Neue Corona-Vakzine: Alternative zu Genimpfstoffen?

  • Die europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft derzeit die Zulassung weiterer Corona-Vakzine.
  • Darunter sind auch solche, die als Protein- und Totimpfstoffe auf altbewährte Wirkmechanismen setzen.
  • Diese könnten womöglich besser verträglich sein als die genbasierten mRNA- und Vektorimpfstoffe.
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Noch in diesem Jahr könnten weitere Impfstoffe gegen das Coronavirus in Europa zugelassen werden. Darunter auch solche, die nicht genbasiert sind, sondern stattdessen auf altbewährte Wirkmechanismen setzen.

So hat das US-Pharmaunternehmen Novavax angekündigt, bis September die Zulassung für einen Covid-19-Impfstoff in der EU beantragen zu wollen. In den Herstellerstudien soll das Vakzin „NVX-CoV2373″ zu mehr als 90 Prozent vor Infektionen mit der Alpha-Variante des Virus geschützt haben und schwere Verläufe bis zu 100 Prozent verhindert haben. Infektionen mit verschiedenen neuen Varianten konnte die Impfung zu etwa 70 Prozent verhindern.

Die Wirkung wäre demnach ähnlich stark wie die der neuartigen mRNA-Impfstoffe, dabei basiert die Impfung auf einem anderen, altbewährten Prinzip. Es werden weder Gene des Erregers noch dessen genetische Informationen in die menschlichen Zellen eingeschleust. Stattdessen enthält der Impfstoff synthetisch hergestellte Spike-Proteine des Virus, die zu Nanopartikeln zusammengesetzt wurden sowie Zusatzstoffe, die seine Wirksamkeit verstärken sollen (Adjuvantien). Er löst unmittelbar die Bildung von Antikörpern aus und bereitet das Immunsystem auf einen möglichen Kontakt mit dem echten Erreger vor. Die Wirkung der Impfung soll schneller eintreten als die von Vektor- oder mRNA-Vakzinen. Zudem sind Transport und Lagerung unkompliziert, da der Impfstoff bei Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden kann.

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Technologie ist schon besser erforscht

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Carlos Alberto Guzman, Leiter der Abteilung Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum, sieht bei Proteinimpfstoffen noch weitere Vorteile gegenüber den neuartigen mRNA-Vakzinen. Proteinbasierte Impfungen seien „einfach sehr gut bekannt“, würden „in der Regel besser toleriert“ und es gebe da „keine großen Fragezeichen“ sagte Guzmann gegenüber der „Deutschen Welle“. Ein Nachteil sei, dass die Entwicklung solcher Vakzine länger dauert als bei Vektor- oder mRNA-Impfstoffen.

Die Technologie ist also besser erforscht und vermutlich sogar besser verträglich – kommt aber wegen der längeren Entwicklungszeit erst zu einem Zeitpunkt auf dem Markt, zudem schon Millionen von Menschen geimpft sind. Novavax hat nun angekündigt, viele seiner Impfdosen sollten an Länder mit mittlerem und geringerem Einkommen gehen, die bisher noch kaum Zugang zu Impfstoffen bekommen hatten. Dies sei von Anfang an der Plan gewesen. Über eine Milliarde Impfdosen sollen über das Programm Covax der WHO an Entwicklungs- und Schwellenländer verteilt werden.

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Aber auch dort, wo schon länger Covid-19-Impfstoffe zur Verfügung stehen, könnte Novavax noch Absatz finden. So könnten Proteinimpfstoffe eine Alternative für diejenigen sein, die sich gerne impfen würden, aber skeptisch gegenüber den weniger erprobten und genbasierten mRNA- und Vektorimpfstoffen sind. Die Bundesregierung soll bereits 16 Millionen Dosen Novavax-Impfstoff für den Einsatz in Deutschland reserviert haben.

Auch Sanofi hat Proteinimpfstoff entwickelt

Ebenfalls einen Proteinimpfstoff entwickelt hat der französische Pharmakonzern Sanofi, in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK). Auch die Vakzine von Sanofi enthält das synthetisch hergestellte Spike-Protein des Virus. Bei der Herstellung wurde das gleiche Verfahren angewandt, mit dem bereits ein Grippeimpfstoff von Sanofi produziert wird. Die Studien von Sanofi hatten länger gedauert, als ursprünglich vorgesehen: So hatte sich in den höheren Altersgruppen zunächst nicht die gewünschte Wirksamkeit gezeigt, weshalb der Impfstoff angepasst werden musste. Der Hersteller hofft nun auf eine Marktzulassung seines Präparats mit Namen „Vidprevtyn“ bis Ende 2021. Daten dazu, wie gut die Sanofi-Vakzine vor Infektionen schützt, wurden noch nicht veröffentlicht. Der Impfstoff soll aber bei 95 bis 100 Prozent der Geimpften zuverlässig die Bildung von Antikörpern angeregt haben.

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Auch der Impfstoff Coronavac der chinesischen Firma Sinovac Life Sciences basiert auf einem schon länger bekannten Verfahren und wird derzeit von der EMA geprüft: Die Vakzine mit dem Namen Coronavac enthält inaktivierte, also abgetötete Coronaviren, die sich im Organismus nicht mehr vermehren aber eine Immunantwort auslösen können.

Fraglicher Schutz vor Delta-Variante

In den Herstellerstudien soll Coronavac zu 51 Prozent vor Infektionen mit dem Coronavirus geschützt haben und zu 100 Prozent vor schweren Erkrankungen. Einer Einschätzung der WHO zufolge waren aber nicht genug Studienteilnehmer über 60 geimpft worden, um eine Wirksamkeit in den höheren Altersgruppen zu belegen.

Fraglich ist auch noch, wie gut die Vakzine von Sinovac vor den neuen Varianten des Virus schützt. In Thailand, wo inzwischen die Delta-Variante dominiert, sollen Hunderte zweimalig mit Coronavac Geimpfte erkrankt sein, einige davon sogar gestorben.

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Neben den Vakzinen von Novavax, Sanofi und Sinovac prüft die EMA derzeit noch zwei weitere Corona-Impfstoffe: Sputnik V, der wie der Impfstoff von Astrazeneca nach dem Prinzip einer Vektorvakzine funktioniert und die Vakzine des Tübinger Unternehmens Curevac, die wie Biontech/Pfizer und Moderna auf die genbasierte mRNA-Technologie setzt.

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