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Newsletter „Die Pandemie und wir“

Kraft tanken für den Herbst

In Deutschland stehen die Zeichen auf Entspannung.

Liebe Leserinnen und Leser,

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das Coronavirus hat augenscheinlich seinen Schrecken verloren. Im Supermarkt begegne ich immer mehr Menschen, die auf einen Mundschutz verzichten. Auch Abstand halten nur noch die wenigsten. Die Zeichen stehen auf Entspannung – auch im Bundeskanzleramt. Die Bundesregierung will aufgrund der sinkenden Fallzahlen den dort ansässigen Corona-Krisenstab auflösen. Das Gremium unter der Leitung von Generalmajor Carsten Breuer war zuletzt vor allem dafür zuständig, die Impfkampagne und Impfstoffverteilung zu organisieren. Doch ist ein Ende des Krisenstabs gerade das richtige Zeichen?

Schließlich ist das Virus noch lange nicht verschwunden. Das betonte auch die stellvertretende Regierungssprecherin, Christiane Hoffmann. Sie stellte aber im gleichen Moment klar: „Wir sind mittlerweile in einer ganz anderen Situation, was Infektionen und Impfungen angeht, als im vergangenen Herbst.“ Stimmt. Drei Viertel der Deutschen sind mittlerweile vollständig geimpft, mehr als jeder Zweite sogar geboostert. Und mit Omikron dominiert eine Virusvariante, die hoch ansteckend und immunflüchtig ist, dafür aber grundsätzlich mildere Krankheitsverläufe verursacht.

Die hohe Immunität in der Bevölkerung und die geringere Krankheitsschwere lassen auf einen weniger turbulenten Herbst als im vergangenen Jahr hoffen. Vorausgesetzt, es taucht keine neue, gefährlichere Virusvariante auf. Vielleicht ist es also tatsächlich Zeit, den Katastrophenmodus auszuschalten und die Kraftreserven nach der anstrengenden Berg-und-Tal-Fahrt der Corona-Fallzahlen in den vergangenen Monaten aufzutanken.

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Doch fest steht schon jetzt: Es braucht frühzeitig einen Plan für den Herbst, wenn wieder mehr Infektionen auftreten werden. Zumindest am Expertenrat will die Bundesregierung weiterhin festhalten. Das Gremium, das aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen besteht und die Regierung berät, arbeitet bereits an einer Handlungsempfehlung für die kalte Jahreszeit. Hoffentlich finden diese Vorschläge dann auch Gehör.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

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Erkenntnis der Woche

Die meisten Menschen in Deutschland sind bereits mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen. Darauf deutet eine Modellierung des Robert Koch-Instituts (RKI) hin. Kontakt mit dem Virus bedeutet, sie sind infiziert gewesen und/oder geimpft. Schließlich wird dem Immunsystem mit den Impfungen ebenfalls ein Teil des Virus, das Spikeprotein, präsentiert. Das RKI schätzt, dass bis Ende März nur rund 7 Prozent der Bürgerinnen und Bürger immunologisch naiv gewesen sind (RND+) – also weder geimpft waren noch über eine Ansteckung mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen sind. Exakt beziffern lässt sich dieser Wert jedoch nicht.

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Dass schätzungsweise nur noch 7 Prozent der Deutschen immunologisch naiv sind, ist gut. Denn es bedeutet, dass in der Bevölkerung eine gewisse Immunität vorhanden ist, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmt. Es gibt jedoch noch einige Fragezeichen. Zum Beispiel: Wie gut sind die übrigen 93 Prozent vor Ansteckung und Erkrankung geschützt? Und wie lange hält der Immunschutz von Genesenen an, ehe sie sich erneut mit dem Virus infizieren?

Diese Unsicherheiten machen es schwierig, Prognosen für die kommenden Wochen und Monate zu stellen. Die hohe Immunität bietet auf jeden Fall die Chance, dass im Herbst – wenn sich das Infektionsgeschehen voraussichtlich wieder zuspitzen wird – weniger schwere Fälle auftreten, die die Krankenhäuser belasten. Und auch Lockdowns wird es wohl keine mehr geben. Die gemischte Bevölkerungsimmunität, bestehend aus Impfungen und Infektionen, könne sich zudem positiv auf die Entwicklung von Virusvarianten auswirken, merkte Virusevolutionsforscher Richard Neher an: „Mit zunehmender Diversität werden Varianten, die die Immunität der Mehrheit der Bevölkerung umgehen, weniger wahrscheinlich.“

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Der Corona-Schnelltest ist positiv, der PCR-Test im Anschluss aber negativ. Wie kann das sein? Einer der beiden Tests hat offensichtlich ein falsches Ergebnis geliefert. Unwahrscheinlicher ist es, dass der PCR-Test versagt hat, der nach wie vor als Goldstandard gilt. Wird er falsch gelagert, durchgeführt oder transportiert, kann aber auch er ein falsches Ergebnis anzeigen. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Schnelltest nicht richtig funktioniert hat – was meist dann der Fall ist, wenn die Qualität des Tests schlecht ist oder er nicht richtig angewendet wurde.

Was Sie beachten sollten, wenn Sie einen Corona-Schnelltest machen, hat meine Kollegin Saskia Heinze zusammengefasst (RND+). Nicht nur ist es wichtig, dabei einen Blick in die Packungsbeilage zu werfen, sondern auch die Lagertemperatur und den Ablesezeitpunkt zu beachten. Grundsätzlich gilt: Ein negatives Schnelltestergebnis stellt immer nur eine Momentaufnahme dar. Es kann sein, dass der Test schon am nächsten Tag positiv ausfällt. Genauso sollte ein positives Ergebnis immer durch einen qualitativ höherwertigeren PCR-Test kontrolliert werden.

Zitat der Woche

Ich gehe davon aus, dass Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Winter zurückkommen – jedenfalls im öffentlichen Raum und in Innenräumen, wo Abstand halten schwierig ist.

Marylyn Addo,

Infektiologin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie

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Forschungsfortschritt

Eine Blutuntersuchung kann Hinweise liefern, um festzustellen, wie schwer eine infizierte Person an Covid-19 erkrankt. Genauer gesagt ist es eine bestimmte Gruppe von Killer-T-Zellen, die darüber Auskunft gibt. Sind die Immunzellen nur in geringer Menge im Blut vorhanden, kann das ein Frühwarnzeichen für einen schweren Krankheitsverlauf sein, wie Forschende aus der Schweiz herausgefunden haben.

Der Killer-T-Zellen-Mangel ließ sich bei Corona-Erkrankten bereits bei der Aufnahme in eine Klinik nachweisen. Wird er frühzeitig erkannt, können gezielt Medikamente zur Behandlung der Corona-Erkrankung eingesetzt und die Betroffenen im Krankenhaus genauer überwacht werden. Wer sich mit dem Virus infiziert und starke Symptome bei sich bemerkt, sollte nicht zögern, den Hausarzt oder die Hausärztin zu konsultieren. Verschlechtert sich der Zustand, sollte eine Klinik aufgesucht oder der Notruf unter 112 angerufen werden.

Pandemie im Ausland

Eine Frau macht in der südafrikanischen Ndlovu-Klinik einen Corona-Test: Die Virusvarianten BA.4 und BA.5 breiten sich in dem Land immer weiter aus.

Eine Frau macht in der südafrikanischen Ndlovu-Klinik einen Corona-Test: Die Virusvarianten BA.4 und BA.5 breiten sich in dem Land immer weiter aus.

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Angelique Coetzee ist eine der Forschenden, die Ende vergangenen Jahres die Corona-Variante Omikron in Südafrika entdeckt hatten. Nach ihrem Fund waren innerhalb kurzer Zeit auch erste Fälle in Deutschland aufgetaucht. Und auch jetzt scheint Südafrika anderen Nationen wieder zeitlich voraus zu sein: In dem Land deutet sich eine fünfte Infektionswelle an, ausgelöst durch die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5.

