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Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden häufigster Grund für Klinikeinweisung bei Covid-19

  • Fast zwei Drittel aller Covid-19-Krankenhaus­aufenthalte in den USA sind laut einer Studie auf lebensstil­bedingte Krankheiten zurückzuführen.
  • Dazu zählen Krankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden, die das Risiko für Komplikationen deutlich erhöhen.
  • Experten fordern mehr Prävention, um die Zahl der schweren Verläufe zu senken.
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Rund 64 Prozent aller Covid-19-Klinik­aufenthalte in den USA gehen auf nur vier meist lebensstil­bedingte Leiden zurück: starkes Übergewicht, Diabetes, Bluthockdruck und Herzinsuffizienz. Das hat eine Studie von Forschern der Bostoner Tufts University ergeben, die vor wenigen Tagen im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht wurde.

Die Autoren hatten hochgerechnet, wie stark das Risiko für schwere Verläufe und Krankenhaus­einweisungen bei adipösen oder an Diabetes erkrankten Infizierten steigt und bei solchen mit Herz-Kreislauf-Leiden. Fast zwei Drittel der Covid-19-Patienten mussten nach Einschätzung der Wissenschaftler nur deshalb in einer Klinik behandelt werden, weil sie an einer der genannten Vorerkrankungen litten – und die Covid-19-Infektion entsprechend schwerer verlief.

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Eine Adipositas war hierbei der wichtigste Risikofaktor. Die Forscher schätzen, dass sie der Grund für 30 Prozent der Krankenhaus­behandlungen war, gefolgt von Diabetes mellitus, der mit Adipositas oft einhergeht und der Grund für etwa 20 Prozent der Krankenhaus­behandlungen von Covid-19-Patienten gewesen sein soll.

Wie sehr die jeweiligen Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe erhöhen, verdeutlichen die Autoren mit einer Statistik der amerikanischen Gesundheits­behörde Centers for Disease Control an Prevention (CDC). Festzustellen sei ein „dramatischer“ Effekt auf das biologische Alter und die Gefährlichkeit von Virus­infektionen wie Covid-19, schreiben die Wissenschaftler.

Dramatischer Effekt auf biologisches Alter

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Ein 35-jähriger Mann mit Adipositas, Diabetes oder Bluthochdruck hat demnach das gleiche Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, wie ein 75-Jähriger ohne diese Risikofaktoren. Die Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu sterben, ist für ihn genauso hoch wie für einen 65-jährigen Normalgewichtigen ohne Vorerkrankungen.

Bei Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden fällt die Immunabwehr des Körpers schwächer aus, erklären die Wissenschaftler. Starkes Übergewicht führt außerdem zu einer schlechteren Lungenfunktion. Alle Vorerkrankungen gehen zudem mit chronischen Entzündungs­reaktionen im Körper einher und belasten die Gefäße. Bei einer Covid-19-Erkrankungen könne sich dadurch das Risiko für gefährliche überschießende Entzündungs­reaktionen, Schäden der Lunge und anderer Organe sowie lebensbedrohliche Thrombosen erhöhen. Auch ernährten sich die Betroffenen häufig vitaminarm und bewegten sich weniger, was zusätzlich die Krankheits­anfälligkeit erhöht.

42 Prozent aller US-Amerikaner sind adipös

Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen des CDC sind rund 42 Prozent der Amerikaner adipös: Ihr Body-Mass-Index ist höher als 30. Rund 9 Prozent sind schwer adipös und haben einen BMI von über 40. Ein BMI von 40 würde bei einer Körpergröße von 1,75 Metern einem Gewicht von 123 Kilogramm entsprechen. Etwa 10 Prozent der US-Amerikaner leiden an Diabetes, die meisten davon an einem oft ernährungs­bedingten Diabetes Typ 2.

Solchen Risikofaktoren gelte es künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, so die Studienautoren. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass sich diese durch eine Lebensstil­änderung schon in kurzer Zeit beeinflussen lassen. So könne man schon allein durch eine bessere Ernährung und ohne Gewichtsverlust innerhalb von sechs bis acht Wochen einen besseren Gesundheits­zustand erreichen. Und eine Reduzierung der Vorerkrankungsrate um 10 Prozent könne in der Folge bereits zu 11 Prozent weniger Krankenhaus­aufenthalten führen.

Deutsche Adipositas-Gesellschaft wirft Politik Versäumnisse vor

Allerdings begünstigen die Corona-Beschränkungen momentan weltweit einen eher ungesunden Lebensstil. So hatte die WHO schon im Herbst vor einer „Pandemie ungesunden Essens“ gewarnt. Lockdowns hätten zu einem höheren Risiko für Übergewicht geführt und es den Menschen schwerer gemacht, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen.

In Deutschland sind nur etwa 23 bis 24 Prozent der Erwachsenen adipös. Aber auch hier macht sich ein Zusammenhang mit schweren Krankheitsverläufen bemerkbar. Der deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) zufolge hat rund die Hälfte der Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen in Deutschland Adipositas. In einer Stellungnahme wirft die DAG der Politik vor, nicht genug zur Prävention von krankhaftem Übergewicht getan zu haben. Die Pandemie werde nun „zum Brennglas“ für Versäumnisse.

Sie fordert, dass die Behandlung von Adipositas zur Regelleistung der gesetzlichen Kranken­versicherungen wird. „Menschen müssen befähigt werden, ihr Krankheitsrisiko für chronische Folgekrankheiten und akute Virus­pandemien zu senken“, heißt es in der Erklärung. Als weitere Maßnahmen schlägt die DAG unter anderem Einschränkungen von an Kinder gerichteter Lebensmittel­werbung vor, eine Steuerbefreiung von Obst und Gemüse und eine klare und verständliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln.

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