Kondom-Lieferketten unterbrochen: Millionen Paare können nicht verhüten

  • Verhütungsmittel werden in vielen Regionen der Welt knapp.
  • Laut der Stiftung Weltbevölkerung treffe das insbesondere Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern.
  • Hilfsorganisationen befürchten, dass die Zahl ungewollter Schwangerschaften und Abtreibungen durch die Corona-Krise stark zunehmen wird.
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Hannover. Millionen Paare weltweit können wegen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus nicht verhüten. “Die Lieferketten für Kondome sind unterbrochen”, sagte der Geschäftsführer der Stiftung Weltbevölkerung, Jan Kreutzberg. Aber auch andere Verhütungsmittel seien in vielen Regionen knapp. Das treffe Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern am stärksten.

"Besonders in männerdominierten Gesellschaften ist es durch die Ausgangsbeschränkungen für die Frauen noch zusätzlich schwierig", sagte Kreutzberg. Sie könnten kaum mehr unbemerkt auf den Markt, zur Apotheke oder einem Gesundheitszentrum gelangen. "Weil viele Männer gegen Familienplanung sind, müssen die Frauen oft heimlich verhüten."

Millionen ungewollte Schwangerschaften befürchtet

Bis zu 9,5 Millionen Mädchen und Frauen könnten nach Berechnungen der britischen Hilfsorganisation Marie Stopes International in diesem Jahr wegen der Corona-Maßnahmen ihren Zugang zu Verhütungsmitteln verlieren. Die Folge wären demnach allein in den 37 Ländern, in denen die auf Familienplanung spezialisierte Organisation tätig ist, bis zu drei Millionen ungewollte Schwangerschaften. Zudem drohten bis zu 2,7 Millionen unsichere Abtreibungen. Bis zu 11.000 Mädchen und Frauen könnten an Komplikationen bei der Schwangerschaft oder infolge eines Abbruchs sterben.

Die Mehrzahl der Präservative, die auch von Hilfsorganisationen verteilt würden, werde in Malaysia und Thailand hergestellt, sagte Kreutzberg. Doch nun seien viele Fabriken zu, Grenzen geschlossen, Transportwege deutlich reduziert, die Zollabfertigung sehr viel langsamer. Hormonbasierte Verhütungsmittel wie die Pille, Injektionen und Spiralen kämen aus China oder Indien, mit den gleichen Lieferschwierigkeiten.

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Sexualkunde in der Schule fällt in der Corona-Krise aus

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Wegen der Schulschließungen erhalten laut Kreutzberg viele Jugendliche keine Sexualerziehung. “Es gibt Aufklärungsprogramme über die Medien, aber man erreicht nur einen Bruchteil der Mädchen und Jungen.” Zwar nehmen durch die geschlossenen Schulen nach Kreutzbergs Einschätzung die Begegnungen zwischen den Geschlechtern und damit auch die spontanen Sexualkontakte ab. “Aber wenn es dazu kommt, resultiert es erheblich öfter in einer Schwangerschaft.” Experten befürchten eine deutliche Zunahme von Teenager-Schwangerschaften durch die Corona-Maßnahmen.

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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND

"Es ist entscheidend, dass die Regierungen genügend Mittel für die Familienplanung bereitstellen", betonte Kreutzberg. Sie trage erheblich zu Armutsbekämpfung und Gleichberechtigung bei.

RND/ epd

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