Liebe Schüler, zieht euch warm an!

  • Seit fast zwei Jahren prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Omikron drückt die Schulbank.
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Liebe Leserinnen und Leser,

wie oft habe ich in den vergangenen Monaten gedacht „Gott sei Dank muss ich nicht mehr zur Schule gehen“. Wenn sich Schülerinnen und Schüler heutzutage miteinander unterhalten, geht es häufig um Corona, Masken oder wunde Nasen durch Schnelltests. Sollten sie nicht eigentlich über nervige Lehrer reden? Über die krasse Party bei Freunden gestern Abend? Oder die Matheklausur, für die sie keine Zeit hatten zu lernen, unter anderem wegen der krassen Party?

Seit zwei Jahren harren Schülerinnen und Schüler im Pandemiemodus aus. Das bedeutet für sie vor allem eines: Verzicht. Kaum Kontakt zu Freunden, keine Klassenfahrten, Sportunterricht mit Masken, und gleichzeitig die omnipräsente Angst, sich anzustecken. Wer geht unter diesen Bedingungen schon gern zur Schule? Noch zeichnet sich nicht ab, dass der Spuk bald vorüber ist.

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Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Vielmehr stellt sich die Frage: Wie gut sind die Einrichtungen auf eine Omikron-Welle vorbereitet? Der deutsche Lehrerverband warnt bereits vor „erheblich höheren Infektionszahlen“ unter den Kindern und Jugendlichen, aber auch Lehrkräften. Auch der Expertenrat der Bundesregierung ist alarmiert: Wenn zu viele Menschen zeitgleich erkranken und sich dann isolieren müssen, könnte das die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser oder Strom- und Wasserversorger beeinträchtigen. Doch was ist, wenn Omikron die Schulen lahmlegt? Wenn sich reihenweise Lehrkräfte infizieren und ausfallen?

Der Plan für den Notfall fehlt

Weder der Expertenrat noch die Kultusministerinnen und Kultusminister haben sich bisher zu diesem Ernstfall geäußert. Sie scheinen weiter an den etablierten Schutzmaßnahmen festzuhalten. Für die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte bedeutet das vielerorts: Masken auf, selbst testen und im Winter beim Lüften frieren. Auch nach zwei Jahren Pandemie sind die wenigsten Klassenräume mit Luftfilteranlagen ausgestattet. Schon gegen vorherige Virusvarianten waren diese Schutzmaßnahmen eher dürftig, gegen Omikron werden sie wohl nicht ausreichen. Es braucht also dringend Notfallpläne für die Schulen. Die Kultusministerinnen und Kultusminister müssen für einen sicheren Schulalltag sorgen. Vorschläge für pandemietaugliche Unterrichtsmodelle gibt es genug. Sie endlich unbürokratisch möglich zu machen, ist die Politik den Schülerinnen und Schülern sowie der Lehrerschaft längst schuldig.

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Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

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Erkenntnis der Woche

Ab dem 16. März gilt in Deutschland eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern, Arztpraxen, Rettungsdiensten oder Alten- und Pflegeheimen müssen bis zum Vortag ihrem Arbeitgeber einen Nachweis vorgelegt haben, dass sie gegen Covid-19 geimpft, von einer Impfung ärztlich befreit oder genesen sind. Nur dann dürfen sie ihren Beruf weiter ausüben.

Eine allgemeine Impfpflicht lässt hingegen noch auf sich warten. Die politischen Mühlen mahlen wieder einmal langsam. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Mittwoch bei seiner ersten Befragung im Bundestag noch einmal deutlich gemacht, dass er angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante eine allgemeine Impfpflicht für erforderlich halte. Genaue Details zur Umsetzung präsentierte er jedoch nicht. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will wiederum darauf verzichten, einen eigenen Vorschlag einzureichen. Kritik am langsamen Arbeitstempo der Politik kommt vor allem aus der Wissenschaft: „Die sollen jetzt mal zu Potte kommen!“, forderte etwa Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, im Gespräch mit dem Fernsehsender RTL.

Um die Omikron-Welle auszubremsen, käme eine allgemeine Impfpflicht ohnehin schon zu spät, „da es einige Zeit dauert, bis bei den Personen, die sich wegen ihrer Einführung nunmehr impfen lassen, ein guter Immunschutz vorliegt“, heißt es vonseiten des Deutschen Ethikrats. Aber die Impfpflicht könnte dabei helfen, zukünftige Infektionswellen abzuschwächen. Schließlich schützen die Corona-Impfungen weiterhin verlässlich vor schweren Erkrankungen und Tod. Das heißt: Je mehr Menschen geimpft sind, desto geringer ist das Erkrankungsrisiko in der Bevölkerung und desto weniger wird das Gesundheitssystem belastet. Von einer allgemeinen Impfpflicht könnte Deutschland also auch zu einem späteren Zeitpunkt noch profitieren.

