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Neuinfektionen, Hotspots, R-Werte: Das hat es mit den aktuellen Corona-Zahlen auf sich

  • Je weiter die Pandemie voranschreitet, desto schlechter blickt man durch die Zahlen und Werte durch, die die Ausbreitung des Virus beschreiben.
  • Es ist häufig nicht ersichtlich, wo sich die meisten Menschen denn nun tatsächlich infizieren oder wie es um die Auslastung unserer Kliniken steht.
  • Ein Überblick über fünf wichtige Fragen zu den aktuellen Zahlen.
Talisa Moser
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Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit steigen aktuell die Zahlen der neu gemeldeten Corona-Infektionen. Uns erreichen regelmäßig neue Höchstzahlen aus Indien oder Israel, aber auch aus europäischen Staaten wie Frankreich oder Spanien – die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet weltweit mit bis zu zwei Millionen Toten. Aber was hat es mit den aktuellen Zahlen in Deutschland auf sich?

Wie verläuft die Kurve der Neuinfektionen?

Die Zahl der vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat am Freitag den Höchstwert seit Ende April erreicht. Zuletzt registrierten die Behörden 2507 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Damit steigt die Kurve zwar wieder, aber die Zahlen sind nach wie vor deutlich niedriger im Vergleich zu den Pandemiehöchstwerten. Zwischen Ende März und Anfang April haben diese nämlich bei mehr als 6000 gelegen.

Wo infizieren sich gerade die meisten Deutschen?

In Deutschland wurde dem RKI zufolge in vergangener Zeit besonders ein Zusammenhang der neuen Ansteckungen mit Feiern im Familien- und Freundeskreis, bei Reiserückkehrern sowie in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, bei beruflichen Treffen und im Rahmen religiöser Veranstaltungen festgestellt.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage, liegt in einigen Regionen Deutschlands über dem als kritisch geltenden Wert von 50. In den Bundesländern Bayern, Berlin und Hamburg liegt die Zahl der Infizierten außerdem sehr deutlich, in Nordrhein-Westfalen deutlich und in Bremen leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert.

In 27 Kreisen liegt eine erhöhte Sieben-Tage-Inzidenz mit mehr als 25 Fällen pro 100.000 Einwohnern vor. Mit über 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern ist die Zahl an Infizierten im Kreis Hamm (die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 96,0), im Kreis Remscheid (die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 71,2) und im bayerischen Kreis Dingolfing-Landau (die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 64,4) besonders hoch.

Wie steht es aktuell um die R-Werte?

Der R-Wert ist ein wichtiger Faktor, um die Verbreitung des Coronavirus zu bewerten. Die berichteten R-Werte lagen dem RKI zufolge seit der zweiten Septemberwoche überwiegend über 1. Die Reproduktionszahl in Deutschland beträgt laut Lagebericht vom Freitag 0,91. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der Sieben-Tage-R-Wert hingegen lag am Freitag etwas über dem kritischen Wert, nämlich bei 1,01.

Wo liegen wir derzeit bei den Todeszahlen und Intensivbetten?

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Mit den Infektionszahlen steigt bei vielen auch die Angst vor einer erhöhten Todesrate. Aktuell gibt es in Deutschland wenig Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das liegt vor allem daran, dass sich vermehrt Jüngere infizieren, bei denen der Verlauf der Infektion in der Regel leichter ist. Die Zahl der Patienten über 60 Jahren liegt derzeit bei knapp 15 Prozent, circa 50 Prozent sind hingegen jünger als 35. Außerdem wird inzwischen breiter getestet, sodass auch vermehrt mildere Fälle erkannt werden.

Darüber hinaus wird bei steigenden Fallzahlen der Anteil schwerer Krankheitsverläufe erst nach einiger Zeit sichtbar, da die Krankengeschichte mit möglichem Tod meist sehr lang ist. Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, dürften wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten, warnten dieser Tage das RKI und Virologe Christian Drosten.

Das Gesundheitssystem verfügte bisher in der Corona-Krise zu jeder Zeit über genügend freie Kapazitäten, manche sagen sogar, über zu viel freie Kapazitäten. Rund 250 Covid-19-Patienten liegen derzeit auf der Intensivstation, etwa die Hälfte davon wird beatmet.

Wie sieht es in den anderen europäischen Ländern aus?

Beinahe in ganz Europa hat die Bundesregierung Gebiete zu Risikogebieten erklärt – denn nicht nur in Deutschland schnellen die Infektionszahlen in die Höhe. Der Corona-Hotspot Spanien beispielsweise hat als erstes Land Westeuropas die Marke von 700.000 registrierten Infektionen gebrochen. Das Gesundheitsministerium meldete zuletzt 10.653 neue Ansteckungen, wodurch die Gesamtzahl der Fälle auf mehr als 704.000 kletterte.

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In Frankreich gab es diese Woche mehr als 16.000 Neuinfektionen an einem Tag. Insgesamt haben sich dort schon 520.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Mit 6634 neuen registrierten Corona-Fällen hat Großbritannien den höchsten Stand innerhalb eines Tages seit Beginn der Pandemie erreicht – und damit gut 410.000 Infizierte.

In Italien ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus vergangene Woche auf mehr als 1900 und damit auf den höchsten Wert seit Anfang Mai gestiegen. Das Gesundheitsministerium meldete inzwischen insgesamt ungefähr 300.000 registrierte Fälle mit dem Virus. Auch das dänische Gesundheitsinstitut SSI hatte vor Kurzem den höchsten Stand an Neuinfektionen in Dänemark seit Beginn der Pandemie vermeldet. Demnach kamen innerhalb eines Tages 678 neue bestätigte Corona-Fälle hinzu – insgesamt haben sich dort mehr als 25.000 Menschen infiziert.

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