Hundenarren, Dichter und loyale Kollegen: Das sind die Medizin-Nobelpreisträger

  • Sie haben sie die höchste Auszeichnung für Mediziner bekommen: Harvey J. Alter, Charles M. Rice und Michael Houghton wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
  • Die drei Preisträger hatten das Hepatitis-C-Virus entdeckt. Dank ihrer Forschung kann Hepatitis C mittlerweile geheilt werden.
  • Das sind die Männer hinter der Entdeckung.
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Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie den Briten Michael Houghton. Sie würden für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus ausgezeichnet, teilte die Nobelversammlung des Karolinska-Instituts am Montag mit. Das sind die Preisträger:

Charles M. Rice: “Hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal Virologe werden würde”

Alles begann mit der Liebe zu Hunden. Schon in jungen Jahren war der frischgebackene Nobelpreisträger Charles M. Rice von den Vierbeinern umgeben. Der logische Studienwunsch des 1952 geborenen US-Amerikaners: Veterinärmedizin. Schon in den ersten Biologiekursen entwickelte er eine Faszination für Grundlagenforschung. Später studierte er Biochemie. “Als ich vor 40 Jahren mit meinem Graduiertenstudium begann, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal Virologe werden würde”, sagte er bei der Verleihung des Robert-Koch-Preises 2015.

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Seine Mutter habe ihn einmal gefragt, weswegen er an Gelbfieber – einer durch Viren ausgelösten Krankheit – arbeite, erzählte Rice auf einer anderen Preisverleihung. Schließlich gebe es ja dafür eine Impfung. Rice' Reaktion darauf: “Wir waren neugierig auf das Virus und machten trotzdem weiter.” Diese Einstellung half ihm auch bei der Arbeit, die ihn am bekanntesten machte und letztlich zum Nobelpreis führte: der Nachweis, dass das Hepatitis-C-Virus allein Hepatitis verursachen kann. Die Arbeit mit dem Virus beschrieb Rice als frustrierend, das Virus sei ein “hartnäckiger Unruhestifter” gewesen.

Charles M. Rice ist Professor für Virologie an der Rockefeller University in New York. © Quelle: Mario Morgado/Rockefeller Univer

Dass es letztlich doch mit dem Nachweis geklappt hat, liegt wohl auch an einer Eigenschaft, die sein Kollege Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover so beschreibt: “Charles Rice ist sehr originell. Was ich auch bewundere, ist, dass er sehr systematisch seine Forschergruppe ausgebaut und Talente erkannt hat.”

Harvey J. Alter: “Mein Leben ist ein Traum gewesen”

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Eigentlich wäre Harvey J. Alter am liebsten professioneller Baseballspieler geworden. “Aber es gab da einige Hindernisse – ich konnte nicht schlagen, und ich konnte nicht fangen.” Also studierte der 1935 geborene Virologe Medizin. “Als einziger Sohn von jüdischen Eltern in New York City war es schließlich vorbestimmt, dass ich Arzt werden würde”, witzelte er später einmal im Fachjournal “Hepatology”.

Nach dem Studium fing er seine wissenschaftliche Karriere bei den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA (NIH) an. Schon in seinen ersten Jahren dort entdeckte Alter einen speziellen Oberflächenpartikel in der Hülle des Hepatitis-B-Virus. “Für viele Wissenschaftler wäre das das Highlight ihrer Karriere gewesen”, sagte der frühere Chef der NIH-Transfusionsmedizin Harvey Klein einmal. “Für Dr. Alter war es nur ein verheißungsvoller Anfang.”

Für seine Arbeit ist Alter, der zum zweiten Mal verheiratet ist und zwei Kinder hat, vielfach ausgezeichnet worden – vor dem Nobelpreis unter anderem mit dem renommierten Lasker-Preis und dem kanadischen Gairdner-Preis. Der Nobelpreis sei “überfällig” gewesen, sagte Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover, nach Bekanntwerden der Nachricht – und beschrieb Alter als sehr humorvoll und zugewandt. Der Virologe sei dafür bekannt, dass er Gedichte zu wissenschaftlichen Themen schreibe.

“Mein Leben ist ein Traum gewesen”, schrieb Alter im Fachjournal “Hepatology”. “Das einzige Problem ist, dass es nicht mein Traum war. Ich habe nie davon geträumt, in die Forschung zu gehen. Ich habe nie von Entdeckungen oder dem Gewinn renommierter Preise geträumt.” Eigentlich habe er sich immer als ganz normaler Praxisarzt gesehen, aber dann sei alles ganz anders gekommen. Er würde gerne immer so weitermachen. “Ich habe schon meine Grabinschrift verfasst, um mein immer wiederkehrendes zeitliches Dilemma zu umfassen: ‘Wie im Leben, ihm ist die Zeit ausgegangen.’”

Michael Houghton: Ein Mann mit Prinzipien

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Der Medizin-Nobelpreisträger Michael Houghton ist trotz seiner Erfolge bescheiden geblieben und ein Mann mit Prinzipien. “Er wollte eigentlich keine Ehrungen mehr annehmen, wenn nicht alle Mitarbeiter mitgeehrt werden, die auf seinem ersten Paper aufgeführt wurden”, sagte Prof. Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Den Nobelpreis – die höchste Ehrung in der Medizin – dürfen sich allerdings nicht mehr als drei Personen gleichzeitig teilen. Manns kennt Houghton persönlich und hält nicht nur fachlich große Stücke auf ihn: “Michael Houghton ist extrem bescheiden, verlässlich, pflegt Freundschaften, Kontakte.” Für seine Leistungen bekam der Forscher schon diverse Auszeichnungen, darunter auch den deutschen Robert-Koch-Preis – das ist allerdings schon 27 Jahre her.

Houghton ist zwar gebürtiger Brite, sein wissenschaftlicher Durchbruch gelang ihm aber in den USA. Damit reiht sich der Biochemiker und Virologe in eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Nobelpreisträgern ein, die für ihre Forschungen ihre Heimat verließen und in die USA gingen. Inzwischen lebt Houghton in Kanada.

Der 1949 geborene Nobelpreisträger soll aus bescheidenen Verhältnissen stammen. Er studierte an der University of East Anglia und hat am renommierten King’s College in London promoviert. In Großbritannien sammelte er erste Erfahrungen in der Pharmaindustrie.

Im Jahr 1982 übernahm er die Leitung einer auf Hepatitis spezialisierten Abteilung des US-Biotechnologieunternehmens Chiron Corporation im kalifornischen Emeryville. Dort gelangen ihm Forschungserfolge, die wesentlich zur Heilung von Hepatitis C beitrugen und für die er nun – gemeinsam mit den US-Amerikanern Harvey J. Alter und Charles M. Rice – den Nobelpreis bekommt. Zurzeit ist Houghton Professor an der kanadischen Universität von Alberta.

RND/dpa

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