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Nida-Rümelin: Impfstrategie muss konsequent nach Risikogruppen ausgerichtet werden

  • Der Philosoph und Risikoethiker Julian Nida-Rümelin fordert eine Ausrichtung der Impfstrategie am Risiko der Bevölkerungsgruppen.
  • Momentan würden nicht die Menschen mit dem höchsten Risiko priorisiert geimpft werden.
  • Die Orientierung der Impfstrategie am Morbiditäts- und Mortalitäts-Risiko müsse jetzt konsequent umgesetzt werden.
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Frankfurt a.M.. Der Philosoph und Risikoethiker Julian Nida-Rümelin (66) fordert mit Blick auf den Ablauf der deutschen Impfkampagne eine konsequente Orientierung am Risiko einzelner Bevölkerungsgruppen. „Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass in Deutschland die Impfstrategie nach dem Risiko ausgerichtet wird“, sagte Nida-Rümelin. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 80-Jähriger an Covid-19 sterbe, sei rund 1.000 Mal so hoch wie das Risiko einer 30-jährigen Krankenschwester. Die Regelung werde jetzt de facto unterlaufen, indem dann doch nicht diejenigen mit dem höchsten Risiko geimpft würden. Die Orientierung der Impfstrategie am Morbiditäts- und Mortalitäts-Risiko müsse jetzt konsequent umgesetzt werden.

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Nida-Rümelin sagte, er frage sich, wie es überhaupt dazu kommen könne, dass Einzelne sich beim Impfen vordrängeln könnten. In den vergangenen Tagen berichteten verschiedene Medien über Fälle, in denen etwa Politiker vorab geimpft worden waren. „Ich wundere mich über den erratischen Ablauf der Impfkampagne“, sagte der ehemalige Kulturstaatsminister der Bundesregierung. Der Bundesgesundheitsminister habe die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und der Wissenschaftsakademie Leopoldina in der Impfverordnung mit wenigen Modifikationen übernommen. Was in der Verordnung stehe, müsse auch so umgesetzt werden.

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Philosoph: Gesellschaft muss lernen, mit Covid-19 zu leben

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Der Philosoph sagte mit Blick auf die Sars-CoV2-Mutationen, dass in der Berichterstattung über die Mutanten die Gefährlichkeit oft mit der Infektiosität verwechselt werde. „Wenn man in die Geschichte der Epidemien schaut, bedeuten Mutationen nicht unbedingt mehr Gefahr. Die Mutationen, die sich durchsetzen, sind zwar in der Regel infektiöser, werden aber oft mit der Zeit harmloser“, sagte er.

Er sei anders als Fürsprecher von Zero-Covid der Auffassung, dass die Gesellschaft lernen müsse, mit Covid-19 zu leben. „Ziel der Bekämpfung ist nicht die Herdenimmunität, sondern die Gefährlichkeit so abzusenken, dass sie erträglich wird“, betonte Nida-Rümelin. Das gehe mittels Impfungen der Risikogruppen parallel zur Immunisierung nach einer durchgemachten Erkrankung. Nur Inselstaaten hätten es bislang geschafft, Covid-Fälle auf null zu drücken. Deutschland sei aber keine Insel und sollte auch nicht versuchen, mittels massiven Grenzkontrollen eine zu werden.

RND/epd

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