Studie: Nicht mehr, sondern weniger Corona-Infektionen nach Schulöffnungen

  • Eine Studie hat untersucht, wie sich der Schulneustart auf das Corona-Infektionsgeschehen ausgewirkt hat.
  • Drei Wochen nach der Wiedereröffnung wurden nicht mehr, sondern weniger Neuinfektionen beobachtet als bei geschlossenen Schulen.
  • Gründe könnten die besondere Vorsicht von Eltern und Schülern und Hygienemaßnahmen sein.
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Über Schulschließungen als Anti-Corona-Maßnahme wurde schon viel gestritten. Nun zeigt sich: Neue Schließungen sind womöglich tatsächlich nicht nötig. Das Arbeitsmarktforschungsinstitut IZA (Institute of Labor Economics) hatte in einer Studie das Infektionsgeschehen nach dem Ende der Sommerferien untersucht und dabei festgestellt: Nach der Wiederöffnung der Schulen wurde kein Anstieg der Infektionszahlen beobachtet.

Grundlage der Untersuchung waren die vom Robert-Koch-Institut gemeldeten Fallzahlen der letzten zwei Ferienwochen und der ersten drei Schulwochen in allen 401 Kreisen in Deutschland. Die IZA-Forscher verglichen dann die Fallzahlentwicklung in Bundesländern mit endenden Sommerferien mit der aus Ländern, in denen die Schulen noch geschlossen waren.

Schulöffnung bremste Anstieg der Fallzahlen aus

Vom Ergebnis waren die Forscher selbst überrascht: Denn die Wiederöffnung der Schulen hatte nicht, wie erwartet, zu einem stärkeren Anstieg der Fallzahlen geführt. Sie hatte diesen im Gegenteil sogar ausgebremst. Dort, wo die Sommerferien endeten, wurden drei Wochen später durchschnittlich 0,55 Fälle weniger pro Tag und 100.000 Einwohner gemeldet. Dieser Effekt war auf die Altersgruppe von Schülern und ihrer Eltern beschränkt. Auch in der Risikoaltersgruppe der über 60-Jährigen nahmen die Fallzahlen nach dem Schulneustart nicht zu: Stattdessen zeigte sich keinerlei Auswirkung.

„Dieses Ergebnis entspricht sicher nicht dem, was wir erwartet hätten“, sagte Ingo Isphording, einer der beteiligten IZA-Forscher. Die Autoren überprüften das Resultat der Studie daher mit verschiedenen Ansätzen und Rechenmethoden – konnten aber in keinem Fall einen Anstieg der Fallzahlen durch die Schulöffnungen feststellen.

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Hygienemaßnahmen zeigten womöglich Wirkung

Eine mögliche Erklärung sehen Isphording und die anderen Wissenschaftler in den Hygienemaßnahmen, die in den Schulen ergriffen wurden: Dazu gehören die Maskenpflicht, der Unterricht in festen Kleingruppen sowie Schnelltests und die Quarantäne von Klassen, in denen Schüler oder Lehrer positiv getestet wurden. Wie genau sich einzelne dieser Maßnahmen ausgewirkt hatten, wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.

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Auch ein anderer Grund ist laut IZA denkbar: So hätten Eltern nach der Wiedereröffnung der Schulen vermutlich strenger darauf geachtet, dass sich ihre Kinder nirgendwo anstecken könnten, um eine Quarantäne zu vermeiden: „Wenn die Folge einer laufenden Nase ist, dass meine Tochter einige Tage nicht zur Schule gehen kann, überlege ich es mir zweimal, ob sie auf engem Raum mit anderen spielen darf“, so Isphording.

Kein „uneingeschränktes Plädoyer für rasche Schulöffnungen“

In einer Mitteilung des IZA heißt es, diese besondere Situation beim Schulneustart nach den Ferien lasse „keine Umkehrschlüsse auf die Effekte der Schulschließungen im Frühjahr zu.“ Die Autoren wollten ihre Studie zudem „nicht als uneingeschränktes Plädoyer für rasche Schulöffnungen“ verstanden wissen. Sie rieten aber dazu, „Kosten und Nutzen sorgfältig abzuwägen, statt bei lokal aufflammendem Infektionsgeschehen reflexartig wieder zum Mittel der Schulschließung zu greifen.“

Damit beziehen sich die Wirtschaftsforscher vor allem auf mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In seiner Mitteilung verweist das IZA auf eine weitere Studie, wonach die weltweit betroffenen Schülerjahrgänge insgesamt bis zu 15 Billionen US-Dollar an Lebenseinkommen einbüßen werden.


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