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Medizinischer Fortschritt im Südwesten: Zahl der HIV-Neuinfektionen rückläufig

  • Aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen: Der medizinische Fortschritt hat die Versorgung von HIV-Infizierten enorm verbessert.
  • Die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit HIV oder Aids hingegen bleibt nach Beobachtung der Aids-Hilfe ausbaufähig.
  • Nach Angaben der Aids-Hilfe kommt es gerade im Gesundheitswesen, wo Unterstützung erwartet wird, oft zu Diskriminierungen.
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Stuttgart. Die Versorgung von HIV-infizierten Menschen ist im Südwesten überdurchschnittlich gut. „Bei Erkennung des Virus', Therapie und Therapieerfolg schneidet Baden-Württemberg im Vergleich der Länder besonders gut ab“, sagt die Epidemiologin Viviane Bremer vom Robert-Koch-Institut (RKI). 91 Prozent (im Bund: 88) aller HIV-Infektionen werden laut RKI diagnostiziert, davon 93 Prozent therapiert, davon wiederum 95 Prozent mit Erfolg. Gesundheitsministerium und Aids-Hilfe rufen zugleich zu Akzeptanz der Infizierten auf.

Neuinfektionen durch homosexuelle Kontakte sind rückläufig

Eine weitere gute Nachricht des RKI: Die Neuinfektionen durch homosexuelle Kontakte sind seit 2013 rückläufig. Mit einer speziellen Therapie lasse sich das Virus im Blut innerhalb von drei bis vier Monaten stark reduzieren. So stelle auch ungeschützter Verkehr für HIV-Positive und deren Partner keine Gefahr mehr dar, sagt Bremer. Die Zahl aller neu mit HIV diagnostizierten Menschen geht seit 2017 zurück und lag 2018 bei 230.

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Noch immer werden Menschen mit HIV diskriminiert

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) betonte: „Menschen mit HIV müssen bei uns im Land frei von Diskriminierung leben können.“ Doch würden noch immer HIV-Positive stigmatisiert. Sie ließen sich aus Angst nicht testen, deshalb blieben Infektionen oft unentdeckt. Menschen mit HIV, die sich im Alltag benachteiligt fühlen, könnten sich jederzeit an die Antidiskriminierungsstelle des Landes wenden.

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Nach Angaben der Aids-Hilfe kommt es gerade im Gesundheitswesen, wo Unterstützung erwartet wird, besonders häufig zu Diskriminierungen. „Zusätzlich kommt es oft zu einer moralischen Bewertung und Verurteilung des vermuteten Lebensstils von Menschen mit HIV, was dazu beiträgt, dass HIV weiterhin als Tabu-Thema in der Gesellschaft angesehen wird“, erklärt Maike Biewen, Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Baden-Württemberg.

Aktuelle Zahlen und Fakten zu HIV und Aids

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Mehr als 10.700 Menschen, die sich HIV oder Aids bereits vor längerer Zeit zugezogen haben, leben derzeit im Südwesten. Das sind 750 mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Frauen liegt bei 26 Prozent, sie haben sich größtenteils durch Kontakte mit HIV-positiven Männern infiziert. 5.600 Männer haben sich beim Sex mit Männern angesteckt, 1.700 Menschen bei heterosexuellen Kontakten. Auf verunreinigte Nadeln und Spritzen sind 1.400 Fälle zurückzuführen. Dabei ist der Zuwachs über alle Betroffenengruppen hinweg laut Bremer größtenteils wahrscheinlich auf Zuwanderung zurückzuführen. Im Jahr 2018 starben 45 Menschen mit HIV.

RND/dpa