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  • Lockdown-Rekord in Australien: 246 Tage Ausgangs­sperre wegen Corona in Melbourne

Der längste Lockdown der Welt: Nirgendwo gilt die Ausgangs­sperre länger als in Melbourne

  • 246 Tage haben die Einwohner der australischen Stadt Melbourne seit Beginn der Pandemie im Lockdown verbracht.
  • Insgesamt sechsmal verhängte die Regierung des Bundesstaates Victoria Ausgangs­sperren wegen Covid-Ausbrüchen.
  • Damit hat die Stadt mehr Tage im Lockdown verbracht als Buenos Aires, das bisher den eher traurigen Rekord hielt.
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Melbourne. Keine andere Stadt der Welt hat so viele Tage im Lockdown verbracht wie Melbourne. Die Bürgerinnen und Bürger der australischen Millionen­stadt lebten bisher 246 Tage mit Ausgangs­sperren und der derzeitige Lockdown wird noch mindestens bis Ende Oktober andauern. Erst dann rechnen die Behörden damit, eine Impfrate von 70 Prozent zu erreichen.

Damit hat Melbourne einen traurigen Rekord gebrochen, der im starken Gegensatz zu den bisherigen Errungen­schaften steht, die die Stadt vorzeigen kann. So wurde sie in den Jahren zuvor wiederholt zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt.

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Buenos Aires rutscht auf Platz zwei

Die Stadt, die den zweitlängsten Lockdown durchleben musste, ist die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Dort verhängten die Behörden vom 20. März bis zum 11. November 2020 einen 234-tägigen Lockdown und in diesem Jahr eine nochmals zehntägige Ausgangs­sperre. Weitere Städte mit Lockdowns über 200 Tagen sind London, Dublin und Prag.

Melbourne dagegen durchlebte nach den anfänglichen Restrik­tionen gleich zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 einen harten Winter auf der Süd­halb­kugel. Ein Corona-Ausbruch zwang die rund fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt in einen Lockdown, der letztendlich 111 Tage anhielt. In diesem Jahr machte die Metropole dann weitere viermal dicht. Fünf Tage im Februar, zwei Wochen im Juni und zwölf Tage im Juli. Der derzeitige Lockdown startete Anfang August und soll noch mindestens bis zum 26. Oktober andauern – insgesamt 82 Tage.

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Bis dahin werden die Bürgerinnen und Bürger Melbournes dann 267 Tage im Lockdown verbracht haben. Allerdings waren Melbourne und Umgebung mit ihren Maßnahmen deutlich erfolgreicher als Buenos Aires. Während die 15-Millionen-Stadt über 70.000 Covid-19-Tote registrierte, sind es im australischen Bundesstaat Victoria bei 6,7 Millionen Einwohnern bisher knapp 870 Tote.

„Was ist die Alternative zum Lockdown?“

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Trotzdem verzeichnet der derzeitige Lockdown bisher nicht unbedingt den gewünschten Erfolg. Denn die Fallzahlen steigen angesichts der hoch­anstecken­den Delta-Variante, die in diesem Fall die Restriktionen notwendig gemacht hat, nach wie vor: So meldete der Bundes­staat Victoria am Montag den fünften Tag in Folge mehr als 1000 Covid-Fälle. Auch wirtschaftlich bringt die Sperre den australischen Bundesstaat unter Druck. So soll jede Woche Lockdown laut lokaler Medien geschätzte 700 Millionen Australische Dollar oder umgerechnet fast 440 Millionen Euro kosten.

Vonseiten der politischen Opposition nimmt die Kritik an den Maßnahmen deswegen zu. „Sperren sind kein Zeichen für politischen Erfolg. Sie sind ein Zeichen für politisches Versagen“, wurde Oppositions­führer Matthew Guy vor Kurzem im australischen Sender ABC zitiert. „Es ist katastrophal für unsere Stadt und für unseren Staat, dass Melbourne so lange abgesperrt ist.“ Doch der amtierende Premier des Bundes­staates Victoria, Dan Andrews, konterte diese Bemerkungen damit, dass sie „völlig irrelevant“ für die Arbeit der Regierung seien.

„Menschen haben das Recht, kritisch zu sein, das ist in Ordnung. Aber wenn Sie unzufrieden sind, was ist denn die Alternative?“, sagte er. „Was würden Sie tun? Würden Sie morgen alles öffnen? Würden Sie so tun, als wäre es vorbei, weil Sie es unbedingt so haben wollen?“ Noch sei die Pandemie nicht vorüber, auch wenn es nicht mehr lange dauern würde. So waren am Montag über 52 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Victorias vollständig gegen Covid-19 geimpft, über 82 Prozent hatten zumindest eine Dosis erhalten.

Zeichen des Widerstands mehren sich

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Obwohl die überwältigende Mehrheit der Melbourner die Lock­downs nach wie vor unterstützt – wie es in lokalen Medien heißt – so mehren sich auch die Zeichen des Widerstands gegen die Gesundheits­maßnahmen. Erst Ende September nahmen rund 5000 Menschen an einer teilweise gewaltsamen Demonstration gegen den Lockdown, gegen Impfstoff­mandate und gegen eine zweiwöchige Sperre der Bauindustrie teil.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Krankenhäuser in Victoria beinahe zu 100 Prozent gefüllt sind. Eine Krankenschwester berichtete in einem Interview mit der Nachrichten­seite „News.com.au“, wie viele erkrankte Patientinnen und Patienten sie derzeit um eine Impfung bitten würden. „Leider kann man nicht in letzter Minute noch geimpft werden“, sagte Jacqui Harper. Erst müssten die Patientinnen und Patienten behandelt werden und es ihnen wieder besser gehen, bevor sie eine Impfung bekommen könnten.

Dass nach wie vor viele ungeimpft sind, hat damit zu tun, dass Australien deutlich später mit seiner Impf­kampagne begonnen hat als viele andere westliche Länder. Impfstoff­knappheit, zu wenig Auswahl und eine anfangs verwirrende Kommunikation hatten die Kampagne ebenfalls behindert. Inzwischen hat das Land jedoch rasant aufgeholt und es wird erwartet, dass im November eine Impfrate von 80 Prozent erreicht wird. Bis dahin soll dann auch Melbourne wieder offen sein und auch die Öffnung der internationalen Grenzen ist für diesen Monat geplant.

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