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Öffnung ohne Teststrategie „schädlich“: No-Covid-Gruppe fordert Screenings in Schulen und Büros

  • Um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen behalten zu können, brauche es für die von Bund und Ländern diskutierten Lockerungen in jedem Fall eine intelligente Teststrategie.
  • Das fordern Wissenschaftler der No-Covid-Gruppe. Sie warnen: Ansonsten seien erneut viele Infektionen, viele Tote, Massenquarantäne und Lockdowns zu erwarten.
  • Regelmäßige Tests zu Hause, in Schulen und bei der Arbeit müssten natürlicher Bestandteil von Alltagsroutinen und Mobilitätsmustern werden.
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Sollten Bund und Landesminister am Mittwoch Öffnungen in verschiedenen Bereichen beschließen, sehen Wissenschaftler der No-Covid-Gruppe dafür eine umfangreiche Teststrategie als zwingend notwendig an. „Ohne die Implementierung intelligenter Teststrategien halten wir Öffnungen zu diesem kritischen Zeitpunkt der Pandemie für kontraproduktiv und schädlich“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Papier.

Investitionen in Teststrategien lohnten sich, weil dadurch Infektionsketten verhindert werden. „Breites Testen leistet damit einen wichtigen Beitrag, weitere Lockdowns, massenhafte Quarantänen, sowie Betriebs- und Schulschließungen zu verhindern“, betonen die Autoren. Die Umsetzung fordere Mut, Kreativität und Pragmatismus. Diese Haltung erscheine wichtiger als das Streben nach vollkommenen und fehlerlosen Lösungen. „Jede Strategie hat gewisse Stärken und Schwächen, aber jede der Strategien ist besser als keine Strategie“, heißt es im Papier.

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Hinter „No Covid“ steht ein interdisziplinäres Team – unter anderem die Virologin Melanie Brinkmann und der Physiker Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, der Ökonom Clemens Fuest vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, der RKI-Physiker Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin, der Pädagoge Menno Baumann von der Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf und der Internist Michael Hallek von der Universität zu Köln.

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Impfungen, Tests, Kontakte: Öffnungen müssen kompensiert werden

Die derzeit diskutierten Öffnungsszenarien bewertet die No-Covid-Gruppe in Anbetracht der neuen Virusvarianten, ansteigender Fallzahlen und einer sehr geringen Impfquote der Bevölkerung als „kritisch“. Die mühsam erkämpften Erfolge der vergangenen Wochen könnten durch Öffnungen und die Zunahme infektiöser Kontakte innerhalb kürzester Zeit wieder einbrechen, warnen die Wissenschaftler. „Die ohnehin schon hohen Todeszahlen werden voraussichtlich wieder steigen. Öffnungen werden in dieser Situation nur verantwortlich möglich sein, wenn der ‚R-Wert‘ trotzdem dauerhaft unter eins gehalten werden kann.“

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Um eine unkontrollierte Pandemieentwicklung zu verhindern, plädieren die Forscher deshalb für ein regional differenziertes Vorgehen – je nachdem, wie stark das Infektionsgeschehen sich in einem Landkreis und umliegenden Regionen bemerkbar macht. Umfassende Öffnungen seien eigentlich nur möglich, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz sehr niedrig sei, optimalerweise um null. Komme es in Regionen mit höheren Werten dennoch zu Öffnungen, brauche es kompensatorische Maßnahmen. „Bei Anwendung intelligenter Teststrategien erscheinen Öffnungen in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, in Unternehmen, in kulturellen und sozialen Bereichen grundsätzlich möglich“, heißt es.

Schulen und Arbeitsstätten: Kontaktnetzwerke im Fokus

Die Autoren sprechen sich für systematisches Testen großer Teile der Bevölkerung in Kontaktnetzwerken aus. Sprich: breites und regelmäßiges Testen in Schulen und im Arbeitsumfeld. Potenzielle Infektionswege könnten dadurch effektiv abgeschnitten werden. Auch Antigenschnelltests und Selbsttests seien bei breiter und regelmäßiger Anwendung ein wirksames Mittel, um Infektionsketten zu unterbrechen. Dabei spiele es keine wesentliche Rolle, dass Antigenschnelltests weniger empfindlich sind als PCR-Tests, da die schnellen Ergebnisse und die Frequenz der Tests diesen Nachteil ausgleichen könnten.

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Wochentags sei die Mobilität am höchsten, 80 Prozent der Wege machen dabei Haushalte aus, die sich Richtung Schulen und Arbeitsplätze bewegen. Etwa 20 Prozent der Mobilität sei diffus, etwa durch Einkaufen, ÖPNV, Friseurbesuch. „Lassen sich die Endpunkte der 80 Prozent mit Tests abdecken, werden diese Teile der Mobilität damit effektiv aus dem Infektionsgeschehen herausgenommen“, resümieren daraus die Autoren der No-Covid-Strategie. „Wenn die Endpunkte von Mobilität mit Tests versorgt sind, können sich lokale Ausbrüche nicht mehr ausbreiten.“ Für den Erfolg so einer Teststrategie brauche es aber zusätzlich ein zügiges Impfregime, eine effizientere Kontaktnachverfolgung und den Fortbestand von Hygieneregeln wie Maske tragen, Abstand halten, Lüften.

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