Krebs-Vorsorge: Wie Männer ihre Hoden selbst untersuchen können

  • Die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern ist Hodenkrebs.
  • Im gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm gibt es keine Untersuchung für junge Männer.
  • Umso wichtiger ist es, eigenverantwortlich zu handeln - und die Selbstuntersuchung zu erlernen.
David Sander
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Hannover. Mit rund 4000 Neuerkrankungen stellt Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern in Deutschland dar. Vor allem Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr sind betroffen. Es gibt zwar das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm, hier ist jedoch keine Früherkennungsuntersuchung für junge Männer vorgesehen. Deshalb ist es wichtig, dass man früh lernt, eine Selbstuntersuchung durchzuführen.

Hodenkrebs ist gut heilbar

Hodenkrebs ist eine Tumorerkrankung, die in einem der beiden Hoden beginnt und weiter auch Nebenhoden und Samenleiter betreffen kann. "Diagnose Hodenkrebs ist für viele erstmal sehr erschreckend, gerade junge Männer sorgen sich um die Einschränkung ihrer Samenqualität", sagt Sabine Kliesch, Andrologin am Universitätsklinikum Münster.

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Dabei kann die Expertin entwarnen: "Hodenkrebs ist sehr gut heilbar und auch die Familienplanung bleibt noch möglich." Zwar würde die Fruchtbarkeit durch den Krebs und dessen Therapie gefährdet werden, doch Männer können Spermien tiefgefroren konservieren lassen.

Dennoch sollte man Hodenkrebs nicht auf die leichter Schulter nehmen. "Es bleibt eine ernste Erkrankung, die gefährlich werden kann, wenn sie zu spät oder schlecht behandelt wird", sagt Kliesch. Früherkennung sei der wichtigste Punkt, damit der Tumor nicht streut. "Um eine Streuung zu verhindern, sollte der betroffene Hoden so früh wie möglich entfernt werden."

Allgemeines Screening nicht sinnvoll

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Es gibt im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm keine Früherkennungsuntersuchung für junge Männer. Nach Ansicht der Expertin ist das auch nicht nötig: "Wir haben zu wenig Erkenntnis darüber. Man müsste erst einmal ausführliche Studien anordnen, um zu sehen, wer wirklich davon profitieren würde." Ein allgemeines Screening sei bei einer so seltenen und gut heilbaren Erkrankung wahrscheinlich wenig sinnvoll.

Hodenkrebs kann jeden Mann treffen, dennoch gibt es Risikogruppen. "Dazu gehören Männer, die als Kind einen Hodenhochstand hatten. Wird dieser aber frühzeitig korrigiert, sinkt auch das Risiko für Hodenkrebs", sagt Kliesch. Ein höheres Risiko besteht außerdem für Söhne und Brüder von Hodenkrebspatienten. Für sie ist eine Selbstuntersuchung besonders wichtig. "Im Zweifel sollte man als Risikopatient immer zum Facharzt."

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Selbstuntersuchung ist das A und O

Eine Hodenkrebserkrankung fällt den betroffenen Männern meist selbst auf. "Auffällig ist es, wenn sich eine knotige Struktur gebildet hat, die Gefäße sich verändert haben. Bei Schmerzen sollte man sofort zum Arzt", rät die Andrologin. Veränderungen sollten nicht verdrängt werden, das können auch schon kleine schmerzlose Verhärtungen oder Schwellungen sein. Eine Selbstuntersuchung ist zudem nicht schwer. "Die Hoden sind selbst gut zu erreichen, man hat einen guten Seitenvergleich."

Um ein Gefühl dafür zu entwickeln und Abnormalitäten zu erkennen, sollte man sich regelmäßig etwa einmal im Monat abtasten. Gut funktioniert das im Stehen nach einer warmen Dusche, da die Haut des Hodensacks dabei entspannt und die Hoden gut zu fühlen sind. Laut der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) sollte man zuerst Hodensack und Hoden in der geöffneten Handfläche von unten betasten und leicht auf und ab bewegen.

Danach jeden Hoden einzeln abtasten. Dafür empfiehlt die DGU die Hoden zwischen Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger hin und her zu rollen. So spürt man Schwellungen leicht. Auch die Nebenhoden sollten abgetastet werden, sie können leicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden. Abschließend kann man im Spiegel prüfen, ob eine Schwellung im Bereich des Hodensacks erkennbar ist.

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Falls Veränderungen an den Hoden ertastet werden, sollte direkt ein Facharzt aufgesucht werden. Dieser kann mit einer Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie einer Blutuntersuchung herausfinden, ob ein ernsthafter Verdacht auf Hodenkrebs besteht.