Lieber La-Ola statt Corona-Welle

  • Seit mehr als einem Jahr prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Die Impfpriorisierung ist gefallen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

die Fußballfans unter Ihnen wissen sicherlich schon längst, welches Megasportevent morgen beginnt – und fiebern diesem teilweise seit Monaten entgegen. Die Rede ist von der Fußballeuropameisterschaft. 24 Nationen kämpfen auf dem heiligen Rasen wieder um Ruhm, Ehre und den silbernen EM-Pokal, während sie von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern vor den Fernsehbildschirmen angefeuert werden. Diese Abwechslung vom Pandemiealltag kommt gerade wie gerufen!

Einen Haken gibt es jedoch: Große Public-Viewing-Veranstaltungen wie vor dem Brandenburger Tor in Berlin wird es dieses Mal nicht geben. Zumindest im Bekannten- und Freundeskreis sowie in einigen Biergärten und Kneipen darf aber gemeinsam gefeiert und mitgefiebert werden, wenngleich Vorsicht das Gebot der Stunde bleibt. Denn auch das Coronavirus trägt Schwarz-Rot-Gold.

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Optimismus oder Skepsis – was ist zurzeit angebracht?

Es ist diese Mischung aus Vorfreude und Vorsicht, die uns schon seit einigen Wochen begleitet. Bis vor Kurzem schien es noch so, als hätten wir das Virus ein für alle Mal in die Schranken gewiesen. Selbst Corona-Expertinnen und -Experten verkündeten: „Der Sommer wird gut.“ Bei vielen wuchs die Hoffnung auf eine altbekannte Normalität. Doch jetzt wirkt der Sommer eher wie die Ruhe vor dem Sturm. Schon wieder mischen sich unter den Optimismus Warnungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor einer erneuten Corona-Welle. Darf man sich nun auf ein baldiges Ende der Pandemie freuen, oder nicht?

Bisher sieht es so aus, als ob eine vierte Welle unvermeidbar ist. Die gute Nachricht: Sie dürfte nach bisherigen Prognosen nicht so stark ausfallen wie ihre Vorgänger. Am Ende hängt es aber davon ab, ob wir uns weiterhin gewissenhaft an die Hygiene- und Abstandsregeln halten und wie schnell die Impfkampagne in Deutschland voranschreitet. Seit Montag können sich hierzulande alle Menschen ab zwölf Jahren gegen Covid-19 impfen lassen. Die Priorisierung wurde aufgehoben. Wer sich impfen lässt, kann dies zukünftig mit dem digitalen Corona-Impfpass nachweisen. Wie das funktioniert, lesen Sie in diesem Newsletter.

Bleiben Sie zuversichtlich!

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Laura Beigel

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Am Montag wurde bundesweit das Ende der Impfpriorisierung eingeläutet. Seitdem können sich alle Bürgerinnen und Bürger ab zwölf Jahren, unabhängig von ihrem Alter, ihren Vorerkrankungen und ihrem Beruf, um einen Termin für eine Corona-Impfung bemühen. Dies ist nun auch bei den Betriebs- und Privatärztinnen und -ärzten möglich. Allerdings sind freie Termine rar; es mangelt weiterhin an Impfstoff. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bat um Geduld und stellte in Aussicht, dass im Laufe des Julis allen Impfwilligen ein Impfangebot gemacht werden könne.

Betriebsärztinnen und -ärzte sind seit Anfang Juni Teil der Corona-Impfkampagne in Deutschland. © Quelle: Marijan Murat/dpa

Der Deutsche Hausärzteverband ist hingegen skeptisch, ob dieses Versprechen tatsächlich eingehalten werden kann. „Auch heute ist die Impfstoffmenge noch immer zu gering für die hohe Nachfrage“, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt. „Die Hausärztinnen und Hausärzte können nur das verimpfen, was da ist.“ Der große Ansturm auf die Praxen, mit dem nach der Aufhebung der Priorisierung gerechnet wurde, sei aber zunächst vielerorts ausgeblieben, berichtet meine Kollegin Kira von der Brelie. Womöglich auch, weil einige Ärztinnen und Ärzte nach wie vor an der Priorisierung festhalten: „Ich habe noch einige Patientinnen und Patienten, die in die Priogruppe 3 fallen, die sind natürlich zuerst dran“, erklärte zum Beispiel Hausarzt Jens Wagenknecht aus dem niedersächsischen Varel.

