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Faktencheck: Gibt es mehr Corona-Tote in Pflegeberufen?

  • Das RKI erfasst täglich, wie viele Pfleger am Coronavirus erkranken und versterben.
  • Unklar ist, wie viele von ihnen sich bei ihrer Arbeit angesteckt haben und wie viele im privaten Umfeld.
  • Befürchtet wird, dass Infektionen in die Heime hineingetragen werden könnten.
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Dem Robert-Koch-Institut wurden bisher 55 Todesfälle von Pflegern in Alten- und Pflegeheimen gemeldet, das teilte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in einer Pressekonferenz mit. Sind die Pflegekräfte etwa aufgrund ihrer Arbeit gestorben? In Heimen kommt es zwar häufig zu Ausbrüchen, aber es wird auch in besonderer Weise auf den Infektionsschutz geachtet. Dass sich Pflegekräfte überdurchschnittlich oft mit dem Coronavirus anstecken oder daran sterben, geben die Daten des RKI tatsächlich nicht her.

Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht in seinem täglichen Lagebericht zur Corona-Krise, wie viele Covid-19-Infektionen und Todesfälle bei Bewohnern von Einrichtungen und Patienten in Krankenhäusern gemeldet werden – und wie viele bei denen, die dort arbeiten. Demnach wurden bisher 29.517 Infektionen und 29 Todesfälle in Zusammenhang mit Corona bei medizinischem Personal beobachtet. 20.644 Infektionen und 56 Todesfälle (Stand 02.12.) wurden bei Menschen erfasst, die in Pflegeeinrichtungen, aber auch zum Beispiel in Obdachlosenunterkünften oder sonstigen Massenunterkünften tätig waren.

Unklar, wo die Ansteckung erfolgt ist

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Es sei aber unklar, wie viele der Erkrankten oder Verstorbenen sich bei ihrer Arbeit infiziert haben, sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts. Erfasst worden seien lediglich die Berufe der Infizierten. Ein bestimmter Anteil von ihnen hätte eben in Alten- und Pflegeheimen gearbeitet. „Das bedeutet nicht, dass sie sich auch dort angesteckt haben. Sie könnten sich genauso gut im privaten Umfeld infiziert haben.“ Wo genau eine Ansteckung erfolgt sei, könne eben oftmals nicht nachvollzogen werden.

Das RKI listet Angehörige der Pflegeberufe zwar als gefährdete Berufsgruppe auf. Um jedoch genau zu bestimmen, wie oft sich Ärzte und Pfleger im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung anstecken, müsste die Zahl aller Corona-Infizierten erfasst und ihre Berufe abgefragt werden. Das ist aber schlichtweg nicht möglich.

Bewohner müssen besser geschützt werden

Warum aber führt das RKI die Zahl der Erkrankten in Pflegeberufen überhaupt auf, wenn dies nichts über die Ansteckungswahrscheinlichkeit aussagt? „Die Zahlen werden von den Gesundheitsämtern deshalb erhoben, weil man erfahren möchte, wie häufig Infektionen in die Einrichtungen hineingetragen werden“, erklärt Glasmacher.

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Die Zahlen werden also nicht deshalb erfasst, um die Gefährdung der Pfleger zu beurteilen, sondern die der Heimbewohner. Das verrät auch die Überschrift der Folie, die Wieler in der Pressekonferenz präsentiert hatte. „Hohe Infektionszahlen bei Pflegenden – Hohes Sterberisiko bei Patient*innen“ hatte dort gestanden. Wieler hatte im Pressebriefing deutlich gemacht, dass Bewohner von Alten- und Pflegeheimen momentan nicht ausreichend geschützt werden.

Mehr Ressourcen zur Verfügung stellen

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Die aktuell hohe Zahl von Ausbrüchen in Heimen lege nahe, dass die Präventionsmaßnahmen dort „nicht ausreichen“, hatte Wieler gesagt. Den Pflegekräften hatte er keinen Vorwurf gemacht. Er hatte vielmehr gefordert, die Träger der Einrichtungen müssten genug Ressourcen zur Verfügung stellen, damit Maßnahmen zum Schutz der Bewohner auch eingehalten werden könnten. Wieler hatte auch darauf verwiesen, dass das Robert-Koch-Institut bereits Empfehlungen für solche Maßnahmen herausgibt.

Klar ist: Angehörige in medizinischen Berufen und Pflegeberufen müssen die Möglichkeit haben, sich bei ihrer Arbeit in besonderer Weise zu schützen. Sie müssen aber auch in ihrer Freizeit darauf achten. Denn selbst dann, wenn sie selbst nicht zur Risikogruppe für schwere Verläufe gehören, können sie eine große Gefahr für andere sein.

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