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Corona-Lockdown in Deutschland: Beginnen die Maßnahmen endlich zu wirken?

Am Dienstag haben Bund und Länder beschlossen, den Lockdown in Deutschland bis Mitte Februar zu verlängern.

Die Corona-Maßnahmen in Deutschland scheinen allmählich ihre Wirkung zu entfalten. Seit Montag ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen kontinuierlich gesunken, verglichen mit den Inzidenzen der Vorwoche. So meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) beispielsweise am Freitagmorgen 17.862 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages – rund 4500 Fälle weniger als in der vergangenen Woche.

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Dieser Rückwärtstrend zeigte sich auch bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz. Hatte sie am Montag noch bei 134,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gelegen, waren es am Freitag nur noch 115,3 Neuinfektionen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 schwankte in der dritten Kalenderwoche wiederum, ging zuletzt aber ebenfalls deutlich zurück. Das RKI meldete am Freitagmorgen 859 neue Todesfälle binnen eines Tages – rund 250 Fälle weniger als in der Vorwoche.

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Spahn: Corona-Maßnahmen nicht zu früh lockern

„Die Zahlen sinken in den meisten Bundesländern, und das sind die Erfolge der Maßnahmen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité. „Wir dürfen eben nicht nachlassen.“ Die weiterhin hohen Todeszahlen seien hingegen „bedrückend“ und „schier unfassbar“. Wenn die Infektionszahlen gering gehalten würden, könnten schwere Verläufe sowie Todeszahlen verhindert und besser kontrolliert werden.

Merkel: Diese Pandemie ist eine Jahrhundertkatastrophe

Bis zum 21. September könne jedem Bürger in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundesgesundheitsminister Spahn zeigte sich ebenfalls erfreut über die sinkende Zahl der Corona-Neuinfektionen, warnte jedoch gleichzeitig vor voreiligen Lockerungen der Maßnahmen. Auch wenn die Infektionszahlen sinken, müsse es noch Einschränkungen geben, sagte der CDU-Politiker und verglich die Situation mit einem Antibiotikum. Wenn man es zu früh absetze, könne ein noch größerer Schaden entstehen, auch Resistenzen. Der Vergleich sei zutreffend, wenn man auf die Mutationen schaue.

No-Covid-Strategie: Fallzahlen schnellstmöglich auf null senken

Ähnliche Warnungen sprach auch Drosten aus. „Wenn die alten Menschen und vielleicht auch ein Teil der Risikogruppen geimpft sein werden, wird ein riesiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und vielleicht auch rechtlicher Druck entstehen, die Corona-Maßnahmen zu beenden“, sagte der Virologe dem „Spiegel“. „Und dann werden sich innerhalb kurzer Zeit noch viel mehr Leute infizieren, als wir uns das jetzt überhaupt vorstellen können. Dann haben wir Fallzahlen nicht mehr von 20.000 oder 30.000, sondern im schlimmsten Fall von 100.000 pro Tag.“

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Je zügiger man die Fallzahlen senkt, desto schneller ist der harte Lockdown vorbei.

Viola Priesemann, Physikerin am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation


Drosten ist ein Befürworter der No-Covid-Strategie, die Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen kurz vor den Beratungen von Bund und Ländern am Dienstag präsentiert hatten. Diese sieht unter anderem vor, die Infektionszahlen in Deutschland schnellstmöglich auf null zu senken.

„Je zügiger man die Fallzahlen senkt, desto schneller ist der harte Lockdown vorbei“, sagte Viola Priesemann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Physikerin vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation hatte wie Drosten das Strategiepapier unterzeichnet. Ziel müsse es sein, einen R-Wert von 0,7 statt 0,9 zu erreichen. Dann brauche man für einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen vier Wochen – und nicht vier Monate.

Krisenmanagement von Bund und Ländern gerät in die Kritik

Seit Anfang November verharrt Deutschland im Lockdownmodus. Weil der Ende Oktober beschlossene Teil-Lockdown nicht zu einem Rückgang der Fallzahlen geführt hatte, verschärften Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder nach jedem weiteren Treffen die Corona-Maßnahmen. Auch rund drei Monate später ist noch kein Ende des Lockdowns in Sicht. Am Dienstag einigten sich Bund und Länder darauf, die Maßnahmen bis zum 14. Februar noch einmal zu verlängern.

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Für viele Bürger ist die gefühlte Lockdown-Endlosschleife inzwischen zu einer großen Belastung geworden. Eine aktuelle Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des ARD-„Morgenmagazins“ zeigt, dass fast jeder zweite Deutsche (49 Prozent) die geltenden Corona-Einschränkungen als sehr stark oder stark belastend empfindet. In der Woche vor Weihnachten waren es noch 36 Prozent gewesen. Auch das Corona-Krisenmanagement von Bund und Ländern ist umstritten. Weniger als die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) ist damit zufrieden.

mit dpa



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