Krebshilfe fordert Solarienverbot - auch Lauterbach warnt vor Risiken

  • Die Deutsche Krebshilfe fordert ein bundesweites Solarienverbot, auch SPD-Politiker Karl Lauterbach setzt sich für schärfere Regeln ein.
  • Grund ist das damit verbundene Risiko für schwarzen Hautkrebs.
  • Die Bräunungsbranche will die Krebshilfe hingegen zu einer Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern.
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Berlin. Zwischen Sonnenstudio-Betreibern und der Deutschen Krebshilfe bahnt sich ein juristischer Streit an. Hintergrund ist die Forderung der Krebshilfe nach einem bundesweiten Solarienverbot. Der Verein hatte am Montag seinen Gesetzesvorschlags in einer Mitteilung damit begründet, dass der Gebrauch dieser Geräte jährlich europaweit bei etwa 3400 Menschen den gefährlichen, schwarzen Hautkrebs verursache. In etwa 800 Fällen führe dieser sogar zum Tod.

Schärfere Regeln für Sonnenstudios?

Der Bundesfachverband Besonnung, der nach eigenen Angaben rund 1200 große Sonnenstudios in Deutschland vertritt, will die Krebshilfe nun zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern, wie Sprecher Holger Ziegert sagte. Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptungen der Krebshilfe. "Eine moderate Solariumsnutzung steigert nicht das Risiko", sagte Ziegert. Mit moderat sind nach seinen Angaben nicht mehr als 50 Sonnenstudiobesuche im Jahr gemeint.

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Der SPD-Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach widersprach dieser Darstellung und forderte anlässlich des Weltkrebstages schärfere Regeln für Sonnenstudios. Bei Solarien gebe es keine sichere Dosis, so Lauterbach. "Gebräunte Haut ist nicht gesund. Sie altert schneller und kann Vorstufen zum Krebs entwickeln."

Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), hatte in der gemeinsamen Mitteilung mit der Krebshilfe gesagt, der Bräunungsprozess sei immer ein Hilfeschrei der Haut. "Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden."

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Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter, fordert schärfere Regeln für die Solariennutzung. © Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Krebshilfe: Minderjährige bräunen sich in Solarien – trotz Verbot

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Der Besuch von Solarien ist in Deutschland für Minderjährige seit 2009 verboten. Die Krebshilfe hatte eine Ausweitung zu einem generellen Solarienverbot gefordert, da das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche bisher völlig unzureichend eingehalten werde. Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven verwies auf Zahlen des Nationalen Krebshilfe-Monitorings zur Solariennutzung (NCAM), wonach es 2018 schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, Zugang zu Solarien zu erhalten.

Der Bundesfachverband Besonnung zweifelte diese Zahlen an. Der Anteil der unter 18-jährigen Solariennutzer habe schon vor dem Verbot bei unter zwei Prozent gelegen, sagte Verbandssprecher Ziegert. Er sprach von populistischen Forderungen.

Lauterbach schlug Testbesuche vor, um zu prüfen, ob Solarien rechtswidrig Minderjährige unter die künstliche Sonne lassen. "Wir müssen die dafür vorgesehenen Strafen deutlich erhöhen. Es handelt sich um eine Körperverletzung, die nach Jahren zu einer Krebserkrankung führen kann." Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene müsse überlegt werden, wenn es nicht gelinge, die Jugendlichen besser zu schützen.

Starkes Rauchen und Übergewicht begünstigen Tumorbildung

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Jährlich erkranken nach Angaben der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Krebs werde zudem durch eine wachsende und älter werdende Weltbevölkerung sowie bestimmte Lebensstilfaktoren begünstigt, sagt Michael Baumann, Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Nach Angaben des deutschen Krebsinformationsdienstes seien Risikofaktoren unter anderem ein starkes Übergewicht, Bewegungsmangel sowie starkes Rauchen.

Rauchen ist einer der Risikofaktoren für Krebs. © Quelle: Robert Schlesinger/zb/dpa

Bis 2040 könnte sich die Zahl der Krebsfälle fast verdoppeln

2018 erkrankten weltweit 18,1 Millionen Menschen neu an Krebs. 9,6 Millionen Menschen starben an bösartigen Tumoren. Prognosen der WHO gehen davon aus, dass sich die Zahl der Krebsfälle bis 2040 sogar fast verdoppeln werde. Umso wichtiger wird eine effektive, medizinische Behandlung werden.

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"Ich glaube, dass wir in zehn Jahren deutlich mehr eine fein justierte, individualisierte Anti-Tumor-Medizin haben", zeigt sich der Vorsitzende des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO), Prof. Wolfgang Knauf, im RND-Interview überzeugt. "Da erwarte ich mir eine flächendeckende Anwendung, ohne dass die klassischen Methoden komplett verschwunden wären."

RND/lb/dpa