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Die Corona-Warn-App verschickt aktuell so viele Warnungen vor Risikokontakten wie noch nie zuvor. Allein in der vergangenen Woche leuchtete bei mehr als 1,2 Millionen Nutzerinnen und Nutzern die rote Warnmeldung „Erhöhtes Risiko“ auf dem Handydisplay auf. Doch was ist in diesem Fall zu tun?

Die rote Warnung der Corona-Warn-App deutet auf einen Kontakt mit einer infizierten Person hin. © Quelle: imago images/photothek

Zunächst einmal bedeutet eine rote Warnmeldung nicht automatisch, dass sich der Empfänger oder die Empfängerin mit dem Coronavirus angesteckt hat. Sie verdeutlicht lediglich, dass das Handy mindestens zehn Minuten lang einem anderen Handy nahegekommen ist, dessen Besitzer oder Besitzerin positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde. Die App registriert zum Beispiel nicht, wo der Kontakt stattgefunden hat, also an der frischen Luft oder in Innenräumen, was Einfluss auf das Ansteckungsrisiko hat. Trotzdem sollte man die Warnung ernst nehmen.

Meine Kollegin Kristina Auer hat beim Robert Koch-Institut (RKI) nachgefragt, wie sich Empfängerinnen und Empfänger einer roten Warnmeldung zu verhalten haben. Die Behörde rät, zuerst die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen lassen und zu überlegen, ob und wann es zu einem Kontakt mit einem Corona-Infizierten hätte kommen können, um so auszuschließen, dass es sich um eine Falschmeldung der Corona-Warn-App handelt. Sollte sich die Warnung als korrekt herausstellen, sollte man im Anschluss seine eigenen Kontaktpersonen informieren, „aber vor allem auch Kontakte reduzieren, sich testen und auf Symptome achten“, sagte RKI-Sprecher Wolfgang Scheida. Wer eine rote Warnmeldung erhält, hat Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test. Das RKI betont zudem, dass diese Handlungsempfehlungen nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für Genesene und Geimpfte gelten.

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Zitat der Woche

Wir dürfen auf keinen Fall die Omikron-Welle ungebremst laufen lassen. Dies würde sonst eine überbordende Belastung für das Gesundheitswesen bedeuten.

Susanne Johna, Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund

Forschungsfortschritt

Eine Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer verursacht nur selten schwere Nebenwirkungen bei Kindern, wie eine Analyse der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zeigt. Eine Myokarditis, also eine Herzmuskelentzündung, die schon des Öfteren im Zusammenhang mit dem mRNA-Impfstoff beobachtet wurde, trat nur bei zwölf von rund 8,7 Millionen geimpften Fünf- bis Elfjährigen auf. Keines der Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Ergebnisse dürften auch für die Nutzen-Risiko-Abwägung der Ständigen Impfkommission relevant sein, die unter anderem wegen einer unzureichenden Datenlage zur Sicherheit des Corona-Impfstoffs bislang keine allgemeine Impfempfehlung für Fünf- bis Elfjährige ausgesprochen hat.

Verhältnismäßig häufiger wurde eine Herzmuskelentzündung hingegen bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 15 Jahren nachgewiesen: Die CDC verzeichneten 265 Fälle unter 18,7 Millionen Geimpften; 251 Erkrankte mussten im Krankenhaus behandelt werden. Vor allem Jungen waren betroffen. Dennoch handelt es sich bei der Myokarditis nach wie vor um eine sehr seltene Nebenwirkung der Corona-Impfung. Mehrheitlich sorgt eine Impfung für leichte Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Rötungen – auch bei Kindern, wie die US-Studie bestätigt.

Pandemie im Ausland

Deltacron heißt die neue Corona-Variante, über die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Zypern Anfang dieser Woche berichteten. Der Name setzt sich aus den beiden Virusvariantenbezeichnungen Delta und Omikron zusammen. Denn die Infizierten hatten sich nach Angaben des Forscherteams mit Delta und Omikron gleichzeitig angesteckt. In den Proben, die das Forscherteam um den Virologen Leondios Kostrikis von der Universität Zypern untersucht hatte, fanden sich genetische Strukturen beider Varianten. Dass sich Virusstränge miteinander vermischen, wäre keinesfalls ungewöhnlich, bisher handelt es sich aber um eine Einzelbeobachtung. Fachkolleginnen und -kollegen vermuten, dass Deltacron vielmehr durch eine Verunreinigung im Labor entstanden sein könnte.