Die neuen Virusvarianten seien trügerisch, insbesondere BA.4, erklärte Allgemeinmedizinerin Coetzee im Gespräch mit meinem Kollegen Markus Schönherr (RND+). Infizierte würden vermehrt husten und Symptome einer Bronchitis aufweisen, hätten teilweise auch Ohreninfektionen. Einige von ihnen hätten sich bereits mit Omikron infiziert, andere seien sogar dreifach geimpft gewesen – alles deutet darauf hin, dass sich das Virus dem Immunsystem entziehen kann. Die gute Nachricht ist: BA.4 scheint nicht häufiger zu schweren und tödlichen Krankheitsverläufen zu führen.

In Deutschland sind bereits erste Fälle mit den Virusvarianten BA.4 und BA.5 bekannt. Noch nehmen sie aber keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Das Robert Koch-Institut bezifferte ihren Anteil zuletzt mit weniger als 0,5 Prozent.

Was kommt

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA rechnet damit, dass ein Impfstoff gegen die Corona-Variante Omikron spätestens Ende September zur Verfügung steht. Die erforderlichen klinischen Studien liefen, sagte am Donnerstag der EMA-Direktor für Impfstrategie, Marco Cavaleri. Die größten Chancen auf eine Zulassung hätten die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna, aber auch die Wirkstoffe anderer Hersteller würden laufend geprüft werden.

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Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission, machte in dieser Woche erneut deutlich: „Ältere und andere Risikogruppen sollten nicht darauf warten, bis ein an die Omikron-Variante angepasster Impfstoff kommt.“ Sie sollten die jetzt verfügbaren Vakzine nutzen, um sich impfen und boostern zu lassen. Allen über 70-Jährigen, Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, Immungeschwächten und Mitarbeitenden im Gesundheits- und Pflegewesen empfiehlt die Stiko auch eine zweite Auffrischungsimpfung. Diese soll frühestens drei beziehungsweise sechs Monate nach dem ersten Booster erfolgen.

Was die Pandemie leichter macht

Campen unter dem Sternenzelt: So lässt sich die Schönheit der Natur genießen.

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Das erste Sommerwetter hat dieser Tage Deutschland erreicht, die Corona-Lage bessert sich – da steht vielen Menschen der Sinn nach Abwechslung und Unternehmungen im Freien. Meine Kollegin Talisa Moser hat zehn Freizeittipps zusammengestellt, die (fast) nichts kosten (RND+). Wie wäre es zum Beispiel mit einer Radtour nach dem langen Winter, sich die frische Luft um die Ohren wehen lassen? Oder waldbaden gehen? In der Natur gibt es schließlich immer etwas zu entdecken. Und wer einen Tag im Grünen verbringen möchte, kann diesen mit einem abendlichen Blick auf den Sternenhimmel ausklingen lassen. Auf diese Weise lässt sich bestimmt der stressige Alltag für einen Moment vergessen.

Was sonst noch wichtig ist

Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich in Deutschland neue Mückenarten ausbreiten. Steigen die Temperaturen weiter an, könnten einige von ihnen in Zukunft tropische Krankheiten wie das West-Nil-Fieber übertragen. Diese Erkrankung verläuft meist symptomlos, kann aber auch mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost sowie Kopf- und Rückenschmerzen einhergehen. Schwere und tödliche Krankheitsverläufe sind eher selten.

Meine Kollegin Irene Habich hat sich vier Mückenarten genauer angesehen, die als potenzielle Virusüberträger infrage kommen. Darunter sind nicht nur eingeschleppte Arten wie die asiatische Tigermücke oder die asiatische Buschmücke, sondern auch die hierzulande am stärksten verbreitete, gemeine Stechmücke. Sticht sie Zugvögel, die das West-Nil-Virus – den Auslöser der Krankheit – in sich tragen, kann sie anschließend Menschen oder auch Pferde mit dem Erreger infizieren. Mit höheren Temperaturen dürfte es das Virus leichter haben, sich in den Mücken zu vermehren, befürchten Expertinnen und Experten. Bisher gilt vor allem der Osten Deutschlands als Hotspot des West-Nil-Virus.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de. Wir freuen uns!

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