Studien: Hilft ein Tuberkulose-Impfstoff gegen Corona?

  • Weltweit wird nach einem Mittel gegen Covid-19 gesucht.
  • In Südafrika startet jetzt ein Test mit der Tuberkuloseimpfung BCG mit 500 Freiwilligen.
  • Auch andere Länder führen Untersuchungen durch, ob BCG gegen das neuartige Coronavirus wirkt.
David Sander
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Kapstadt/Hannover. Weltweit wird geforscht, um einen Wirkstoff gegen das Coronavirus zu finden. Dabei muss das “Impf-Rad” nicht zwangsläufig neu erfunden werden, in diversen Ländern laufen bereits Studien mit einem Tuberkulose-Impfstoff. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob eine Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, verringert oder den Krankheitsverlauf abschwächt.

Wie das “Ärzteblatt” berichtet, haben südafrikanische Wissenschaftler jetzt einen Versuch mit der Tuberkuloseimpfung Bacille Calmette-Guérin (BCG) mit 500 Probanden gestartet. 250 Menschen hätten eine BCG-Injektion erhalten, weitere 250 ein Placebo.

BCG wirkt gegen Atemwegsinfekte

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Andreas Diacon leitet die Studie im Tygerberg-Krankenhaus in Kapstadt. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte er, dass einige Beobachtungen darauf hin deuten würden, dass BCG Auswirkungen auf das Immunsystem hätte, unter anderem, dass es das Immunsystem gegen Atemwegsinfektionen stärke. Die Annahme scheint nicht ganz unbegründet. “In kontrollierten Studien hat man zeigen können, dass BCG in der Tat gegen virale Atemwegsinfekte schützen kann", sagte der Infektionsbiologe Stefan Kaufmann kürzlich der Deutschen Welle.

Langzeit-Studie: BCG gegen Coronavirus?

Ob BCG auch gegen das neuartige Coronavirus wirkt, versuchen die Wissenschaftler in Kapstadt nun herauszufinden. "Wenn wir die COVID-19-Symptome nur ein wenig mindern könnten, würde dies die Überlebenschancen von Menschen erhöhen. Oder sie müssten nicht einmal ins Krankenhaus oder würden gar nicht erst krank werden“, sagte Diacon der AFP. Weiter heißt es, dass die Studie auf bis zu 3000 Beschäftige im Gesundheitswesen ausgeweitet werden soll, in einem Zeitraum von mindestens einem Jahr.

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Studien auch in Deutschland

Ähnliche Studien laufen auch in den Niederlanden, Australien und Deutschland – obwohl in den meisten Ländern nicht mehr gegen Tuberkulose geimpft wird. In Deutschland wird die BCG-Impfung seit 1998 von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut nicht mehr empfohlen. Doch in der aktuellen Untersuchung wird ein vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie entwickelter Impfstoff namens “VPM 1002” getestet – dieser basiert lediglich auf dem BCG-Impfstoff. Laut der Deutschen Welle hätten Studien an Mäusen gezeigt, dass VPM 1002 das Immunsystem aktiviert und so Virusinfektionen wie Covid-19 deutlich abschwächen könnte.

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An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird der neue Tuberkulose-Impfstoff auf die Wirksamkeit in der aktuellen Pandemie-Situation getestet. 1000 Probanden aus dem medizinischen Bereich nehmen an der ersten bundesweiten Studie teil – eine weitere Studie mit 1800 älteren Menschen soll folgen. In einer Pressemitteilung der MHH heißt es: “Falls sich in den Studien zeigt, dass die Geimpften tatsächlich weniger häufig oder weniger schwer an Covid-19 erkranken, könnten in wenigen Monaten Risikogruppen wie Klinikpersonal und besonders gefährdete Menschen mit VPM 1002 geimpft werden.”

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WHO hält sich noch bedeckt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte im April 2020, dass es keine Hinweise darauf gäbe, dass der BCG-Impfstoff Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Die WHO wolle die Ergebnisse der klinischen Studien abwarten und dann bewerten, ob eine Empfehlung für eine BCG-Impfung, zur Vorbeugung von Covid-19, ausgesprochen wird.

In einem aktuellen Beitrag in der englischen Fachzeitschrift “The Lancet” gibt die WHO aber auch zu bedenken, dass der BCG-Impfstoff bereits recht knapp ist, so dass sichergestellt werden müsse, dass gefährdete Kinder in Gegenden mit hohem Tuberkulose-Risiko weiterhin an die wichtige Impfung gelangen.

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