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Hilfe beim plötzlichen Herztod: „Es schadet dem Patienten nur, wenn man nichts tut“

  • In Deutschland sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod.
  • Wer ist besonders gefährdet und wie kann man vorbeugen oder in einer Notsituation helfen?
  • Kardiologe Dr. Heribert Brück gibt im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Antworten auf die wichtigsten Fragen
Katrin Schreiter
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Hannover. Die erste Halbzeit im EM-Spiel Dänemark gegen Finnland ist fast abgelaufen, als der dänische Spieler Christian Eriksen plötzlich auf dem Spielfeld zusammenbricht und reglos liegenbleibt. Sofort beginnen Notärzte mit der Reanimierung, er wird dann vom Platz getragen.

Nach langem Bangen kommt die erlösende Nachricht: Eriksen ist bei Bewusstsein, es besteht keine Lebensgefahr. Das Spiel wird wieder angepfiffen, doch es bleiben viele Fragen: Wie kann ein Leistungssportler, der jung und durchtrainiert ist, so plötzlich kollabieren? Wie gefährdet sind Amateursportler? Wie kann ich in solch einer Situation helfen? Dr. med. Heribert Brück, Sprecher des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK), äußert sich dazu im Interview mit dem RND.

Dr. Brück, der Profifußballer Christian Eriksen ist ohne fremde Einwirkung auf dem Spielfeld zusammengebrochen – ohne Vorwarnung. Können Sie aus der Ferne das Problem diagnostizieren?

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Heribert Brück: Nein, aber ich kann anhand der Behandlung vor Ort entsprechende Rückschlüsse ziehen: Wiederbelebung, Elektroschock, danach war er wieder ansprechbar und hat selbst atmen können. Eriksen hatte wohl ein sogenanntes Rhythmusereignis – eine plötzliche Herzrhythmusstörung, das durch Kammerflimmern ausgelöst wurde. Der Sportler hatte also einen plötzlichen Herztod.

Welche Ursachen kann das haben?

Es gibt zahlreiche Ursachen, die zu einem plötzlichen Herztod führen können. Bei älteren Menschen handelt es sich häufig um Herzkranzprobleme, bei jungen – wie bei Eriksen – oft um Herzrhythmusstörungen, angeborene Herzfehler oder eine Herzmuskelentzündung.

Wodurch kommt das Herz aus dem Takt?

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Auch hier kann es verschiedene Gründe geben: Wenn zum Beispiel Kanäle, durch die die Elektrolyte geleitet werden, eine Fehlfunktion haben. Oder wenn die Elektrolyte selbst gestört sind. Beim Sport werden zum Beispiel durch das Schwitzen die Blutsalze verändert. Deshalb tritt der plötzliche Herztod auch oft am Ende einer sportlichen Einheit auf – oder wie bei Eriksen am Ende der ersten Halbzeit.

Gibt es äußere Anzeichen für einen plötzlichen Herztod?

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Nein, das ist das Tückische. Und auch die Ärzte können es nie ganz ausschließen. Allerdings können sie durch EKG und Ultraschall feststellen, ob ein Risiko besteht.

Dr. med. Heribert Brück, 66, ist Kardiologe mit eigener Praxis in Erkelenz und Sprecher des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). © Quelle: Brück/Schorn

Sind Leistungssportler besonders gefährdet?

Nein, Leistungssportler werden regelmäßig untersucht – die Wahrscheinlichkeit, ein gesundheitliches Problem zu entdecken, ist hier ziemlich hoch. Hobbysportler sind gefährdeter, weil sie sich oft nicht durchchecken lassen. Sie kaufen sich eher mal Laufschuhe für 200 Euro und ein Rad für 5000 Euro, geben aber kein Geld für eine Vorsorgeuntersuchung aus, die in diesem Fall die Krankenkasse nicht bezahlt.

Was kostet die Vorsorgeuntersuchung?

Je nachdem, was man machen lässt: Vom einfachen EKG bis zur umfangreichen Untersuchung kostet es zwischen 25 und 400 Euro.

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Was kann man als Laie tun, wenn jemand in meiner Nähe einen plötzlichen Herztod erleidet?

Ist derjenige bewusstlos, hat aber noch Puls und atmet, ist die stabile Seitenlage das Richtige. Ändert sich das, muss er auf dem Rücken liegen und eine Herzdruckmassage bekommen. Auch sollte man sofort den Notarzt informieren und wenn möglich, jemanden losschicken, um einen automatischen Defibrillator zu finden. An Banken oder Bahnhöfen zum Beispiel.

Die meisten Menschen haben wohl noch nie einen Defibrillator bedient …

... kein Problem. Stellt man das Gerät an, erklärt eine Stimme Schritt für Schritt, was zu tun ist. Das Gerät erkennt auch das Problem und wann man was machen muss. Ich sage an dieser Stelle immer: Man kann nichts falsch machen! Es schadet dem Patienten nur, wenn man in dieser Situation nichts tut.

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Mit welchen Schäden muss man rechnen?

Wenn zu viel Zeit bis zu einer erfolgreichen Wiederbelebung vergeht, können durch die Sauerstoffnot schwere Gehirnschäden entstehen.

Weitere Infos

Weitere Informationen zum plötzlichen Herztod und dem richtigen Verhalten im Notfall unter www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html

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