Neben dem Impfstoffmangel macht sich in den Praxen derzeit vor allem der Frust der Patientinnen und Patienten bemerkbar. „Wir kriegen den Unmut der Menschen ab, und das ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter manchmal sehr belastend“, sagte Hausarzt Manfred Imbert aus dem nordrhein-westfälischen Alsdorf. Hausärzteverbandschef Weigeldt appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, die Praxen nicht für das Terminchaos verantwortlich zu machen: „Frust und Enttäuschung sind nachvollziehbar, aber bei uns definitiv an der falschen Adresse.“

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Corona-Schnelltests sind temperaturempfindlich. Werden sie zu kalt oder zu warm gelagert, kann das Auswirkungen auf die Testergebnisse haben. Gleiches gilt für die Selbsttests, die Laien zu Hause anwenden können. Diese sollten niemals im Gefrierschrank oder in der prallen Sonne aufbewahrt werden, sondern zum Beispiel wohltemperiert in Schränken und Kommoden. Die meisten Schnell- und Selbsttests können bei Temperaturen zwischen vier und 30 Grad Celsius gelagert werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann einen Blick auf die Verpackung oder den Beipackzettel werfen. Dort finden sich in jedem Fall Informationen zur richtigen Lagertemperatur.

Zitat der Woche

Wenn viele Menschen unvorsichtig werden, könnten sich im Herbst wieder mehr Infektionen ereignen, eine vierte Welle ist möglich.

Prof. Gernot Marx , Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, im RND-Interview

Forschungsfortschritt

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Forscherinnen und Forscher sammeln immer mehr Daten zur Coronavirus-Variante B.1.617.2, die von der Weltgesundheitsorganisation unter dem Namen Delta gelistet wird. Nicht nur in Indien, wo die Mutante zuerst entdeckt wurde, sondern auch in Großbritannien hatte sie zu einem Anstieg der Infektionszahlen geführt. Die britische Regierung geht inzwischen davon aus, dass die Virusvariante um 40 Prozent übertragbarer ist als der Wildtyp von Sars-CoV-2. Auch könnte sie häufiger zu schwereren Krankheitsverläufen führen. „Erste Erkenntnisse aus England und Schottland legen nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen geben könnte als bei der Alphavariante“, heißt es in der jüngst veröffentlichten Risikoeinschätzung der Gesundheitsbehörde Public Health England.

Pandemie im Ausland

Der Handel von Pelztieren ist in China noch lange nicht beendet. © Quelle: epa Diego Azubel/EPA/dpa

Welchen Ursprung hat das Coronavirus? Eine Frage, die nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist. Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité vermutet, dass in chinesischen Pelzfarmen die erste Übertragung von Sars-CoV-2 auf den Menschen stattgefunden hat. Ein potenzieller Zwischenwirt des Erregers könnten Maderhunde gewesen sein. Diese Tiere wurden auch auf dem Huanan-Markt in Wuhan verkauft, der lange Zeit als Ursprungsort der Pandemie galt. Nach dem Ausbruch des Coronavirus ist der Handel und Verzehr von Wildtieren in China weiterhin verboten. Fraglich sei jedoch, wie lange an dem Verbot festgehalten wird, berichtet RND-Autor Fabian Kretschmer. Die chinesische Pelzindustrie sei unterdessen weitgehend unreguliert geblieben. Auch weil viele Farmerinnen und Farmer angeben, dass ihre Tieraufzucht für die chinesische traditionelle Medizin nützlich sei.

