Das bedeutet der EU-Beschluss für Impfungen in Deutschland

  • Die EU kündigt an, in Zukunft stärker auf mRNA-Vakzine wie die von Biontech/Pfizer und Moderna zu setzen.
  • Noch ist nicht sicher, ob auch die Verträge mit Astrazeneca und Johnson & Johnson verlängert werden.
  • Was bedeutet das für den weiteren Verlauf der Impfungen in Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
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Die Europäische Union will in Zukunft stärker auf mRNA-Impfstoffe wie die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna setzen. Dies bedeute aber nicht, dass Hersteller wie Astrazeneca und Johnson & Johnson bei künftigen Verträgen bereits aus dem Rennen seien oder deren Verträge nicht verlängert würden. Entsprechende Berichte seien falsch, sagte ein EU-Beamter.

Zuletzt hatte es immer wieder Sicherheitsbedenken und Impfstopps gegeben.

Was ist passiert?

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Die Nachrichtenagentur Reuters hatte mit Berufung auf die italienische Tageszeitung „La Stampa“ berichtet, die EU wolle in Zukunft keine Corona-Impfstoffe mehr von den Pharmakonzernen Astrazeneca und Johnson & Johnson beziehen. Die Lieferverträge würden nicht verlängert. Stattdessen wolle die EU-Behörde demnach auf die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna setzen, die die mRNA-Technologie nutzen. Astrazeneca wird in Deutschland nur noch für über 60-Jährige empfohlen. Dem Impfstoff von Johnson und Johnson wurde am 11. März eine Zulassung für die Europäische Arzneimittelagentur erteilt, er war bisher aber noch nicht in die EU ausgeliefert worden.

Laut dpa hat die EU den Bericht teilweise dementiert. Die EU-Kommission wolle bei den nächsten Bestellungen zwar tatsächlich vor allem mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech/Pfizer und Moderna bestellen. Es sei aber zu früh zu entscheiden, ob die Lieferverträge mit Astrazeneca und Johnson & Johnson trotzdem verlängert würden.

Weshalb will die EU stärker auf mRNA-Impfstoffe setzen?

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Die Europäische Union hat dazu bisher noch keine Begründung angegeben. Sowohl in Bezug auf den Impfstoff von Astrazeneca als auch in Bezug auf den Impfstoff von Johnson & Johnson hatte es aber zuletzt Sicherheitsbedenken gegeben. Sie stehen im Verdacht, vor allem bei jüngeren Frauen Hirnvenen-Thrombosen ausgelöst zu haben, die in einigen Fällen tödlich verlaufen sind. Astrazeneca wird deshalb in Deutschland nur noch für über 60-Jährige empfohlen.

Beide Impfstoffe basieren auf dem Prinzip eines Vektorimpfstoffs: Mithilfe eines eigentlich unschädlich gemachten Impfvirus werden DNA-Sequenzen von Sars-CoV-2 in menschliche Zellen eingeschleust. Der verwendete Vektorimpfstoff könnte möglicherweise in beiden Fällen die Nebenwirkungen auslösen, vermuten Experten.

Könnten die Impfungen mit Astrazeneca und Johnson & Johnson in der EU nun eingestellt werden?

Davon ist vorerst nicht die Rede. Die Verträge, die die EU mit beiden Herstellern abgeschlossen hat, gelten in jedem Fall noch für das gesamte Jahr 2021. Erst ab 2022 könnten die Impfstoffe vom europäischen Markt verschwinden, falls die Lieferverträge mit den Herstellern nicht verlängert werden.

Die Impfungen mit Astrazeneca bei über 60-Jährigen laufen derzeit in Deutschland weiter. Impfungen mit der Vakzine von Johnson & Johnson haben in der EU noch gar nicht begonnen. Die Verschiffung nach Europa sollte erst diese Woche beginnen. Am Dienstag hatten die US-Gesundheitsbehörden dann empfohlen, die Impfungen in den USA auszusetzen, weil mindestens sechs Fälle von Hirnvenen-Thrombosen und ein Todesfall nach der Impfung berichtet worden waren. Johnson & Johnson hatte daraufhin angekündigt, die Vakzine vorerst nicht nach Europa zu liefern.

Was würde ein Verzicht auf die Impfstoffe für den Verlauf der Impfungen in Deutschland bedeuten?

Ein Auslaufen der Verträge mit Astrazeneca und Johnson & Johnson würde sich erst im kommenden Jahr auf die Verfügbarkeit der Impfstoffe auswirken. Bis dahin wäre Zeit, als Ersatz einen Impfstoff anderer Hersteller zu beschaffen. Offen bleibt derzeit aber, ob und wann der Impfstoff von Johnson & Johnson angesichts der Sicherheitsbedenken in die EU ausgeliefert werden kann und ob er dort wirklich eingesetzt werden soll. Denkbar wäre auch, dass das Vakzin genau wie Astrazeneca in Deutschland nur für die Hauptrisikogruppe der über 60-Jährigen empfohlen wird, weil die Gefahr von Nebenwirkungen für Jüngere als zu hoch eingeschätzt wird.

Wie viel Impfstoff hat Deutschland bei Astrazeneca und Johnson & Johnson bestellt?

Das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht regelmäßig Lieferprognosen. Demnach wurden für das gesamte Jahr 2021 rund 56,3 Millionen Impfstoffdosen von Astrazeneca und 36,7 Mio. Impfdosen von Johnson & Johnson erwartet. Bis Ende Juni hatten eigentlich rund zehn Millionen Impfstoffdosen von Johnson & Johnson ausgeliefert werden sollen, für die nun der Lieferstopp verhängt wurde.

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Im Vergleich dazu werden 100,7 Mio. Impfdosen von Biontech/Pfizer und mindestens 78 Millionen Impfdosen von Moderna erwartet. Noch einmal etwa 50 Millionen Impfdosen könnten von Curevac* und Sanofi/GSK geliefert werden, wenn deren Impfstoffe in der EU zugelassen werden. Während bei den anderen Impfstoffen zwei Dosen pro Person benötigt werden, ist bei Johnson & Johnson allerdings nur eine Impfdosis vorgesehen. Es könnten also mit der gleichen Zahl Impfdosen doppelt so viele Personen geimpft werden.

Mit dpa

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