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Lungenkrankheit Covid-19: Ist die Ausbreitung in Afrika nur eine Frage der Zeit?

  • Afrika hat bisher nur eine Infektion mit dem Coronavirus in Ägypten gemeldet.
  • Die WHO befürchtet, dass viele Infektionen bisher unentdeckt geblieben sind.
  • Aufgrund der medizinischen Kapazitäten könnte es sehr schwer sein, einen möglichen Ausbruch einzudämmen.
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Nairobi. Bislang ist in Afrika nur ein Fall des neuartigen Coronavirus bekannt – das Risiko einer Ausbreitung auf dem Kontinent ist Experten zufolge aber extrem hoch. “Entweder es gibt schon mehr Fälle in Afrika oder es ist sehr wahrscheinlich, dass es mehr geben wird”, sagte Christoph Bonsmann, Apotheker und Vorstand der Organisation Action Medeor. Das liegt Experten zufolge vor allem an den engen Verbindungen zwischen Afrika und China sowie an den schwachen Gesundheitssystemen in vielen Ländern. Laut einer im Fachblatt “The Lancet” veröffentlichten Studie besteht vor allem in Südafrika, Ägypten und Algerien ein hohes Risiko für ein Auftreten der neuen Lungenkrankheit Covid-19.

In China wurden bislang mehr als 75.400 Fälle der Erkrankung nachgewiesen, mehr als 2.200 Menschen sind gestorben. Außerhalb Chinas gibt es mehr als 1.200 Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus – aber nur einen bestätigten Fall in Afrika, und zwar in Ägypten.

Infektionen könnten in Afrika übersehen worden sein

Das scheint überraschend angesichts der engen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Afrika und China. Das asiatische Riesenreich ist einer der größten Handelspartner Afrikas, viele der Importe kommen aus China. Schätzungen zufolge leben und arbeiten rund eine Million Chinesen auf dem Kontinent. Ethiopian Airlines fliegt nach eigenen Angaben trotz des Coronavirus-Ausbruchs weiterhin wöchentlich mit 35 Flügen fünf chinesische Städte an. Und Kenya Airways betrieb bis Ende Januar Flüge von Nairobi über Bangkok nach Guangzhou.

“Das Risiko ist hoch für Afrika”, sagte Michel Yao, der Leiter der Notfall-Programme bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Afrika. Allerdings glaubt er nicht, dass es über den Fall in Ägypten hinaus bereits mehr Infektionen gibt. Da ist Bonsmann von Action Medeor anderer Meinung – er glaubt, es könnte bereits mehr Erkrankungen geben, die noch nicht festgestellt wurden. “Die Anfangsentwicklung eines Ausbruchs ist relativ unauffällig”, sagte er. Es könne sein, dass bei den vielen bestehenden Grunderkrankungen in Afrika der Start einer Coronavirus-Epidemie übersehen werde.

Das besonders hohe Ausbreitungsrisiko in Ägypten, Algerien und Südafrika ermittelten die Autoren der "Lancet"-Studie unter anderem über die Auswertung von Daten zu Flugreisen. Diese drei Länder sind demnach aber vergleichsweise sehr gut vorbereitet. Die Gefahr einer Ausbreitung von Covid-19 in Nigeria und Äthiopien sei etwas geringer, dafür seien diese Länder weniger gut vorbereitet und anfälliger, unter anderem wegen der großen Bevölkerungszahl.

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Afrikas ärztliche Betreuung könnte zum Problem werden

Inzwischen können Yao zufolge 21 der 47 Länder in der WHO-Region Afrika den neuartigen Coronavirus selbst bestätigen. Außerdem haben demnach 24 Länder inzwischen Kontrollen in Form von Screenings etwa an Flughäfen aufgebaut. Allerdings warnte Bonsmann, dass diese Screenings nicht sehr effektiv seien. Denn jemand kann infiziert sein, ohne Symptome zu haben, weil die Inkubationszeit bis zu 14 Tage beträgt. Hinzu kommt, dass viele Infektionen sehr mild verlaufen und eine erkrankte Person unter Umständen nur sehr wenige Symptome zeigt.

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Sollten sich tatsächlich mehr Fälle in Afrika bestätigen, könnte es sehr schwer sein, den Ausbruch einzudämmen. Dazu müssten Kontakte von Infizierten genau nachverfolgt und Menschen daraufhin isoliert werden können, wie Bonsmann erklärt. Doch dafür braucht man medizinisches Personal – sehr viel Personal. Während es in Deutschland der WHO zufolge 42 Ärzte pro 10.000 Einwohner gibt, sind es etwa in Südafrika nur neun, in Kenia knapp zwei und in Äthiopien nur einer.

Auch haben viele Gesundheitssysteme in Afrika nicht ausreichend Kapazitäten der Intensivmedizin, wie Yao sagte. Schwere Fälle des neuartigen Coronavirus müssten auf der Intensivstation behandelt werden. Mit einer großen Zahl an Intensiv-Patienten könnten aber etliche afrikanische Staaten nicht umgehen. “Das ist eine unserer größten Sorgen.” Afrika muss sich daher auf einen Ausbruch so gut es geht vorbereiten. Bonsmann mahnte, “man muss höchst alarmiert bleiben, damit man in der Frühphase der Epidemie noch eine Chance hat, sie einzudämmen”.

RND/dpa

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