Alpha und Beta: Ko-Infektionen offenbar mit mehreren Virusvarianten möglich

  • Offenbar ist es möglich, sich mit zwei unterschiedlichen Varianten des Coronavirus gleichzeitig zu infizieren.
  • Weltweit wurden mehrere solcher Fälle dokumentiert.
  • Forschende wollen das Auftreten von Doppelinfektion unter anderem deshalb im Auge behalten, weil es das Auftreten von Mutationen befördern könnte.
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In mehreren Ländern haben sich Menschen mit zwei Varianten des Coronavirus gleichzeitig infiziert. Auch belgische Forschende haben einen solchen Fall nun dokumentiert. Ihre Untersuchung stellten sie auf dem Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten vor.

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten, wurde eine 90-jährige Belgierin im März dieses Jahres in ein Krankenhaus in Aalst eingeliefert, nachdem sie mehrfach gestürzt war. In der Klinik wurde die Frau positiv auf die Alpha-Variante des Coronavirus getestet, die zuerst in Großbritannien entdeckt worden war. Gleichzeitig wurde bei ihr die Beta-Variante des Virus nachgewiesen, die erstmals in Südafrika festgestellt wurde. Die Patientin entwickelte Atembeschwerden und verstarb nach wenigen Tagen.

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Die Leiterin der Untersuchung sagte, es sei wahrscheinlich, dass sich die Frau bei zwei verschiedenen Personen mit den zwei unterschiedlichen Varianten infiziert habe, die beide zum gleichen Zeitpunkt in Belgien zirkulierten. Wie genau sich die Betroffene angesteckt habe, sei leider nicht zu klären, sie sei aber regelmäßig in Kontakt mit verschiedenen Menschen gewesen und von einem Pflegedienst zu Hause betreut worden. Es lasse sich auch nur schwer sagen, ob die Infektion mit den zwei Varianten das Krankheitsgeschehen beeinflusst habe.

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Doppelinfektionen: Studie zur Häufigkeit gibt es noch nicht

Über Ko-Infektionen, also Infektionen mit mehreren Varianten gleichzeitig, war bereits im Januar aus Brasilien berichtet worden. Forschende hatten bei zwei positiv Getesteten, die mit der dort vorherrschenden Gamma-Variante infiziert waren, zusätzlich je eine weitere Virusvariante nachgewiesen. Beide Personen waren zwischen 30 und 40 Jahre alt und hatten trotz der Doppelinfektion nur milde Symptome entwickelt.

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Auch portugiesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten im Februar über einen Fall berichtet, wo bei einer 17-Jährigen zunächst eine und dann 19 Tage später eine weitere Variante des Virus nachgewiesen wurde. Und auch sie gingen davon aus, dass die junge Frau gleichzeitig mit beiden Typen des Erregers infiziert war. Sie hielten es für möglich, dass die zusätzliche Infektion mit der zweiten Variante zu einem untypischen Krankheitsverlauf geführt haben könnte: Obwohl die Patientin noch jung war und keine Vorerkrankungen hatte, hatte sie verhältnismäßig schwere Symptome entwickelt und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Bei den Doppelinfektionen scheint es sich bislang um Einzelfälle zu handeln. Eine systematische Untersuchung dazu, wie oft sie insgesamt vorkommen, gibt es noch nicht. Grundsätzlich ist es aber möglich, dass zwei Linien des Virus gleichzeitig einen Menschen befallen. Dazu kann es kommen, wenn sich jemand bei einer anderen Person ansteckt, die mit zwei Virentypen gleichzeitig infiziert ist. Oder wenn sich jemand nacheinander bei zwei Personen ansteckt, die Träger unterschiedlicher Varianten sind.

Doppelinfektion kann Mutationen fördern

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Möglich ist auch, dass sich die Mutationen des Virus im Organismus des Infizierten entwickeln, vor allem dann, wenn eine Infektion länger anhält. So wurde im Wissenschaftsmagazin Nature der Fall eines 70-jährigen an Krebs erkrankten Mannes beschrieben. Der Krebspatient hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und war mit antikörperhaltigem Plasma von Genesenen behandelt worden, hatte aber einen chronischen Verlauf entwickelt und war schließlich verstorben. Im Verlauf der über 100 Tage andauernden Infektion hatten Forschende mehrmals Proben des Mannes sequenziert und beobachtet, dass sich Mutationen entwickelt hatten. Am Ende dominierte eine mutierte Virusvariante sogar die Infektion.

Dass Doppelinfektionen generell besonders gefährlich sind, dafür gibt es bisher keine Belege. Zwar kann eine Infektion schwerer verlaufen, wenn die Viruslast im Körper insgesamt hoch ist. Das muss aber bei einer Ko-Infektion nicht automatisch so sein. Forschende wollen das Auftreten von Doppelinfektion allerdings auch deshalb im Auge behalten, weil es das Auftreten von Mutationen befördern könnte. So ist es theoretisch möglich, dass zwei Virusvarianten Erbgut untereinander austauschen, wenn sie gleichzeitig denselben Organismus befallen.

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