Maskenpflicht im Kreißsaal – ist das zumutbar?

  • In vielen Krankenhäusern müssen Mütter bei der Geburt einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
  • Die Kliniken halten das für zumutbar, weil die Maßnahme die werdende Mutter, das Neugeborene und die Mitarbeiter schützt.
  • Eine Kinderärztin findet das Tragen einer Maske bei Presswehen aber “unvorstellbar”.
Heidi Becker
|
Anzeige
Anzeige

In den Krankenhäusern in Deutschland gibt es seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie viele neue Regeln – etwa was Besuche auf den Stationen oder das Tragen von Masken angeht. In einigen Kliniken müssen Frauen zudem bei der Geburt eine Maske tragen.

In der Medizinischen Hochschule Hannover etwa ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für werdende Mütter bei der Geburt seit dem Frühjahr Pflicht. “Durch die verstärkte Atmung stoßen die Frauen mehr Aerosole aus”, erklärt Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauen und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” (HAZ). “Wenn wir hier einen Superspreader haben, können wir den ganzen Kreißsaal schließen”, sagt Hillemanns.

Auch in der Uniklinik Düsseldorf (UKD) sollen Frauen bei der Geburt eine Maske tragen, solange diese nicht “massiv beeinträchtigt”. Auf der Website des UKD heißt es, dass so das Wohlbefinden von Mutter, Neugeborenem und der Mitarbeiter gewährleistet werden soll.

Dass eine Geburt mit Maske nicht einfach ist, ist den Kliniken allerdings bewusst. In der MHH werden den Frauen dünnere Masken gegeben, um die Maskenpflicht im Kreißsaal angenehmer zu gestalten.

Anzeige

Kritik von Kinderärztin

Die Kinderärztin Margarete Daibler-Helmbold hält es für “unvorstellbar”, bei Presswehen eine Maske tragen zu müssen. Auch in vielen Momenten der Geburt allein sein zu müssen, kritisiert sie scharf. “Eine Geburt ist ein elementares Ereignis. Als Frau zu gebären, Vater zu werden – das ist ein gemeinschaftliches Erlebnis”, sagt Daibler-Helmbold der “HAZ”. Die Kinderärztin findet, dass es an der Zeit sei, dass Kliniken ihre Vorgaben prüfen – wenn selbst Fußballspiele und Partys wieder stattfinden könnten.

Anzeige

Ob Mütter in den jeweiligen Krankenhäusern bei der Geburt ihrer Kinder Masken tragen müssen, lässt sich in vielen Fällen bereits auf der Website in Erfahrung bringen. Einige Krankenhäuser wie etwa das Vinzenzkrankenhaus in Hannover lassen die werdenden Mütter selbst entscheiden, ob die bei der Geburt eine Maske tragen möchten oder nicht. Schwangere Frauen sollten sich vorab aber unbedingt informieren und sich gegebenenfalls darauf vorbereiten, bei der Geburt ihres Kindes eine Maske tragen zu müssen.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter “Der Tag”

Was bringt die Maskenpflicht im Kreißsaal?

Nach derzeitigem Kenntnisstand des Robert Koch-Institut (RKI) erfolgt die Übertragung von Covid-19 vor allem über respiratorische Sekrete – in erster Linie Tröpfchen und Aerosole – die beim Husten, Niesen oder lautem Sprechen freigesetzt werden. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kann das Ansteckungsrisiko reduzieren.

Beim hier empfohlenen medizinischen Mund-Nasen-Schutz steht der Fremdschutz im Vordergrund. Wer so einen Schutz trägt, schützt das Gegenüber vor Tröpfchen, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Masken schützen zwar die Mund- und Nasenpartie des Trägers vor dem direkten Auftreffen größerer Tröpfchen, filtern aber nicht die eingeatmete Luft, weil diese in der Regel von den Seiten her eingesogen wird.

Anzeige

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik sollte der Mundschutz jedoch „spätestens bei einer kompletten Durchfeuchtung“ gewechselt werden. Dann bestehe eine erhöhte Gefahr der Infektionsübertragung zwischen tragender Person und der Umgebung.

RND/hb/mf

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen