer Corona-Infektion. Wie häufig Menschen von Corona-Spätfolgen betroffen sind, wie sie zustande kommen und wie lange sie anhalten, ist noch nicht gut verstanden – trotz umfangreicher Forschung.

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist ferner darauf hin: „Das alleinige Durch­machen einer Infektion mit Sars-CoV‑2 reicht nicht aus, um spätere Covid‑19-Erkrankungen zu verhindern.“ Wer sich mit dem Virus infiziert, ist danach nicht dauerhaft geschützt. Die Impfstoffe können die Immun­antworten von Genesenen aber steigern. Daher empfiehlt die Stiko auch ihnen, sich impfen zu lassen.

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Wir haben diesen Artikel am 13. September 2022 aktualisiert.

RND/mit Material der dpa

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