Neuseeland eröffnet erste Samenbank für HIV-positive Spender

  • HIV-Positive als Samenspender – das könnte auf den ersten Blick befremdlich wirken.
  • Aber genau darum geht es einigen Neuseeländern, die ein entsprechendes Projekt nun aufbauen.
  • Sie hoffen, dass sie damit anecken - und dadurch Vorteile ausräumen können.
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Hinter dem Namen „SpermPositive" versteckt sich die erste Samenbank für Männer mit HIV. Hauptaugenmerk soll die Online-Samenbank aber nicht auf die Reproduktion legen, sondern auf Aufklärung. Denn noch heute glauben viele Menschen, dass HIV bei der kleinsten Berührung übertragen werden kann. Bei Umarmungen, beim Küssen, bei einem Nieser oder auch Geschlechtsverkehr. Wer mit HIV infiziert ist, leidet nicht nur unter der Krankheit, sondern auch unter den anhaltenden Vorurteilen, die die Krankheit mit sich bringt. Für HIV-Positive ist das Stigma meist schlimmer als das Virus.

Mit HIV-positiven Samenspendern will „SpermPositiv" gegen dieses Stigma vorgehen und Aufklärungsarbeit leisten. So sollen auch HIV-Positive die Chance bekommen, Leben zu erschaffen. Bei der Samenbank handelt es sich um keine Fertilitätsklinik im eigentlichen Sinne, sondern sie ist Teil einer Kampagne, die Aufmerksamkeit erregen soll. Jedoch werden die Samenspenden auch vermittelt, wenn Interesse besteht. Es gibt mehrere Zusagen von Fertilitätskliniken in Neuseeland, die bei der eigentlichen Prozedur anschließend unterstützen würden.

Initiiert wurde die Samenbank am 1. Dezember zum Weltaidstag 2019 von drei Gesellschaften, die nicht nur im HIV-Bereich tätig sind: der New Zealand AIDS Foundation (NZAF), Positive Women Inc und Body Positive, die sich alle im Kampf gegen Diskriminierung und Vorurteile engagieren.

Viruslast muss unter der Nachweisgrenze liegen

Zahlreiche Studien belegen, dass die Chance gleich Null ist, dass infizierte Personen mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze das Virus auf ihre Sexualpartner übertragen können – sogar bei ungeschütztem Verkehr. Dies ist auch bei „SpermPositive" Voraussetzung für die Aufnahme eines Spenders. Nur, wenn der potentielle Spender bei zwei mindestens einen Monat auseinanderliegenden Tests jeweils unter der Nachweisgrenze liegt, darf er auch spenden.

Um den Status unterhalb der Nachweisgrenze zu erreichen, müssen täglich Medikamente eingenommen werden, was etwa sechs Monate dauern kann. Im Anschluss ist das Virus nach erfolgreicher Behandlung nicht mehr durch einen Bluttest nachweisbar. Den Studien zufolge kann die Krankheit nicht mehr weitergegeben werden. Das gelte nicht nur für Männer, auch Frauen mit HIV mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze können das Virus nicht bei Geburt weitergeben, schreibt SpermPositive.

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Die Deutsche Aidshilfe und die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigten ebenfalls, dass es unter einer erfolgreichen HIV-Therapie selbst beim Sex nicht zu einer Übertragung kommen kann, und, dass Menschen mit HIV dank der Behandlung auf natürlichem Weg Eltern werden können.

Spender können vieles weitergeben – nur kein HIV

Aktuell erzählen auf der Website drei potentielle Spender ihre Geschichten. Als sie gefragt werden, was sie weitergeben würden, ist die Rede von Freundlichkeit, blauen Augen, Kultur, Gerechtigkeitssinn und Optimismus. Kein Wort von HIV. Kein Wunder, denn der Slogan der Samenbank ist: "Sie können ihre besten Eigenschaften weitergeben. Aber kein HIV."

Bei Damien Rule-Neal wurde 1999 HIV diagnostiziert. Seitdem befindet er sich in Behandlung: "Ich habe viele Freunde die mit HIV leben und die Kinder bekommen haben." sagte er in einem Interview gegenüber „The Guardian". Durch seine Teilnahme wolle er "der Welt zeigen, dass das Leben nach einer Diagnose mit HIV weiter geht und dabei helfen, Vorurteile zu beseitigen." Seit 18 Jahren liegt Damien nun inzwischen schon unter der Nachweisgrenze. Dennoch hat er in seinem Berufs- und Privatleben oft noch mit dem bekannten Stigma zu kämpfen.

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„Ich war Koch, Reisender und sitzt gerade an meinem Krankenpflegediplom. Ich bin wohlerzogen und besonnen, was mir im Laufe meines Lebens sehr geholfen hat. Ich bin gerne aktiv und mag Spaziergänge, Fahrradfahren und Schwimmen. Ich bin bekannt für mein herzliches Lächeln und meine strahlenden, blauen Augen."

Spender A

„Ich bin eine nachdenkliche, achtsame Person. Ich habe eine schlanke, durchtrainierte Figur mit leicht gebräunter Haut und dunkelbraune Augen. Ich denke, ein Vater zu sein, ist eines der großartigsten Dinge, die einem Menschen passieren können. Ich würde mich gesegnet fühlen, die Möglichkeit zu haben, jemandem zu helfen."

Spender B

„Ich bin ein leidenschaftlicher Umweltschützer und arbeite für eine Umweltschutzorganisation. Ich liebe es, draußen im Garten zu sein und interessiere mich sehr für Videoproduktion. Ich bin etwa 1,75 m groß, habe braunes, welliges Haar un blaue Augen.”

Spender C

HIV nicht unterschätzen

Trotzdem sollten die Gefahren von HIV oder auch Aids als Folge nicht unterschätzt werden. Denn nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gab es Ende 2018 allein in Deutschland 87.900 Menschen mit HIV. Neuerkrankungen gab es 2400, was einen jährlichen Rückgang seit 2015 bedeutet. Jedoch sind Hochrechnungen zufolge 10.600 Menschen dabei, die nichts von ihrer Infektion wissen. Weltweit waren es 2018 rund 37,9 Millionen Infizierte, 770.000 Menschen starben an den Folgen der HIV-Infektion. HIV verbreitet sich durch unterschiedliche Flüssigkeitsübertragungen, wie Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit oder Muttermilch.

Eine Heilung für HIV gibt es nicht. Wer mit HIV infiziert ist, bleibt es auch. Allerdings ist der Virus behandelbar und die Medikamente können den Ausbruch von Aids verhindern.

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