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„Weiche Triage“: Mediziner warnen vor Überlastung der Intensivstationen

Die aktuelle Situation auf der Intensivstation im Klinikum Fürth ist angesichts steigender Corona-Zahlen sehr angespannt, das Personal ist mit den Kräften am Ende.

Immer mehr Covid-Patienten und -Patientinnen müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Darunter leidet auch die Versorgung der Menschen, die nicht an Covid-19 erkrankt sind, berichten mehrere Ärzte. Das gilt derzeit hauptsächlich für Bayern, Sachsen und Thüringen, wo Kliniken bereits an ihre Belastungsgrenze kommen. Sachsen hat die Corona-Überlastungsstufe bei seinen Krankenhausbetten offiziell erreicht.

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Operationen werden verschoben

„Die Versorgung normaler Patienten ist in diesen Regionen beeinträchtigt“, sagt Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln bei einem Expertenbriefing des Science Media Centers Germany zur Lage auf den Intensivstationen. In Bayern und Sachsen werde jede aufschiebbare Operation verschoben, weil sonst die Intensivbetten nicht ausreichten.

Dazu gehören lebenswichtige Eingriffe wie etwa große Tumor-OPs, Herz-, Gefäß- und Neurochirurgie-OPs, nach denen die Kranken auf der Intensivstation weiter versorgt werden müssen. „Das kann dazu führen, dass das Wohlergehen der Patienten Schaden nimmt.“ Hallek befürchtet, dass dieser Zustand auch in ganz Deutschland eintreten könnte, sollten die Fallzahlen weiter steigen.

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Scholz: Müssen als Land zusammenhalten

Im Hinblick auf die schwierige Corona-Lage müsse das Notwendige getan werden, sagte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Kommt eine Triage?

Wird dann in Deutschland die Einführung einer Triage notwendig? Ganz weit entfernt sei man davon nicht, sagt Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Es ist abzusehen, dass die Kapazitäten in den Regionen mit den hohen Inzidenzen nicht reichen werden.“

Die Mediziner berichteten, dass es bereits jetzt eine „weiche Triage“ gebe. Das bedeutet, dass sich die Versorgung der Menschen verschlechtert oder eine Behandlung verzögert wird – etwa weil der Rettungswagen mit einem Patienten keine Klinik mit einem freien Bett findet und stundenlang umherfahren muss.

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Ärzte wollen Triage verhindern

Die Mediziner sprechen sich dafür aus, zunächst alle Maßnahmen auszureizen, bevor es zu einer echten Triage kommt. Dazu gehören Operationen zu verschieben, Personal von den Normalstationen auf die Intensivstationen zu versetzen und Patienten und Patientinnen aus den besonders betroffenen Bundesländern zu verlegen.

Damit die Triage verhindert werden kann, fordern die Mediziner auch noch mal die gesamte Energie in die Impfkampagne zu stecken. „Ich glaube, es ist noch nicht zu spät. Wir brauchen schnell ein nationales Konzept, um den Impffortschritt insbesondere der Booster-Impfung anzukurbeln“, sagte Kluge. Auch wohnortnahe Impfungen in Bussen sind seiner Meinung nach nötig.

Die Mediziner sparen nicht mit Kritik an der Regierung. „Wir müssen jetzt in der Politik alle Weichen stellen, dass wir die Inzidenzen senken. Dazu brauchen wir eine einheitliche, professionelle Kommunikation durch die Verantwortlichen in unserem Land. Wir brauchen Leadership“, sagte Hallek.

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