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Neues „Mailab“-Video macht auf Pflegenotstand aufmerksam

  • Die Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim nimmt sich in ihrem neuesten Video der Pflege an.
  • Obwohl die Branche auch in Zukunft immer wichtiger wird, sei die Lage prekär.
  • Die Wissenschaftsjournalistin ruft die Politik, aber auch die Pflegekräfte zum Handeln auf.
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Unsere Gesellschaft wird immer älter. Der Bedarf nach Pflegeeinrichtungen und Pflegepersonal wächst zusehends. Umso gravierender, dass sich die Branche mit Problemen rumplagt, die sie für Pflegekräfte und Berufsanfänger und Berufsanfängerinnen immer unattraktiver macht.

In ihrem neuesten Video hat sich jetzt auch die bekannte Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim dem Thema angenommen: Darin wird kritisiert, dass die Pflege und deren Missstände immer mal wieder medial präsent sind, aber dann oft auch wieder vergessen werden. An den prekären Arbeitsverhältnissen ändere sich nichts. „Dabei gibt es nur wenige Themen, die so wichtig sind und die so viele Menschen von uns direkt betreffen“, sagt Nguyen-Kim. Damit sich was ändere, müssten auch die Pflegekräfte selbst aktiv werden.

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Emotional erpressbar

„Sobald ich kann, bin ich aus diesem Beruf weg“, sagt der Intensivpfleger Ricardo Lange. Mit ihm hat sich Nguyen-Kim ausführlich für ihr Video unterhalten. In der Vergangenheit versuchte Lange immer wieder, auf die Missstände in der Pflege aufmerksam zu machen. Denn jeder Einzelne könne oder würde irgendwann auf Pflege angewiesen sein.

Die Pflege sei systemrelevant, werde aber unterdurchschnittlich bezahlt, sagt Nguyen-Kim. Und sei ist nicht das einzige Problem. Das Pflegepersonal muss sich oft um mehr Menschen kümmern, als es ihnen eigentlich möglich ist. Sodass einige der Pflegebedürftigen auch mal zu kurz kämen. Oft leide auch das Privatleben extrem, berichtet Pfleger Lange. Die Menschen, die sich für einen Beruf in der Pflege entschieden, seien emotional erpressbar, weil sie einfach anderen helfen wollten.

Spahn verspricht Reformen, trotzdem hagelt es Kritik

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Pflege wieder attraktiver machen. Dafür hat er Reformen angekündigt. So sollen die Bedingungen für die dringend gesuchten Pflegekräfte verbessert werden. Es sei „eines der wichtigsten Anliegen dieser Bundesregierung“, sagte der CDU-Politiker Anfang Juni der „Augsburger Allgemeinen“. Unter anderem sollen künftig alle Pflegekräfte nach Tarif bezahlt werden, ohne dadurch die Pflegebedürftigen zu überlasten. Ab dem 1. September 2022 soll es so weit sein.

Trotz seiner Pläne schlägt Spahn auch Kritik entgegen. Zum Beispiel wenn es um die 24-Stunden-Pflege geht. Hier sah der Minister Ende Juni nämlich keinen Handlungsbedarf. Das zeigte eine Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. So gäbe es keine Pläne, die in Deutschland geltenden Ausnahmen von internationalen Arbeitsschutzvorschriften für 24-Stunden-Pflegekräfte zu ändern.

Appell an das Pflegepersonal

„Es ist eine Sauerei, dass ihr für euch kämpfen müsst“, sagt Nguyen-Kim zum Abschluss ihres Videos in die Kamera und richtet sich mit einem Appell direkt an die Pflegekräfte. Von allein würde die Politik nichts an der Situation in der Pflege ändern. Es bedürfe Druck von denen, die in der Branche arbeiten. Dazu gehöre auch die Organisation in Gewerkschaften und Berufsverbänden.

Das nehme die Politik aber nicht aus der Pflicht. „Es sollte eigentlich im dem Interesse von jedem Einzelnen von uns sein, dass die Bedingungen für diesen wichtigen Beruf gut sind. Hier muss endlich die Politik an die Arbeitsbedingungen ran“, sagt die Wissenschaftsjournalistin.

Tim Herholz/RND

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