• Startseite
  • Gesundheit
  • Menstruation und Corona: Beeinflusst die Covid-Impfung den weiblichen Zyklus?

Kann die Corona-Impfung den weiblichen Zyklus beeinflussen?

  • Seit Monaten berichten Frauen, vor allem im Internet, über Veränderungen ihres Zyklus nach einer Corona-Impfung.
  • Faktoren gibt es viele, die die Menstruation beeinflussen können.
  • Bezüglich des Einflusses des Covid-Vakzins auf den Zyklus ist die Datenlage bisher schwach.
Anzeige
Anzeige

Langen/Brüssel/Berlin. In den sozialen Netzwerken häufen sich die Berichte und auch im eigenen Umfeld hören viele Menschen davon: Immer mehr Frauen berichten über stärkere, schwächere oder eine unregelmäßige Menstruation sowie Zwischenblutungen nach der Covid-Impfung. Gibt es einen ursächlichen Zusammenhang?

Behauptung: Die Corona-Impfung beeinflusst den weiblichen Zyklus.

Bewertung: Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Zyklusstörung ist nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt. Das liegt daran, dass es keine Studie gibt, die den Einfluss einer Impfung auf den Zyklus abgefragt hätte. Expertinnen und Experten verweisen aber auch auf die generellen Störanfälligkeit des Zyklus.

Anzeige

Covid-Impfung und Zyklus – die Fakten

Anzeige

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig, die Behörde sammelt Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen. Bis Ende Juni wurden dem Institut 310 Einzelfallmeldungen mit 368 „unerwünschten Ereignissen“ von Zyklusstörungen berichtet, wie aus einem Sicherheitsbericht der Behörde hervorgeht. 34 davon – also knapp zehn Prozent – wurden als schwerwiegend bezeichnet.

Die Frauen berichteten von einem „breiten Spektrum zum Teil auch wenig spezifischer Beschwerden“, heißt es in dem Bericht. Dazu gehören Zwischenblutungen, eine verstärkte oder ausbleibende Menstruation und andere Zyklus-Unregelmäßigkeiten.

Anzeige
Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

„Kein kausaler Zusammenhang zwischen Impfstoffen und Zylusstörungen“

Das PEI bewertet das so: „Unter Berücksichtigung der Anzahl geimpfter Frauen in den relevanten Altersgruppen und der Häufigkeit von Zyklusstörungen erscheint die Zahl der Meldungen nicht ungewöhnlich hoch zu sein.“ Allerdings sei davon auszugehen, dass viele – insbesondere vorübergehende – Zyklusstörungen nicht berichtet würden.

Auch der für die Bewertung von Risiken zuständige Ausschuss bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sieht nach bisherigem Kenntnisstand „keinen kausalen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfstoffen und Zyklusstörungen“, heißt es in einem Bericht des Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC). Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation seien sehr verbreitet. „Die Gründe können von Stress über Müdigkeit bis zu medizinischen Ursachen reichen, etwa Fibrose oder Endometriose.“

Eisprung und Zyklus seien sehr störanfällig

„Dass Frauen nach irgendeiner Impfung eine dauerhafte Veränderung ihres Menstruationszyklus erleben würden, also über mehrere Monate deutlich verstärkte, verlängerte Blutungen und kontinuierlich verlängerte oder verkürzte Zykluslängen, ein solches Phänomen ist unbekannt“, sagt auch Christian Albring (Hannover), Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Tatsächlich gebe es keine Studie, die den Einfluss einer Impfung auf den Zyklus abgefragt hätte, sagt Albring. „Es ist sinnvoll, ab einem bestimmten Entwicklungsstadium von Impfstoffen auch weibliche Probanden mit einzubeziehen und eine solche Abfrage künftig mit aufzunehmen.“ Einfach sei das nicht, weil etwa auch berücksichtigt werden müsse, in welcher Zyklus-Phase eine Frau zum Zeitpunkt der Impfung gerade sei.

„Aktuell handelt es sich zunächst einmal um viele Einzelmeldungen, die noch dazu teilweise entgegengesetzt sind“, sagt der Gynäkologe. Der Eisprung und der Zyklus seien sehr störanfällig.

„Diäten, Stress, Reisen, Infektionskrankheiten, Aufregung, starke körperliche Anstrengung oder ein sportlicher Wettkampf, das alles kann den Eisprung und damit den Zeitpunkt der Menstruation beeinflussen.“

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen