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Leichensäcke: Video aus Wuhan dokumentiert dramatische Zustände zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Trotz des Schnellbaus von zwei Notkrankenhäusern soll es in Wuhan immer noch zu wenige Krankenbetten geben.
  • Ein Blogger zeigt nun auf Twitter ein drastisches Video, in dem sich Leichensäcke in einem Krankenhaus in Wuhan stapeln - der Blogger soll nach der Verbreitung des Videos festgenommen worden sein.
  • Eine Führungsgruppe im Kampf gegen Corona unter Premier Li Keqiang macht derweil klar: Der Höhepunkt der Epidemie ist noch nicht erreicht.
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Wuhan. "Es ist vorbei. Er kann nicht atmen", sagt die Frau verzweifelt. Sie sagt, dass ihr Vater liegt in dem Krankenbett im Hospital Nr. 5 der Metropole Wuhan liegt. "Es gibt keine Lebenszeichen mehr." Hinter dem Video steht nach eigenen Angaben der Blogger Fang Bin. Vor dem Krankenhaus filmt er in einem Kleinbus acht gelbe und orangefarbene Säcke mit Leichen. Nach Angaben Fang Bins zeigen die Bilder überfüllte Krankenhäuser der schwer von der Lungenkrankheit betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei. Fang Bin berichtet, dass er die tatsächlichen Zustände ans Tageslicht bringen will.

Blogger soll nach Videoaufnahmen festgenommen worden sein

Am selben Abend klingelt es an der Tür. Männer in Schutzanzügen geben vor, vom Gesundheitsamt zu sein, dringen in seine Wohnung ein. Sie wollten seine Temperatur messen, weil er an dem Tag vier Krankenhäuser besucht habe. "Sie sind an gefährlichen Orten gewesen." Nach einigem Gerangel nehmen sie Fang Bin, seinen Laptop und sein Handy mit auf die Polizeistation. Er wird verhört, bedroht.

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Gegen Mitternacht werden die Beamten plötzlich nett - seine Videoclips haben sich im Internet verbreitet wie ein Lauffeuer. Freunde und Anwälte rufen bei Gesundheitsämtern an, suchen ihn. Die Polizei lässt Fang Bin laufen. Er schildert seine Erlebnisse wieder in Videos, die er ins Internet hochlädt.

Twitter: Leichensäcke stapeln sich neben Patienten

Seine Aufnahmen von überforderten Krankenhäusern, Patienten mit Infusionen oder in Betten liegend in vollen Gängen sind kein Einzelfall. Ein anderes Video auf Twitter zeigt die gleichen gelben und orangen Leichensäcke in einem unbekannten Hospital in Wuhan auf dem Boden direkt neben Betten mit Kranken - selbst auf Sitzen im Wartesaal, wo auch Patienten warten. In Schutzanzügen vermummte Krankenpfleger können sich gar nicht um alles kümmern.

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Sollen die TV-Aufnahmen beruhigen?

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Ganz anders dagegen die Propagandaaufnahmen vom Einzug der ersten Patienten in die zwei - in weniger als zwei Wochen hoch gezogenen - Behelfskrankenhäuser. Vier, fünf Ärzte oder Krankenpfleger kümmern sich um jeweils einen Patienten, der aufgenommen wird. So wollen die Bilder im Staatsfernsehen suggerieren, dass das System funktioniert.

In Windeseile in weniger als zwei Wochen wurden die Nothospitäler in Schnellbauweise mit Fertigteilen rund um die Uhr gebaut. Schon die Bilder von den bunten Baggern, die anfangs den Platz ebneten, gingen um die Welt. Über 4000 Arbeiter waren rund um die Uhr beschäftigt. Solch revolutionärer, heldenhafter Einsatz hat in China Tradition.

Politbüro räumt Defizite ein

"Zeit ist Leben", zitiert die Tageszeitung "China Daily" den Zulieferer Chen Ye, der Schnellbauteile für das Gebäude geliefert hat. "Es ist ein Rennen gegen den Tod." Er war schon an den Rettungsarbeiten nach dem schweren Erdbeben mit mehr als 70.000 Toten 2008 in der Provinz Sichuan beteiligt.

Räumte das Politbüro diese Woche erstmals "Unzulänglichkeiten und Defizite" in der Reaktion auf den Ausbruch der Lungenkrankheit ein, sollte bei den Bauten auch die Leistungsfähigkeit des kommunistischen Systems demonstriert werden. Betonmischer standen Schlange, ebenso Lastwagen mit medizinischen Geräten, Betten, Klimaanlagen und anderen elektrischen Gerätschaften. Fehlen sonst Schutzanzüge, Mundschutz und Gummihandschuhe - hier wird scheinbar aus dem Vollen geschöpft.

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Nothospitäler verfügen über 2400 Betten

Das erste Hospital, das am Montag eröffnet wurde, hat 1000 Betten auf 34.000 Quadratmeter. Jedes Zimmer sei mit zwei Betten, separatem Badezimmer, Dusche, Fernseher und Klimagerät ausgestattet, schildern Staatsmedien. Festnetz, Glasfaser - es gebe sogar schnelles Internet nach dem modernsten 5G-Mobilfunkstandard. 1400 Ärzte und Pfleger der Volksbefreiungsarmee sollen sich um die Patienten kümmern.

Das erste Nothospital heißt "Huoshenshan", "Berg des Feuergottes" - das zweite "Leishenshan", "Berg des Donnergottes". Nach dem Volksglauben sollen die beiden Götter helfen, Krankheiten zu bekämpfen. Ärztlich viel Personal übernimmt am Mittwoch das zweite Behelfskrankenhaus mit 1400 Betten über 75.000 Quadratmeter.

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In China breitet sich die von einem bislang unbekannten Virus verursachte Lungenkrankheit weiter aus, und die Suche nach einem Heilmittel läuft.  © AFP

Höhepunkt der Epidemie vermutlich noch nicht erreicht

Wuhan allein zählt allerdings schon mehr als 8000 Infizierte, die ganze Provinz fast 17.000 (Stand: 05.02.2020). Da müssen schnell mehr Betten her. So werden das internationale Ausstellungszentrum, das Tagungszentrum Wuhan Parlor sowie das Hongshan-Stadion in Lazarette mit Tausenden Feldbetten für Patienten mit milden Symptomen umgebaut.

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Nach einer Sitzung der Führungsgruppe im Kampf gegen die Lungenkrankheit unter Leitung von Premier Li Keqiang in Peking wird am Mittwoch auch angekündigt, "einige Hotels, Stadien und Trainingszentren" in Krankenlager umwandeln zu wollen. Allen ist klar: Die Zahl der Erkrankten wird noch steigen - denn der Höhepunkt der Epidemie ist noch längst nicht erreicht.

RND/dpa


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