Was kommt

Auch nach mehreren Monaten sind Geboosterte noch ausreichend vor einer schweren Corona-Erkrankung geschützt, aber der Schutz vor Infektionen lässt mit der Zeit nach. Deshalb wollen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Ressortchefinnen und -chefs der Länder nun über eine vierte Impfung beraten.

Die entscheidende Frage dabei ist: Nutzt man noch einmal den Corona-Impfstoff, der auf der ursprünglichen Version des Coronavirus basiert? Oder wartet man auf ein an Omikron angepasstes Vakzin?

Mein Kollege Ben Kendal hat das Für und Wider einer vierten Impfung abgewogen. Er verweist auf Israel, wo inzwischen mehr als eine Viertelmillion Menschen viermal gegen Covid-19 geimpft sind. Dort hatte die vierte Impfung die Antikörperspiegel noch einmal erhöht. Allerdings bezeichnete Gili Regev, Direktorin der Abteilung für Infektionskrankheiten des israelischen Sheba Medical Centers, den Anstieg als „nicht sehr beeindruckend“. Kurz nach der vierten Impfung sei man schnell wieder auf demselben Antikörperstand wie kurz nach der dritten Dosis, sagte sie. Bis jedoch ein Omikron-Impfstoff zur Verfügung steht, dürfte es noch etwas dauern. Der Chef des Pharmakonzerns Pfizer, Albert Bourla, rechnet beispielsweise damit, dass ein solches Vakzin im März fertig sein könnte. Bis dahin dürften sich noch zahlreiche Menschen, auch Geimpfte, mit Omikron angesteckt haben.

Was die Pandemie leichter macht

Beim Wiedereinstieg in den Sport nach einer Corona-Infektion ist Geduld gefragt.

Sport ist die beste Medizin, heißt es oft – und es stimmt. Körperliche Aktivität stärkt die Muskeln, beugt Krankheiten wie Bluthochdruck vor und steigert gleichzeitig das eigene Wohlbefinden. Nach einer durchgemachten Corona-Infektion sollte man jedoch vorsichtig sein: „Wer keine spürbaren Folgeschäden von der Infektion hat, sollte vier Wochen mit dem intensiven Sport pausieren“, rät Sportwissenschaftler Ingo Froböse. Wer Lungenprobleme entwickelt hat, sollte drei Monate warten; bei einer Herzmuskelentzündung sogar mindestens sechs Monate. „Wer zu früh an seine Leistungsgrenze geht, erhöht das Risiko der Langzeitfolgen.“

An Spitzensportlern und Spitzensportlerinnen, die nach ihrer Covid-Erkrankung sofort wieder intensiv trainieren, sollten sich Hobbysportlerinnen und Hobbysportler nicht orientieren. Stattdessen sei ein langsamer Wiedereinstieg ratsam. „Wie nach jeder anderen überstandenen Krankheit zahlen sich Geduld und langsame Belastungssteigerung aus“, sagt der Sportwissenschaftler. Wer unsicher ist, ob er wieder unbedenklich Sport treiben kann, kann auch seinen Hausarzt oder seine Hausärztin zurate ziehen.

Was sonst noch wichtig ist

Am vergangenen Freitag haben Medizinerinnen und Mediziner in den USA erstmals einem schwer kranken Patienten ein Schweineherz transplantiert. Die Operation dauerte sieben Stunden, und hatte zuvor von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallgenehmigung erhalten. Bei dem Patienten handelte es sich um einen 57-jährigen Mann, der unter Herzversagen und unregelmäßigem Herzschlag litt, weshalb er nicht für eine Transplantation eines menschlichen Herzens oder eines Herzschrittmachers infrage kam.

Er erhielt schließlich das Herz eines genetisch veränderten Schweines, dem ein Zuckerstoff in den Zellen entfernt wurde. Dadurch soll verhindert werden, dass das Organ vom Körper des Patienten wieder abgestoßen wird – was bei früheren Transplantationen von tierischen Organen bislang immer der Fall gewesen ist. Nach Angaben des Medical Centers der Universität von Maryland gehe es dem 57-Jährigen nach der Operation gut. Er atme selbstständig, sei aber noch an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Erst in den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die Operation tatsächlich ein Erfolg gewesen ist.

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