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Musiker und Sänger haben keine größere Infektionsgefahr durch das Coronavirus

  • Studien aus Berlin und München zeigen, dass Musiker und Sänger keine größere Infektionsgefahr für Covid-19 haben.
  • Der freigesetzte Luftstrom bei den Instrumenten ist teilweise sogar geringer als beim Sprechen.
  • Die Forscher raten unter anderem dazu, den 1,5-Meter-Mindestabstand einzuhalten und Kondenswasser mit einem Tuch aufzufangen.
Laura Beigel
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Berlin/München. Das kulturelle Leben in Deutschland leidet erheblich unter der Corona-Krise, genauso wie viele Musiker, die als freischaffende Künstler derzeit kaum oder keine Einnahmen generieren können. Die Berliner Charité und die Universität der Bundeswehr in München (UniBwM) haben jetzt in zwei jüngst veröffentlichten Studien Empfehlungen ausgesprochen, wie Orchestermusiker wieder gemeinsam proben könnten.

Kameras zeichnen Tröpfchenbewegungen auf

Prof. Christian Kähler und sein Assistent Dr. Rainer Hain von der UniBwM sind bei ihrer Untersuchung außerdem der Frage nachgegangen, wie hoch das Infektionsrisiko beim Chorsingen und Musizieren mit Blasinstrumenten ist.

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Dazu führten sie ein Experiment mit einer Gesangsdozentin des Salzburger Mozarteums, zwei Laienchorsängern, fünf Bläsern des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München und einem Laienblechbläser durch. Mithilfe eines Lasers und spezieller digitaler Kameras zeichneten sie die aus den Mündern und Instrumenten austretenden Speicheltröpfchen und die beim Ausatmen in Bewegung versetzte Luft auf.

Luftstrom beim Singen reicht nur bis 0,5 Meter

Sowohl die Studie der Charité, die im Auftrag der sieben Berliner Berufsorchester entstanden ist, als auch die Experimente der UniBwM kommen zu dem Ergebnis: Blech- und Holzbläser weisen ein niedrigeres Infektionsrisiko auf als bisher vermutet. Grund dafür ist der freigesetzte Luftstrom, der sogar geringer ist als beim Sprechen.

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Der in Bewegung versetzte Luftbereich vor den Blechblasinstrumenten misst nach UniBwM weniger als 0,5 Meter – anders als bei Holzblasinstrumenten wie Klarinetten und Oboen, die Strömungsbewegungen von rund einem Meter erzeugen können. Eine noch größere Reichweite konnten die Forscher nur noch bei langen, tiefen Tönen der Querflöte feststellen.

Viruspartikel könnten mit der Querflöte am weitesten verbreitet werden. © Quelle: Eduardo Parra/Europa Press/dpa
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Beim professionellen Singen waren bei einem Abstand von rund 0,5 Metern keine Luftbewegungen mehr feststellbar. “Eine Virusausbreitung über die beim Singen erzeugte Luftströmung ist daher über diese Grenze hinaus äußerst unwahrscheinlich”, heißt es in der UniBwM-Studie.

Das raten die UniBwM und die Charité

Damit haben Instrumentalisten und Sänger grundsätzlich kein höheres Infektionsrisiko als Personen, die miteinander sprechen und sich in einem Raum aufhalten. Um den Konzertbetrieb wieder hochzufahren, empfehlen die Berliner Charité und die UniBwM:

  • mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Musikern (bei Blasinstrumenten und für Dirigenten in den Proben sind bis zu zwei Meter empfehlenswert)
  • für Blasinstrumente: sehr dünnes und dicht gewebtes Seiden- oder Papiertuch in einem Abstand von etwa 20 Zentimetern vor dem Schalltrichter (oder dem Anblasloch bei Flöten) befestigen
  • eine gute Belüftung der Räume
  • regelmäßiges Händewaschen
  • Einhaltung der Hygiene-Etikette (in die Armbeuge husten und sich dabei von anderen Personen abwenden)
  • außerhalb des Konzertsaals: Mund-Nasen-Schutz tragen
  • für Chorauftritte: Sänger versetzt in mehreren Reihen aufstellen

Kondenswasser mit Einwegtüchern aufwischen

Auch raten die Wissenschaftler davon ab, Kondenswasser, das sich in den Instrumenten bildet, auf den Boden zu entleeren – wie es bisher üblich ist. Bei erkrankten Spielern könnte dieses Vorgehen dazu führen, dass sich die Viren auf dem Boden und im Raum verteilen. “Flüssigkeiten sind in Einwegtüchern aufzufangen, die nach der Probe beziehungsweise nach dem Konzert zu entsorgen sind”, rät deshalb die Charité.

Die Berliner Universitätsklinik macht in ihrer Studie aber auch deutlich, dass es sich “bei den vorliegenden Empfehlungen um temporäre Maßnahmen in einer extremen Ausnahmesituation handelt”. Kunst und Kultur hätten für die Bevölkerung eine unverzichtbare Bedeutung, sodass “eine Wiederaufnahme des Kunst- und Kulturbetriebes parallel zur Wiedereröffnung von Industrie, Handel und Bildungseinrichtungen dringend angestrebt werden sollte”.


RND



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