Coronavirus-Mutation: Sind Kinder besonders anfällig?

  • Kinder galten bislang als kaum oder gar nicht empfänglich für Infektionen mit dem Coronavirus.
  • Bei der neuen Virusvariante Vui-202012/01 könnte das Gegenteil der Fall sein.
  • Britische Wissenschaftler berichten, dass die Coronavirus-Mutation „eine höhere Neigung“ habe, Kinder zu infizieren.
Laura Beigel
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London. Die neu entdeckte Corona-Mutation Vui-202012/01 breitet sich weiter in Großbritannien aus. Die Expertengruppe New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group (Nervtag), die auch die britische Regierung berät, warnt jetzt davor, dass Kinder besonders anfällig für die neue Virusvariante sein könnten.

„Es gibt einen Hinweis darauf, dass es [das mutierte Coronavirus, Anm. d. Red.] eine höhere Neigung hat, Kinder zu infizieren“, sagte Prof. Neil Ferguson, Epidemiologe am Imperial College London und Mitglied von Nervtag, gegenüber dem britischen Science Media Center. „Wir haben keine Art von Kausalität dafür festgestellt, aber wir können es in den Daten sehen. Wir werden mehr Daten sammeln müssen, um zu sehen, wie es sich in Zukunft verhält.“

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Corona-Mutation weist Veränderungen des Spike-Proteins auf

Bisher galten Kinder im Vergleich zu Erwachsenen als weniger empfänglich für Infektionen mit Sars-CoV-2. Infizieren sie sich doch mit dem Coronavirus, zeigt sich bei Kindern in der Regel ein milder oder asymptomatischer Krankheitsverlauf. Ein Forscherteam um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité hatte im Frühjahr zudem festgestellt, dass Kinder genauso infektiös sein können wie Erwachsene.

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Wegen der in Großbritannien entdeckten Variante des Coronavirus schottet sich Europa zum Wochenbeginn zunehmend vom Vereinigten Königreich ab.  © Reuters

Prof. Wendy Barclay, ebenfalls Mitglied von Nervtag und Virologin am Imperial College London, vermutet, dass die erhöhte Anfälligkeit von Kindern auf Mutationen des Virus zurückzuführen ist, die beeinflussen, wie der Erreger in die menschlichen Zellen eindringt.

So konnten britische Wissenschaftler in ersten Analysen beispielsweise herausfinden, dass die neue Virusvariante genetische Veränderungen im Spike-Protein aufweist. Sars-CoV-2 nutzt dieses Protein, um in menschliche Zellen einzudringen. Ob die Veränderungen des Spike-Proteins Auslöser dafür sind, dass sich vermehrt Kinder mit der Coronavirus-Mutation infizieren, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Die Corona-Variante Vui-202012/01 ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts aus einer „Kombination von Mutationen“ entstanden. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson hatte erklärt, dass die Virusmutation bis zu 70 Prozent ansteckender sei als die bisherige Variante. Auch in Island, Dänemark und den Niederlanden ist die Coronavirus-Mutation inzwischen nachgewiesen worden.


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