Milder Winter in Deutschland: Die Pollen-Saison startet immer früher

  • Meteorologen wird die Sache langsam unheimlich: Kein Schnee im Winter, dafür Haselpollen im Januar.
  • In einigen Teilen Deutschlands hat die unliebsame Pollen-Saison bereits gestartet.
  • Da hilft vor allem, die Medikamente griffbereit zu haben, denn es bleibt mild.
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München. Es ist Januar, eigentlich sollte es knackig kalt sein und Schnee liegen. Stattdessen ist es in ganz Deutschland mild – zum Leidwesen von Allergikern. Die Blüten gehen früher als sonst los. In Bayern beispielsweise: “Die Blütezeit von Hasel und Erlen hat bereits begonnen”, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitag. Sie riet Betroffenen, ihre Medikamente bereitzuhalten. Bei akuten Beschwerden sollten Allergiker möglichst rasch Antihistaminika einnehmen. “Diese Medikamente wirken in der Regel schon nach zehn Minuten”, so Huml.

Bei Verdacht auf eine Allergie sollte man zudem zeitnah einen Arzt aufzusuchen. “Typische Symptome sind häufiges Niesen, eine laufende Nase, juckende Augen, Atemnot oder Husten”, sagte die gelernte Ärztin.

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Birkenblüte bereits ab März

Baumpollen wie Haselnuss, Erle oder Birke verursachen den Angaben zufolge in der Regel hauptsächlich von Februar bis April Beschwerden. Im Mai und Juni seien Gräserpollen in hoher Konzentration in der Luft vorhanden, im Hochsommer folgten dann Kräuterpollen.

Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin sagte, das läge auch an der „unheimlich starken Erlen-Pollen-Saison“ 2019. Die Bäume erholten sich dieses Jahr und blühten weniger, so Werchan. Wegen der häufigen Niederschläge würden Pollen zudem häufig aus der Luft gewaschen – die Belastung sinke. Bei Sturm hingegen verteilten sich die Pollen weiträumig, wodurch Belastungsspitzen aufträten.

Mit der Birkenblüte rechnet Werchan bei einer weiterhin milden Witterung bereits Mitte März. Normalerweise blühe der Laubbaum erst im April – und belaste viele Allergiker. Im Vorjahr begann die Birkenpollen-Saison Anfang April.

Meteorologe: “Langsam macht es mir Angst”

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Auch in Berlin hat die Leidenszeit für Allergiker erneut deutlich früher begonnen als üblich, sagte Meteorologe Thomas Dümmel an der Freien Universität. Die ersten Pollen gingen laut Dümmel bereits am 10. Januar in die Falle. Purpurerlen hatten sogar schon im Dezember mit der Blüte begonnen. Damit blieben Allergikern nur wenige Wochen Atempause, seit die letzten Ambrosia-Pollen Ende Oktober flogen. Dümmel rechnet damit, dass bald auch die Birke mehrere Wochen früher blüht als üblich.

Der frühe Start in die Pollensaison ist kein neues Phänomen. Auch der vergangene Winter war deutlich zu warm. „Langsam macht es mir Angst“, sagte Dümmel. Er rechne in diesem Winter nicht mal mehr mit einer hauchdünnen Schneedecke. „Wenn es in dem Rhythmus weitergeht mit der Erwärmung, wird es bedenklich.“ Nicht nur für Allergiker. „Dann brauchen wir im Sommer mehr Klimaanlagen.“

Es bleibt mild

In den kommenden Tagen sollen die hohen Temperaturen anhalten, erklärte Florian Engelmann, Meteorologe des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Leipzig. Am Samstag werden im Südosten Deutschlands Temperaturen zwischen 9 und 12 Grad erwartet. Am Sonntag könnten die Thermometer sogar Werte zwischen 15 und 17 Grad anzeigen, so Engelmann. Am Montag bliebe es warm bei 13 bis 15 Grad. Lediglich im Norden bleibt es stürmisch und verhältnismäßig kalt bei vier Grad. „Das klingt nicht nach Winter“, sagte der Meteorologe. Das Wetter gaukle der Natur Frühling vor –daher der zeitige Pollenflug.

RND/dpa

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