Was kommt

Ab heute geht in Deutschland die sogenannte CovPass-App an den Start. Mit ihr können Bürgerinnen und Bürger ihre Corona-Impfung direkt per Smartphone nachweisen. Der Impfnachweis erfolgt mittels QR-Code, der auf dem Smartphone in einer Wallet-App gespeichert werden kann, zum Beispiel in der Corona-Warn-App oder der CovPass-App. Die Nutzung dieses digitalen Zertifikates ist freiwillig. Ausgestellt wird es in den Arztpraxen, Impfzentren und Apotheken. Wie genau der CovPass funktioniert und welche Daten wo gespeichert werden, lesen Sie hier. Das Angebot solle „Schritt für Schritt“ flächendeckend ausgerollt werden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin. Zukünftig sollen sich auch Genesene und negativ Getestete mithilfe des CovPasses ausweisen können.

Die EU-Kommission hatte ein europaweit gültiges Impfzertifikat gefordert, um grenzüberschreitendes Reisen zu vereinfachen. Der CovPass erfülle die Anforderungen der europäischen Lösung „von vornherein“, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Ab 1. Juli soll der deutsche Impfpass EU-weit gelten. Inwiefern man dann mit dem digitalen Zertifikat tatsächlich wieder auf Reisen gehen kann, ist im Detail noch zu klären.

Über die CovPass-App kann das digitale Covid-Zertifikat abgerufen werden. © Quelle: imago images/Future Image

Der Chaos Computer Club warnt derweil vor gefälschten Impfpässen. Das Chargenetikett des jeweiligen Corona-Impfstoffes, der Arztstempel und die Unterschrift im Papierimpfpass würden keine besonderen Sicherheitsmerkmale aufweisen. Dementsprechend leicht seien sie zu fälschen. Dies ist vor allem in folgender Situation problematisch: Wer schon vor der Einführung des CovPasses geimpft wurde und die Impfung nun in digitaler Form bescheinigen will, muss dafür seinen herkömmlichen Impfpass vorzeigen. Dann müssen die Ärztinnen und Ärzte entscheiden, ob der Eintrag im gelben Impfbuch echt ist oder nicht.

Was die Pandemie leichter macht

Auch der Augenkontakt ist beim Flirten wichtig – umso mehr in Zeiten der Maskenpflicht. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Der Mundschutz ist zu einem ständigen Begleiter im Alltag geworden. Und obwohl wir uns inzwischen weitgehend an die Masken gewöhnt haben, gibt es immer noch Momente, in denen wir sie als störend empfinden. Eine Herausforderung stellen sie zum Beispiel beim Flirten dar. „Das Problem an der Maske ist, dass sie einen großen Teil der Mimik frisst“, weiß Horst Wenzel. Mein Kollege Ben Kendal konnte dem Datingexperten einige Tipps entlocken, wie das Flirten auch mit Mundschutz klappt. Wichtig sei es unter anderem, positive Worte zu wählen und beim Sprechen zu lächeln. Dann klinge die Stimme fröhlicher und abwechslungsreicher. „Flirten mit Maske hat ein wenig Blind-Date-Charakter – das heißt, es erwartet einen eine Überraschung“, sagt Wenzel. Hilfreich kann es nach Einschätzung des Experten auch sein, die Masken im Gespräch zu thematisieren. Mit charmanten Aussagen wie „Wie gern ich dich mal ohne Maske sehen würde“ kann das Eis schnell gebrochen werden.

Was außer Corona noch wichtig ist

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat nach knapp 20 Jahren erstmals wieder ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Der Wirkstoff namens Aducanumab ist jedoch umstritten, wie RND-Autorin Irene Habich bei ihren Recherchen festgestellt hat. So kritisieren Expertinnen und Experten unter anderem, dass der Hersteller Biogen nur gezielte Daten der klinischen Studien für seine Auswertung ausgewählt hat, die das gewünschte Ergebnis versprachen. Deshalb erfolgte die Zulassung in den USA nur unter der Prämisse, dass Biogen eine weitere Studie zur Wirksamkeit seines Medikaments vorlegt. Dieses Vorgehen begrüßt die deutsche Alzheimer Forschung Initiative. Sie mahnt allerdings: „Mit der Zulassung sollten keine falschen Hoffnungen geweckt werden.“ Auch Aducanumab könne die Alzheimerkrankheit nicht heilen, sondern verlangsame lediglich den Gedächtnisabbau in einem geringen Ausmaß.

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