Die Diskussion über das Ende der Maskenpflicht kommt zu früh

  • Geht es nach vielen Politkerinnen und Politikern, soll die Maskenpflicht in Deutschland schon in den kommenden Monaten wegfallen.
  • Doch angesichts der vielen noch offenen Fragen zur Delta-Variante wäre eine Entscheidung gegen die Maskenpflicht aktuell zu voreilig und riskant, kommentiert Ben Kendal.
  • In der Diskussion über das Ende der Maskenpflicht wird zudem außer Acht gelassen, dass der Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes die Kosten überwiegt.
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Die Inzidenzen sind gesunken, Deutschland verzeichnet so wenige Corona-Neuinfektionen wie seit Monaten nicht mehr – da steht auf einmal auch wieder die Maskenpflicht in der Diskussion. Andere Länder haben es bereits vorgemacht: In England endet diese Corona-Maßnahme trotz eines großen Anstiegs der täglichen Infektionsfälle pro Tag schon bald, in den USA wurde sie zumindest für Geimpfte weitestgehend aufgehoben und in Ungarn ist sie bereits fast gänzlich weggefallen.

Auch in Deutschland zeichnet sich das Ende der Maske ab. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) rechnet mit einer Aufhebung aller Corona-Maßnahmen im Laufe des August, sobald allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zur Verfügung steht. Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte zuvor, dass er eine schrittweise Aufhebung dieser Corona-Maßnahme für denkbar hält. Die Aufhebung der Maskenpflicht scheint also eher früher als später zu kommen – Delta hin oder her.

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Die Maskenpflicht ist eine zumutbare und effektive Maßnahme

Dabei zeigen Daten aus Großbritannien, wie schnell sich die zuerst in Indien entdeckte Variante ausbreitet. Anscheinend kann Delta auch bei vollständig Geimpften schwere bis tödliche Covid-19-Krankheitsverläufe verursachen. Zudem kann nicht einmal die Wissenschaft zurzeit verlässlich sagen, wie sich die Infektionslage in Deutschland bis August und September, geschweige denn den darauffolgenden Monaten, entwickeln wird. Eine voreilige Entscheidung gegen die Maskenpflicht wäre allein deshalb zu riskant. Vor allem aber ist die Maskenpflicht zumutbar.

Vor lauter Aufregung um das kleine Stück Stoff wird häufig auch außer Acht gelassen, dass der Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes die Kosten überwiegt. Die Maskenpflicht ist eine zumutbare und effektive Einschränkung, die andere Menschen schützt. Mehrere Studien zeigen, dass das Infektionsrisiko über Tröpfchen und Aerosole durch Masken deutlich reduziert werden kann. Während also die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Alpha, Beta, Delta und Co. noch nicht endgültig geklärt ist, schützen Masken vor allen Virusvarianten. Und alles, was wir dafür tun müssten, ist in bestimmten Bereichen mit der kurzfristigen und kleinen Unbequemlichkeit leben, diese Maske eben zu tragen.

Maskenpflicht in geschlossenen Innenräume weiterhin beibehalten

Natürlich lassen die aktuell niedrigen Inzidenzzahlen in Deutschland Diskussionen über Lockerungen einiger Corona-Maßnahmen zu. Unter Expertinnen und Experten herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Maskenpflicht im Freien durchaus aufgehoben werden kann. Doch im öffentlichen Nahverkehr, in Wartezimmern von Arztpraxen und auch Pflegeheimen könnte eine Maskenpflicht die Übertragung des Coronavirus weiterhin eindämmen und somit vor allem Risikogruppen schützen. Ein Vorteil, den wir nicht einfach so aufgeben sollten.

Vielleicht würde es in der Diskussion um die Maskenpflicht auch helfen, auf einen Großteil der Bürgerinnen und Bürger hierzulande zu hören. Denn viele Menschen sehen keine dringende Notwendigkeit für ein Ende der Maskenpflicht. Beispielsweise sprachen sich in der regelmäßigen „Cosmo“-Studie jüngst 60 Prozent der Befragten für die Maskenpflicht in geschlossenen Innenräumen und im öffentlichen Nahverkehr bis mindestens Frühjahr 2022 aus.

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