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Mehr Schlaf im Lockdown tat Schülern gut: Argument für späteren Schulbeginn?

Jugendlicher schläft im Unterricht.

Die längere Schlafenszeit während der Lockdowns kam der Gesundheit von Schülern und Schülerinnen zu Gute. Das haben Forschende der Universität Zürich in einer Studie herausgefunden. Es gebe bereits viele Belege für die negativen Auswirkungen, die Schulschließungen während der Pandemie auf Kinder und Jugendliche hatten, schreiben die Autoren und Autorinnen im Vorwort ihrer Studie. Bekannt sei, dass psychische Probleme zugenommen hätten, die Jugendlichen weniger aktiv waren, mehr Zeit vor den Bildschirmen verbrachten und unzufriedener mit ihrem Leben waren. Während aber die nachteiligen Folgen unbestritten seien, habe es auch eine begrüßenswerte Auswirkung der Lockdowns, gegeben: nämlich, dass Schüler und Schülerinnen mehr schliefen. Da Schlaf wichtig für die psychische und körperliche Gesundheit ist, wollten die Forschenden untersuchen, wie genau sich diese längere Schlafdauer ausgewirkt hatte.

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Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hatten mehr als 3600 Jugendliche an weiterführenden Schulen in Zürich zu ihren Gewohnheiten und ihrem Befinden während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 befragt. Sie verglichen die Antworten mit denen einer Kontrollgruppe: Diese war zu ihren Gewohnheiten vor dem Lockdown befragt worden. Alle befragten Jugendlichen waren zwischen 15 und 17 Jahren alt.

Pro Nacht 75 Minuten mehr Schlaf

In der Lockdowngruppe gaben die Befragten deutlich längere Schlafzeiten an. Sie wachten durchschnittlich 90 Minuten später auf und gingen 15 Minuten später ins Bett, woraus sich eine 75 Minuten längere Schlafdauer ergab. Obwohl die Jugendlichen aus der Lockdowngruppe dabei etwas öfter von Schlafstörungen berichteten als die in der Kontrollgruppe, schlief die Mehrheit von ihnen gut. Sie hatten insgesamt einen regelmäßigeren Schlafrhythmus, benötigten seltener einen Wecker um aufzuwachen und tranken tagsüber weniger Kaffee.

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Die längere Schlafdauer ging dabei mit einem besseren Wohlbefinden einher. Die befragten Schülerinnen und Schüler gaben öfter an, sich „gut und fit“ oder „voller Energie“ zu fühlen als die mit kürzerer Schlafdauer aus der Kontrollgruppe. Wie sich in der Studie auch zeigte, standen den positiven Auswirkungen des Ausgeschlafenseins die bekannten schädlichen Auswirkung des Lockdowns gegenüber. So verbrachten die Jugendlichen deutlich mehr Zeit (dreieinhalb Stunden statt zwei Stunden täglich) mit digitalen Medien. Und es wurde öfter eine depressive Symptomatik beobachtet: Viele der Befragten an, sich während des Lockdowns einsam und traurig gefühlt zu haben.

In ihrer Auswertung stellten die Autorinnen und Autoren der Studie fest, dass der positive Effekt von mehr Schlaf durch die Traurigkeit und Einsamkeitsgefühle abgeschwächt wurde. Bei Schulschließungen müsse berücksichtigt werden, dass eine depressive Symptomatik zum Teil von den positiven Auswirkungen von mehr Schlaf überdeckt werde, so ihre Schlussfolgerung. Außerdem sei die Studie ein weiteres Argument dafür, in Ländern mit frühem Schulbeginn diesen nach hinten zu verschieben.

Bessere Noten bei späterem Schulbeginn

Schlafforschende weisen seit Jahren immer wieder darauf hin, dass ein späterer Schulbeginn die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schülern und Schülerinnen verbessern könnte. So schlägt etwa die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) einen Schulbeginn um neun Uhr vor. Der Grund: In der Pubertät verändert sich bei vielen Jugendlichen das Schlafbedürfnis. Die innere Uhr ist bei ihnen eher darauf ausgerichtet, später ins Bett zu gehen und länger zu schlafen. Eher einzuschlafen fällt ihnen schwer. Der frühe Schulbeginn führt daher oft automatisch zum Schlafmangel, der wiederum die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

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Das Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) hat den Einfluss von zu wenig Schlaf bei Kindern und Jugendlichen auf die Konzentrationsfähigkeit untersucht. Ab der achten Klasse schliefen demnach 30 Prozent der Schüler und Schülerinnen nicht die für diese Altersgruppe empfohlenen acht Stunden. Von denjenigen Jugendlichen, die weniger als acht Stunden pro Nacht schliefen, gaben außerdem rund 38 Prozent an, an mehr als zwei Tagen pro Woche Konzentrationsprobleme zu haben.

Umgekehrt haben Modellprojekte gezeigt, dass ein späterer Schulbeginn zu längeren Schlafzeiten und besseren Leistungen führen kann. So hatten weiterführende Schulen in Seattle den Unterricht im Schuljahr 2016/2017 um fast eine Stunde nach hinten verschoben. Forschende stellten daraufhin in einer Untersuchung fest, dass die betroffenen Schüler und Schülerinnen durchschnittlich 34 Minuten länger schliefen, sie dadurch aufmerksamer waren und sich ihre Noten im Schnitt um 4,5 Prozent verbesserten.

Hälfte der Schüler für frühen Unterrichtsbeginn

Eine Art Gleitzeitmodell führte 2016 ein Gymnasium in Alsdorf bei Aachen für Schüler und Schülerinnen der Oberstufe ein. Dabei sollten diese selbst entscheiden, ob sie zur ersten Unterrichtsstunde erscheinen oder sich den Stoff selbstständig erarbeiten wollten. Forschende der LMU hatten daraufhin mit einer Studie ausgewertet, wie sich das auf die Schlafzeiten auswirkte. An den Tagen, an denen sie auf die erste Stunde verzichteten, nutzen die Schüler und Schülerinnen die Zeit demnach tatsächlich, um eine Stunde länger zu schlafen. Sie berichteten von einem erholsameren Schlaf und fühlten sich leistungsfähiger. Das flexible Modell könne eine Alternative zu einem insgesamt späteren Schulbeginn sein und die Akzeptanz für einen späteren Schulbeginn fördern, schreiben die Autoren und Autorinnen der Studie. Falls die Option zum Ausschlafen regelmäßig genutzt würde, könne es außerdem Schlafdefiziten vorbeugen.

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Aber wie sieht es eigentlich mit dem Wunsch nach einem späteren Schulbeginn bei den Schülern und Schülerinnen selber aus? Auch hierzu liegt eine Erhebung vom Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt UAS vor, es wurden im Schuljahr 2018/19 rund 7700 Schüler und Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe an weiterführenden Regelschulen befragt. Demnach wollte mit 52 Prozent etwa die Hälfte der Schüler den frühen Schulbeginn beibehalten, wenn sich die Schulzeit sonst nach hinten verlängern würde. 37 Prozent würden auch in diesem Fall lieber um 9 Uhr anfangen und 5 Prozent sogar lieber um 10 Uhr. Das habe nicht mit den Schlafpräferenzen der Schüler übereingestimmt, denn die Mehrheit der Jugendlichen (59 Prozent) bezeichnete sich selbst eher als Spätaufsteher, so der Studienleiter. Es zeige vielmehr, dass die Schülerinnen und Schüler der Freizeit am Nachmittag offenbar einen sehr hohen Stellenwert zuschreiben.

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