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#MenstruierendeMänner: Ein Mülleimer für Männertoiletten sorgt für Aufregung

  • Menstruierende Männer sollen ihre Hygieneprodukte auch auf öffentlichen Toiletten entsorgen können. Das fordert die SPD Sachsen.
  • Die Forderung sorgt für teilweise heftige Reaktionen.
  • Ist die Aufregung um Extramülleimer auf Männertoiletten gerechtfertigt?
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Das bisschen Blut, könnte man meinen, aber wenn es um Menstruation geht, ist die Erregung oft schnell groß. Und auch, wenn mittlerweile viel über blaues Fakeperiodenblut in der Werbung oder Luxussteuersätze für Tampon und Co. gestritten wird und viele Menschen heute wissen, was eine Menstruationstasse ist – die Periode bleibt ein Thema, bei dem sich viele Menschen offenbar schnell unwohl fühlen.

Das zeigen nun auch die Reaktionen auf einen Antrag, den die SPD-Fraktion in Sachsen am Sonntag annahm. Darin heißt es: „Menstruierende Männer und menstruierende nicht-binäre Personen sind auf öffentlichen Männertoiletten bei der Entsor­gung von Hygieneprodukten eingeschränkt, da anders als bei Frauentoiletten keine Entsorgungsmöglichkeit für diese innerhalb der Toilettenkabinen vorhanden ist. Deshalb fordern wir, dass auf allen öffentlichen Toiletten die Toilettenkabinen mit Mülleimern für Hygieneprodukte ausgestattet sind.“

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„Menstruierende Männer? So was gibt es doch gar nicht“

Der Antrag, den die junge SPD bereits Ende November 2020 auf dem Juso-Bundeskongress bestätigt hatte, sorgte für Aufruhr in den sozialen Medien. Unter #menstruierendemänner machen viele Twitter-Nutzerinnen und -nutzer mit Hohn und Spott ihrem Unverständnis Luft. „Menstruierende Männer? So was gibt es doch gar nicht!“ ist der Tenor.

Menschen aus der Queer-Community werden derweil nicht müde zu erklären, dass es eben schon männlich gelesene Menschen gibt, die ihre Periode bekommen. Denn nicht alle Transmänner lassen sich auch operieren, geschweige denn mit Hormonen behandeln, die die Menstruation unterdrücken.

Und selbst dann kann es passieren, dass die Periode zurückkommt, wie etwa Transmann Linus Giese kürzlich im „Freitag“ schrieb. Auch nicht binäre oder intergeschlechtliche Personen, die äußerlich als männlich erkannt werden, menstruieren unter Umständen. Auf eine Damentoilette zu gehen käme allerdings einem öffentlichen Outing gleich, schreiben einige.

Kampf um Anerkennung queerer Lebensrealitäten

Die Debatte um die Anerkennung queerer Lebensrealitäten wird bereits seit einigen Jahren geführt. Menstruations­aktvistinnen und -aktivisten setzen sich in sozialen Netzwerken für mehr Diversität ein. Einer der bekanntesten ist Cass Bliss.

Bliss ist 25 Jahre alt und maskulin nicht binär, er möchte keine Hormone nehmen und menstruiert deshalb weiterhin – wie die „Vogue“ im vergangenen Jahr schrieb. Der Spitzname „The Period Prince“ ist entstanden, nachdem Bliss das Perioden­malbuch „The Adventures of Toni the Tampon“ veröffentlicht und die Kampagne #BleedingWhileTrans eingeleitet hatte.

„Ich bin eine nicht binäre Transmenstruatorin – jemand mit einer monatlich blutenden Gebärmutter –, die sich aber außerhalb der festgelegten Kategorien von Mann und Frau identifiziert“, schreibt Bliss in der „Huffington Post“. „Aus diesem Grund muss ich die Herausforderungen bewältigen, jeden Monat meine Periode zu bekommen, in einer Welt, die sich weigert anzuerkennen, dass nicht jede Frau, die ihre Periode bekommt, eine Frau ist und nicht jede Frau ihre Periode bekommt.“

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„Tampons kaufen, ohne verurteilt zu werden“

Bliss schreibt, wie schwierig es sei, sich als männlich gelesene Person mit pinken Menstruationsartikeln auseinander­zu­setzen, in Männertoiletten nicht zu laut mit den Hygieneprodukten zu rascheln und die geschwollene Brust während der Periode abzubinden.

Immer bleibe die Angst, plötzlich geoutet oder auch nicht so wahrgenommen zu werden, wie man sich identifiziert: „Was macht eine nicht binäre Transperson, wenn einmal im Monat unsere Periode einsetzt und uns sofort daran erinnert, dass wir, egal, wie sehr wir uns bemühen, uns immer noch als Frauen sehen, nur weil wir unsere Periode bekommen?“, schreibt Bliss.

Einige Menschen hätten ihm auch dazu geraten, die Gebärmutter entfernen zu lassen. „Als ob es so einfach wäre, in eine Arztpraxis zu gehen und den Eingriff einfach von einer Speisekarte zu bestellen“, schreibt Bliss. „Anscheinend ist es einfacher, eine ganze Community zu bitten, sich einer größeren Operation zu unterziehen, als für andere, einfach die Perioden nicht mehr zu gendern und uns in Ruhe menstruieren zu lassen.“

Auch die Einnahme von Testosteron sei nicht so einfach, weil es viele Nebenwirkungen gäbe, und dazu sei es nicht garantiert, dass der Menstruationszyklus vollständig gestoppt werde. Auch sei Testosteron nicht für alle gleichermaßen verfügbar.

Bliss plädiert für mehr Akzeptanz statt Hormonen und Operationen: „Alles, was ich will, ist, in ein Geschäft zu gehen und Tampons zu kaufen, ohne verurteilt zu werden, meine Binden zu wechseln, ohne mich um meine eigene Sicherheit auf der Toilette zu sorgen, und in ein Gespräch einbezogen zu werden, das den Körper, in dem ich geboren bin, miteinschließt – egal, ob ich eine Frau bin oder nicht.“

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