Krankenhäuser im Krisenmodus: Unklarheit für Patienten und Angehörige

  • Etliche Kliniken schränken ihre Besuchszeiten wegen der Coronapandemie drastisch ein, einige haben bereits ein komplettes Besuchsverbot verhängt.
  • Geplante Operationen sollen auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
  • Wen das betrifft und was das im Detail bedeutet, ist bisher unklar.
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Grundsätzlich war es ein klarer Aufruf, den Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend im Kanzleramt formulierte: Um die Krankenhäuser für Coronapatienten frei zu halten, sollen ab Montag bundesweit alle “planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe” verschoben werden – für unbestimmte Zeit und “soweit medizinisch vertretbar”.

So verständlich die Forderung in Zeiten der Coronakrise ist, so unklar bleiben bisher die Details: Was gilt als medizinisch notwendiger Eingriff, was nicht? Welche Operationen haben Vorrang, welche können aufgeschoben werden und wenn ja wie lange?

Unklarheiten bei Aufschub von Operationen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat keine allgemein gültigen Antworten auf diese Fragen und verweist auf die Krankenhäuser selbst: “Was planbar ist an Operationen und was nicht, das muss jeder Arzt vor Ort entscheiden, das geht gar nicht anders”, sagt DKG-Sprecher Joachim Odenbach am Freitagmittag auf Anfrage. “Wir können daher auch nicht sagen, wie viele Operationen das insgesamt betrifft.”

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Wie das Ganze in der Praxis abläuft, werde man ab Montag sehen. Schon jetzt sei es so, dass die Krankenhäuser sich mit betroffenen Patienten auseinandersetzten, um über die Verschiebung von Terminen zu informieren. Grundsätzlich regele das jedes Krankenhaus selbst. Allerdings sei es “nicht zielführend, dass sich Patienten mit geplanten Eingriffen aus belasteten Regionen an andere Häuser wenden”, so DKG-Sprecher Odenbach.

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Keine Angaben zum Umgang mit Operationen

Auf einen ausführlichen Fragenkatalog, wie das Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ab sofort mit geplanten Operationen umgeht, welche Fälle darunter fallen und wie viele, heißt es lediglich: “Momentan befindet sich die MHH im Regelbetrieb. Wir beobachten täglich, wie sich die Lage entwickelt und entscheiden angesichts der aktuellen Entwicklung.”

Auch die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) – in dem Bundesland mit den meisten Coronafällen in Deutschland bislang – macht keine Angaben zum genauen Umgang mit geplanten Operationen – und verweist lediglich auf den Rundbrief der bundesweiten Krankenhausgesellschaft, der am Freitag an sämtliche Kliniken in Deutschland ging. “Es muss jetzt alles Mögliche getan werden, um den Bestand und die Arbeitsfähigkeit der Kliniken zu erhalten”, heißt es darin. Die DKG wolle dafür sorgen, dass die finanziellen Hilfen der Bundesregierung unbürokratisch und schnell erfolgen und dass es kein “Klein-Klein” mit den Krankenkassen gebe, welche Kosten in welcher Form erstattet werden.

Der Beschluss der Bundesregierung legt grundsätzlich fest, dass die entstehenden wirtschaftlichen Folgen für die Krankenhäuser seitens der gesetzlichen Krankenkassen ausgeglichen werden. Keine Klinik soll durch die Maßnahmen ins Defizit kommen. Es werde auch einen Bonus für jedes Intensivbett geben, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten werde, heißt es laut Beschluss.

Besuchszeiten teilweise komplett aufgehoben

Zum Schutz der Patienten vor dem Coronavirus haben zahlreiche Krankenhäuser und Pflegeheime in Deutschland inzwischen ihre Besuchszeiten teilweise drastisch eingeschränkt. Einige Kliniken haben ein generelles Besuchsverbot verhängt – in der Region Hannover etwa sind überhaupt keine Angehörigen von Patienten mehr in Krankenhäusern zugelassen. Rückkehrer aus Risikogebieten dürfen auf Anweisung des Sozialministeriums landesweit keine Krankenhäuser betreten. Ziel der vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Maßnahmen ist es, die Infektionsgefahr von außen möglichst gering und Platz für Coronapatienten bereit zu halten.

In 1942 deutschen Krankenhäusern stehen derzeit insgesamt etwa 497.200 Betten bereit, darunter rund 28.000 Intensivbetten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitgeteilt hat, kommen auf 1000 Einwohner im Schnitt etwa sechs Krankenhausbetten. Die Krankenhausbetten sind zu gut drei Viertel ausgelastet (Bettenauslastung insgesamt: 77,8 Prozent; Intensivbetten: 79,0 Prozent).

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Um eine zweite Ansteckungswelle in Deutschland zu vermeiden, sind einige Verhaltens- und Hygieneregeln zu beachten.  © Julia Rathcke/RND

“Wenn man jetzt projizieren würde, dass eine große Fallhäufung in drei Monaten stattfände – sowas würde man in Influenza-Fällen erwarten – und wir nur mit 2 Prozent Intensivstationsaufenthalten rechnen, dann hätten wir trotzdem ein Problem mit unserer Intensivkapazität”, fasst Prof. Christian Drosten (48), Chef-Virologe der Berliner Charité, am Donnerstagabend im Talk bei Maybrit Illner zusammen.



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